Pariser Vizebürgermeister Touristenbusse "nicht länger erwünscht"

Wenn es nach dem stellvertretenden Bürgermeister von Paris geht, sollen alle etwas dafür tun, die Umwelt zu schonen - auch Touristen. Er will daher Reisebusse aus dem Stadtzentrum verbannen.

Reisebus am Eiffelturm
Michel Euler/ AP

Reisebus am Eiffelturm


Sie gehören zum Pariser Stadtbild dazu: Busse, die Touristen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten kutschieren. Doch damit soll Schluss sein, wenn es nach dem stellvertretenden Bürgermeister der französische Hauptstadt geht. Emmanuel Grégoire will Touristenbusse aus dem Stadtzentrum verbannen. Dies sagte er in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Parisien". Paris-Besucher sollten sich demnach lieber zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen.

"Reisebusse sind im inneren Stadtkern nicht länger erwünscht", sagte Grégoire. Er schlug die Maßnahme als Teil einer Reihe von Initiativen vor, die die Auswirkungen von Overtourism in der französischen Hauptstadt regulieren sollen.

Die Auswüchse des Massentourismus hätten in Paris zwar noch nicht das Level erreicht wie etwa in Barcelona oder Venedig. Die Pariser beobachteten jedoch trotzdem misstrauisch Veränderungen, die mit Overtourism einher gingen.

Nichtsdestotrotz betonte der stellvertretende Bürgermeister, dass Paris offen für Tourismus sei und Bemühungen etwa in Form von freien, öffentlichen Toiletten gezeigt habe. Dennoch sollten Touristen "tun, was alle anderen auch tun und öffentliche Verkehrsmittel oder andere umweltfreundliche Fortbewegungsmittel benutzen. Wir brauchen eine Veränderung".

Grégoire merkte an, dass Gruppentouren im Bus für ältere Menschen komfortabler seien. Auch Reiseveranstalter könnten unter der Forderung leiden. Doch diese müssten "ihre Arbeit an die Bedürfnisse der Stadt anpassen" und dann eben Fahrradtouren oder Walkingtouren anbieten, sagte er.

kry



insgesamt 14 Beiträge
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K. Larname 04.07.2019
1.
Ich finde es OK, so wie ich auch alle Aktionen auf Mallorca und andernorts OK finde. Irgendwann reicht es mal an den einschlägigen Locations mit der Dumpingtourismusschwemme. Einfache Formel: Tourismus-Umsatz oder Lebensqualität. Letztere leidet, wenn ersterer übertrieben wird.
ichliebeeuchdochalle 04.07.2019
2.
Nachfrage: Und wenn die Veranstalter auf E-Busse umschwenken? Öffentliche Verkehrsmittel sind ja nicht per se umweltfreundlicher als Reisebusse. Wenn er nichts zu E-Bussen gesagt hat, sollten Journalisten nachfragen.
supernicky_reloaded 04.07.2019
3.
Ein Parisbesuch hat mit Dumpingtourismus nichts zu tun, auch die Preise für die Busrundfahrten sind nicht gerade günstig. Ich war schon x mal in Paris, und normalerweise bin ich da immer Metro gefahren. Beim letzten Besuch dann zum ersten Mal u.a. diese Bustour gemacht, und sie bietet durchaus Mehrwert. Man sieht die Stadt endlich mal ein bisschen zusammenhängend, statt immer nur aus der Metrostation zum nächsten sight zu stapfen, und man hat Kopfhörer, über die man während der Fahrt interessante Informationen in der eigenen Sprache erzählt bekommt. Ich fand die Bustour eigentlich schön und interessant und würde es schade finden, wenn die wegfällt. Die Schiffahrt auf der Seine ist längst nicht so abwechslungsreich und informativ.
Interzoni 04.07.2019
4. Etwas übertrieben
Klar, Paris hat ein massives Autoproblem, da muss viel getan und leider auch verboten werden. Aber wenn die Diesel- durch E-Busse ersetzt werden, ist doch schon viel gewonnen. Per se ist ein halbwegs gefüllter Bus ja nicht so umweltbelastend wie eine Tonne Auto, die 70 kg Mensch transportiert.
geotie1 04.07.2019
5.
Ich mag schon gar nicht mehr zu irgendwelche Attraktionen hinfahren. Entweder sind da schon so viele Touristen, dass es nicht mehr schön ist, oder es verschandelt die Natur und man will selbst sich nicht daran beteiligen oder die Einwohner sehen mich nur noch als störenden Besucher, so wie in einer Straße in Paris. Da gehe ich lieber gleich in den Wald um die Ecke und genieße die Natur oder setze mich in ein stinknormales Café ohne überhöhte Preis mit guter Qualität und ohne viele Menschen um mich herum. Paris hat es bisher immer genossen, dass viele Leute dahinfuhren und viel Geld da ließen. Sieht man schon an den Eintrittspreisen Louvre und Eifelturm! Doch für einige ist es inzwischen lästig geworden. Hat der Bürgermeister eigentlich keine Angst, dass man eventuell keine Busse mehr nimmt, dafür aber das Taxi in Anspruch nimmt? Belastung wäre größer!
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