Peru Neuer Flughafen soll am Machu Picchu entstehen

Die Unesco warnt vor noch mehr Touristen am Weltkulturerbe Machu Picchu. Doch Perus Regierung will mehr Besucher zur berühmten Ruinenstadt locken. Dafür will sie einen neuen Flughafen bauen - und Menschen enteignen.

DPA

Gigantische Mauern, gut erhaltene Häuserfassaden und mit Gras überwucherte Terrassen, die auf dem Bergrücken ebene Fundamente schaffen: Die Ruinenstadt Machu Picchu sieht aus, als sei sie schon immer ein Teil der Anden gewesen. Dabei hatte sie die indigene Bevölkerung Südamerikas erst im 15. Jahrhundert hoch über dem Urubambatal erbaut, auf über 2300 Meter Höhe. An wohl keinem anderen Ort bekommen Reisende einen so guten Eindruck davon, wie die Inkas gelebt haben. Hunderttausende Menschen pilgern jedes Jahr hierher.

Geht es nach der puruanischen Regierung, könnten die Touristenzahlen jedoch noch weiter steigen: Präsident Ollanta Humala hat Pläne für einen neuen Flughafen in der Nähe der Ruinenstadt veröffentlicht. "Dank dieses neuen Airports werden nicht nur mehr Besucher herkommen können, sondern es werden auch Arbeitsplätze entstehen", sagte Humala laut britischen Medien. Der alte Flughafen reiche nicht aus.

Die neue Infrastruktur soll östlich von Machu Picchu entstehen, in der Stadt Chinchero. Hier müssen aber zunächst Landbesitzer enteignet werden - das passende Gesetz dafür hat Präsident Humala jüngst erlassen. Umgerechnet mehr als 365 Millionen Euro will die Regierung investieren. Doch der Preis für mehr Besucher könnte ein noch höherer sein: Die Ruinen könnten unter den Touristenmassen leiden.

Seit 1983 gehört Machu Picchu zum Weltkulturerbe. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen äußerte in den vergangenen Jahren mehrfach Kritik am Massentourismus, der die Ruinen bedroht. 2011 wäre Machu Picchi beinahe in die Kategorie der gefährdeten Kulturstätten aufgenommen worden. Um die bedeutende Stätte zu schützen, empfahl die Unesco, den Besucherstrom zu begrenzen: auf 2500 Menschen pro Tag. Ob dieses Ziel mit den neuen Flughafen-Plänen zu vereinbaren ist?

Humala pocht auf seinem Argument: Die Investition in die Infrastruktur solle helfen, die Armut zu verringern - die alten Kulturen wolle man dabei respektiert.

jus



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querulant_99 24.08.2012
1.
Wenn die Peruaner auf Zeit spielen wollen, sollten sie das Management aus Berlin einfliegen lassen.
Facultas 24.08.2012
2. Management aus Berlin?
Der Konzessionär von ganz Machu Picchu ist ein US-Unternehmer mit eigenem Management, daher wird die Investition in die Infrastruktur, nur dem Konzessionär helfen, seinen Gewinn zu maximieren. Es ist ja quasi eine Sitte in Lateinamerika, dass der Staat für die Infrastruktur ausländischer Firmen aufkommt und sich weiter verschuldet. Humala kann daran nichts ändern.
Facultas 24.08.2012
3. Management aus Berlin?, wozu?
Der Konzessionär von ganz Machu Picchu ist ein US-Unternehmer mit eigenem Management, daher wird die Investition in die Infrastruktur, nur dem Konzessionär helfen, seinen Gewinn zu maximieren. Es ist ja quasi eine Sitte in Lateinamerika, dass der Staat für die Infrastruktur ausländischer Firmen aufkommt und sich weiter verschuldet. Humala kann daran nichts ändern.
dbrown 25.08.2012
4. Sollen die mal machen
Hoffentlich rutscht der ganze Hügel dann endlich ab, ein Weltkulturerbe weniger, so ist der Mensch halt, Hauptsache Reibach, vollkommen wurscht, wie der zustande kommt. Das Volk ist immer der Dumme. So wie hier.
rolandofurioso 26.08.2012
5. Schlecht recherchiert
Ein schneller Blick auf die Landkarte macht deutlich, dass es sich bei dem geplanten Flughafenbau nahe Chinchero mitnichten um den Neubau eines Flughafens nahe der Ruinenstätten von Machupicchu handelt, sondern offenbar vielmehr um den Neubau des in die Jahre gekommenen Flughafens von Cuzco. Chinchero liegt ca. 30 Km entfernt auf der Hochebene zwischen Cuzco und Urubambatal, jedoch immer noch deutlich mehr als 100 Km entfernt von Machupicchu! Als Tourist sparte man damit zugegebenermaßen ca. 30 Minuten Fahrt auf dem Weg nach Machupicchu, jedoch sind es von hier aus noch mindestens ca. 3 bis 4 weitere Stunden Fahrzeit (inklusive Umsteigen in den unvermeidlichen Touristenzug in Ollanta) auf dem Weg zu den Ruinenstätten. Für die Touristen wird sich in aller Regel nichts ändern, da der Besuch der kolonialen Altstadt von Cuzco (ebenfalls Weltkulturerbe!) in jedem Falle mit auf dem Besichtigungsprogramm stehen wird; auch übernachtet man ja typischerweise zumindest zwei bis drei Nächte in einem der Touristenhotels in der Altstadtstadtnähe von Cuzco. Es geht also nicht um die direkte Erschließung von Machupicchu durch einen neuen Touristenflughafen, sondern in erster Linie um die Erweiterung der Kapazitäten sowie die Verbesserung der Infrastruktur in der Großregion Cuzco. Der bisherige Flughafen verfügt nur über eine recht kurze Start- und Landebahn und befindet sich in wenigen Kilometern Entfernung zur Altstadt von Cuzco; er ist vermutlich nur unter Sichtflugverbindungen (d. h. in der Praxis: zu bestimmten Tageszeiten) anzufliegen. Meine Vermutung ist daher, dass es in erster Linie darum geht, mit dem neuen Airport diese bestehenden Einschränkungen zu beseitigen. Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass es am Himmel über dem Welterbe Cuzco noch etwas ruhiger zugehen wird. Mit dem unangenehmen Nebeneffekt, dass in Zukunft noch mehr Reisegruppen über den Luftweg anreisen werden. Leider ist es jedoch nur zu wahr, dass der Tourismus in Machupicchu bereits jetzt das erträgliche Maß überschritten hat – aus eigener Anschauung (September 2010) kann ich dies bestätigen! Unsäglich ferner, dass der Neubau des Flughafens Cuzco damit auch bzw. vor Allem dem internationalen Investorenkonsortium zugute kommen wird, das sich vor einigen Jahren das Monopol an den Transportleistungen im Urubambatal in der Umgebung von Machupicchu hat sichern können und nun dort mit nach Landesmaßstab überteuerten Zugfahrkarten ein blendendes Geschäft macht, wobei davon auszugehen ist, dass ein Großteil des Profits *nicht* den Einheimischen zugute kommt. Machupicchu ist sicherlich traumhaft schön, jedoch hält die Region zahlreiche mindestens ebenso sehenswerte Alternativen bereit. Letztlich liegt es an uns, ob wir den Touristennepp in Machupicchu Village (vulgo: Aquas Calientes) mitmachen. Nur ein paar Kilometer talabwärts gibt es mindestens ebenso Aufregendes zu entdecken!
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