Pilotenausstand Lufthansa streicht 40 Flüge am Streikvortag

Ab Mittwoch, 0 Uhr, wird gestreikt: Die Lufthansa bereitet sich auf den dreitägigen Ausstand ihrer Piloten vor. 3800 Flüge fallen bis Freitag aus. Doch auch am Dienstag treten bereits Behinderungen im Flugverkehr auf.

Parkende Lufthansa-Maschinen in Frankfurt: Behinderungen schon vor dem Streik
REUTERS

Parkende Lufthansa-Maschinen in Frankfurt: Behinderungen schon vor dem Streik


Frankfurt - Schon am Vortag des angekündigten dreitägigen Ausstands der Lufthansa-Piloten gibt es Behinderungen: Laut einer Streichliste auf der Internetseite der Fluggesellschaft fallen am Dienstag rund 40 Flüge aus. Meist handelt es sich um Fernverbindungen, die am Mittwochmorgen in Frankfurt oder München landen sollten.

Diese Maschinen würden Passagiere auf einen bestreikten Umsteigeflughafen bringen, von dem sie nicht weiterkommen, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Von daher verzichte man auf diese Flüge.

Für die Zeit der ganztägigen Arbeitsniederlegungen von Mittwoch und Freitag hat das Unternehmen 3800 Verbindungen gestrichen (eine Liste mit den betroffenen Flügen finden Sie hier). Lediglich rund 500 Flüge können mit Jets der Konzerngesellschaften Eurowings, Lufthansa CityLine und Air Dolomiti angeboten werden, hatte Lufthansa mitgeteilt. Bei diesen Gesellschaften streiken die Piloten nicht. Die Absagen der Lufthansa-Flüge reichen bis zum Samstag.

"Enormer volkswirtschaftlicher Schaden"

Der Streik ist einer der größten in der Geschichte des Unternehmens. Die Pilotenvereinigung Cockpit hält die Dimension des Ausstands für gerechtfertigt. Der Streitwert zwischen Piloten und Lufthansa betrage schließlich eine Milliarde Euro, sagte deren Sprecher Jörg Handwerg am Montagabend in der ZDF-Sendung "WISO". Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Arnold Vaatz (CDU), befürchtet "einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden", sagte er der "Rheinischen Post".

Der Fall sollte zum Anlass genommen werden, um über eine Gesetzesänderung nachzudenken, meint Maatz. Auch in Tarifkonflikten müssten Verhältnismäßigkeit und Chancengleichheiten gewahrt werden. Es könne nicht sein, dass eine Gewerkschaft, deren Mitglieder an wichtigen Schaltstellen säßen, ihre Position nutze, bei der Tarifentwicklung schneller voranzukommen als andere, sagte Vaatz weiter.

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens bezeichnete es als schwer nachvollziehbar, dass die Vereinigung Cockpit (VC) beim gegenwärtigen Verhandlungsstand zu einem dreitägigen Vollstreik aufrufe. "Wir haben sowohl für eine verbesserte Vergütung als auch für eine künftige Regelung zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Flugdienst gute Angebote gemacht", sagte Volkens laut einer Mitteilung.

Großteil der Frachtflüge abgesagt

Betroffen von dem Streik sind laut Lufthansa rund 425.000 Fluggäste, denen umfangreiche Umbuchungsmöglichkeiten angeboten werden sollten. Europas größte Fluggesellschaft rechnet mit einem Ergebnisschaden in zweistelliger Millionenhöhe. Auch 23 von 31 geplanten Frachtflügen der Lufthansa Cargo seien bereits abgesagt. 2010 hatten die Piloten schon einmal mit einem vier Tage langen Streik gedroht, diesen aber nach einem Tag abgebrochen.

Die ausländischen Konzernmarken Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines sollen mit größeren Jets nach Deutschland fliegen, sofern sie zur Verfügung stehen. Für innerdeutsche Verbindungen werden die Fluggäste auf die Bahn verwiesen.

Knackpunkt und Streikanlass sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglicht hatten. In einer Urabstimmung hatten die rund 5400 Piloten zu 99,1 Prozent für einen Arbeitskampf zu diesem Thema gestimmt. Offen ist zudem der Tarifvertrag zu den Gehältern, bei dem die VC ein Plus von knapp zehn Prozent verlangt.

