Per Billigflieger durch Südostasien Städtehopping mit Tiger und Co.

Tiger Airways, Lion Air oder Cebu Pacific Air – so exotisch wie ihre Namen ist auch das Fluggebiet der Billigflieger: Quer durch Südostasien können Backpackern für wenig Geld mit neuen Low-Cost-Airlines hüpfen. Gefährlich ist das nicht, im Gegenteil.


Heide/Frankfurt/Main - Heute in Bangkok, morgen in Singapur, übermorgen ein Abstecher nach Hongkong: Was sich wie das Jetset-Leben eines Geschäftsreisenden anhört, kann in Südostasien inzwischen auch die Sightseeing-Tour eines Urlaubers sein. Und das keineswegs zu hohen Preisen. Low-Cost-Carrier bieten zwar weniger Service und Komfort an als herkömmliche Fluggesellschaften, geben aber die daraus entstehenden Kostenvorteile größtenteils an ihre Kunden weiter.

In Europa erobern die Billigflieger seit den späten neunziger Jahren den Himmel. Südostasien zieht nun seit einigen Jahren nach. Innerhalb weniger Stunden sind Flüge von Jakarta nach Bali, von Bangkok nach Manila oder von Kuala Lumpur nach Macao für weniger als 50 Euro möglich, ohne weit im Voraus buchen zu müssen. Im Internet werden Urlauber schnell fündig. Billig-Airlines wie Air Asia, Tiger Airways oder Jetstar steuern inzwischen eine Vielzahl von Zielen in Thailand, Malaysia, Indonesien oder Kambodscha an. Hinzu kommen Anbieter, die einzig oder überwiegend auf nationaler Ebene operieren.

"Für Rucksacktouristen ist das eine tolle Sache", meint Wolfgang Georg Arlt vom Fachbereich Internationales Tourismusmanagement der Fachhochschule Westküste (FHW) in Heide. Allerdings müsse man sich in der Region schon gut auskennen, da die Billigflug-Angebote Südostasiens noch nicht bekannt genug seien. Ein Problem der Billigflieger ist noch die Infrastruktur. "Viele Flughäfen Südostasiens sind nur für Turboprop-Maschinen geeignet", erklärt Lutz Schmidt von der touristischen Fachzeitschrift "FVW International" in Hamburg. Da die Airline-Flotten aber überwiegend aus Düsenjets bestehen, können nur wenige Airports angeflogen werden.

Starke Konkurrenz auf dem asiatischen Billigflieger-Markt

Das bedeute aber auch, dass die Region noch "unheimliches Potenzial" habe. Allerdings flögen derzeit viele Gesellschaften die gleichen Strecken und zerstörten sich so gegenseitig das Geschäft. Schmidt geht davon aus, dass sich der Markt bereinigen wird und dann auch die Preise steigen. Die sollte sich der Billigflieger-Kunde ohnehin genau ansehen. Denn zusätzlich entstehende Kosten wie Steuern, Gebühren, Versicherungen oder Treibstoffpauschalen sind nicht unbedingt im Preis eingerechnet. So kommen diese Kosten beispielsweise bei der malaysischen Fluggesellschaft Air Asia auf den Flugpreis obendrauf.

Dennoch sind die Angebote der Airline im Vergleich zu herkömmlichen Flügen günstig. Ein Einzelflug von Bangkok nach Singapur ist in der Regel für 50 Euro möglich. Ebenso verhält es sich mit einem Flug von Kuala Lumpur nach Macao. Und bei Inlandsflügen - wie etwa von Bangkok zur Ferieninsel Phuket - ist das One-Way-Ticket sogar schon für 30 Euro erhältlich.

Air Asia fliegt Ziele in Thailand, Singapur, Indonesien, den Philippinen, Kambodscha, Vietnam, Brunei und China an. Als Freigepäck sind lediglich 15 Kilogramm erlaubt. Sitzplatz-Reservierungen gibt es nicht, die Passagiere wählen sich ihren Platz selbst aus, wenn sie an Bord kommen. Getränke und kleine Snacks sind während des Fluges nur gegen Bezahlung zu bekommen. Jedoch startet und landet Air Asia direkt auf den Großflughäfen wie dem Suvharnabumi-Airport in Bangkok oder dem Changi-Airport in Singapur, die für viele Rucksackreisende das Tor zu Südostasien sind.

Für die Zukunft kündigt Air Asia Flüge nach Indien an. Das plant auch Tiger Airways. Die Fluggesellschaft, die sich zu 49 Prozent im Besitz von Singapore Airlines befindet, hat ebenfalls zahlreiche Flüge unter 50 Euro im Programm. Außer Zielen in China, Vietnam, Thailand, Indonesien und den Philippinen steuert Tiger aber auch Airports in Australien an. Die Städte Darwin und Perth sind von Singapur aus zu einem Preis unter 100 Euro erreichbar.

Qualität ist gut, Service ist oft besser

Die Airline macht damit einem anderen Low-Cost-Carrier Konkurrenz. Die Qantas-Tochter Jetstar verfügt über zahlreiche australische Destinationen. Seit einigen Jahren fliegt sie nun auch in Südostasien. Die Zielländer sind Kambodscha, Vietnam, Thailand, Hongkong, Indonesien, Malaysia, Singapur, Taiwan, die Philippinen und Myanmar. Auch Hawaii, Japan und Neuseeland fliegt die Airline an.

Innerhalb der vergangenen drei Jahre beförderte die Gesellschaft 17 Millionen Passagiere. "Eine Million davon flog zu einem Preis, der unterhalb von 50 australischen Dollar (rund 30 Euro) lag", sagt Nasrin Shaikh von der Pressestelle der Jetstar-Muttergesellschaft Qantas in Frankfurt. Die längeren Flüge dagegen sind teurer. Von Bangkok aus über Sydney ist mit Jetstar ein Abstecher nach Honolulu möglich. Rund 400 Euro muss der Fluggast für das One-Way-Ticket nach Sydney berappen, weitere 380 Euro für die Reise nach Hawaii. Jedoch fliege er damit immer noch deutlich günstiger als bei den herkömmlichen Airlines, sagt Nasrin Shaikh.

Andere Low-Cost-Carrier bedienen dagegen fast nur inländische Flugrouten. So fliegt Nok-Air ausschließlich in Thailand. In Indonesien ist Lion Air neben einigen internationalen Strecken als nationaler Low-Cost-Carrier tätig. Das Streckennetz von Pacific Airlines befindet sich schwerpunktmäßig in Vietnam, und Cebu Pacific Air bedient den Markt auf den Philippinen. Diese nationalen Anbieter ermöglichen es Reisenden, auch Ziele in der Provinz schnell zu erreichen. Die Preise für solche Flüge bewegen sich in der Regel zwischen 20 und 30 Euro für das Einzelticket.

Dabei stehen die Airlines in Sachen Qualität den europäischen Anbietern in nichts nach, sagt Arlt. Im Gegenteil: "Der Service ist meist besser als in Europa."

Von Hinrich Rohbohm, gms



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.