Weitere Streiks soll es nach Angaben der Pilotenvereinigung Cockpit erst nach den Osterferien geben. "Wir werden aus Rücksicht auf die Passagiere die Osterferien aussparen", bekräftigte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg im rbb Inforadio.


Hier finden Sie die wichtigsten Informationen:

Wo erhalte ich Auskunft zu meinem Flug?

Die Lufthansa listet hier die stornierten Flüge auf. Den eigenen gebuchten Flug können Kunden hier überprüfen.

Was soll ich mich verhalten?

Lufthansa-Kunden dürfen bei innerdeutschen Flügen, die aufgrund des Streiks ausfallen, die Züge der Deutschen Bahn nutzen. Dafür müssen sie ihr Ticket online oder mobil über "Meiner Buchungen oder an einem Check-in-Automaten der Lufthansa in eine Fahrkarte umwandeln.

Wer sein Ticket online unter Lufthansa.com gekauft hat und dessen Flug gestrichen wurde, kann den Flug kostenfrei stornieren. Wer ein Ticket für einen Flug im Zeitraum 2. bis 4. April besitzt, der nicht ausfällt, kann dieses einmalig kostenlos unter "Meine Buchungen" umbuchen. Wer keinen Zugang zum Internet hat, kann das Service-Center der Lufthansa anrufen: 0800-8506070.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Hotlines von Veranstaltern:



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Seite 1
Der_Scheich 01.04.2014
1.
Zitat von sysopREUTERSAb Mittwoch, 0 Uhr, wird gestreikt: Die Lufthansa bereitet sich auf den dreitägigen Ausstand ihrer Piloten vor. 3800 Flüge fallen von Mittwoch bis Freitag aus. Doch auch am Dienstag treten bereits Behinderungen im Flugverkehr auf. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/pilotenstreik-bei-der-lufthansa-ausfaelle-schon-am-dienstag-a-961838.html
Ich sehe Lufthansa zwar als Opfer dieses Streiks aber wohin mit dieser Aussage die Reise sehr wahrscheinlich gehen soll, widert mich an. Daher für alle die von Flugausfällen VOR Streikbeginn am 2.4. 0:00 Uhr betroffen sind: DIESE Absagen sind geschäftspolitisch begründet und KEINE höhere Gewalt wie der Streik. Die Lufthansa kann sich daher nicht auf letzteres berufen und somit die vorgeschriebenen Entschädigungen verweigern. Und genau dieses werden sie wahrscheinlich mit ähnlicher Wortwahl wie oben zitiert versuchen. Der wahre Grund ist dass die Maschinen bleiben sollen wo sie sind damit Lufthansa nach Streikende (kommt vielleicht zügiger als erst nach drei Tagen) schneller wieder in den regulären Flugplan kommen kann. Heute werden Flüge aus Orlando, Rio, Hong Kong, Shanghai u.v.m. nach Frankfurt oder aus San Francisco, Boston, Montreal u.v.m. nach München abgesagt werden und dies dann mit der Begründung, man käme nach Landung morgen von diesen Flughäfen nicht mehr weg - während zeitgleich tausende innerdeutsch Reisende von eben diesen Flughäfen aus in die ICEs gestopft werden. Falls betroffen: reklamieren und auf Entschädigung nach Richtlinie bestehen. Vielleicht wirft mir jetzt noch jemand vor, damit eine streikgebeutelte Airline weiter zu schädigen. Mag sein, aber wenn man mit solchen Begründungen um die Ecke kommt dann muss man auch keine Freundlichkeit erwarten. Wenn wirtschaftliche Gründe für die Absagen sprechen dann sollten die damit verbundenen Ausgaben mit einkalkuliert werden.
spon-1290982200348 01.04.2014
2. Gierige Investoren
Klar ist, dass die milliardenschwere Rückstellung für die Altersversorgung der LH-Piloten, aber auch des Bodenpersonals, US Investoren wie Blackrock etc. ein Dorn im Auge sind (siehe WMF).
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