Monsterjagd Kellner schmeißt Job für Pokémon-Reise durch Neuseeland

Tom Currie will alle Pokémon in Neuseeland fangen. Doch Rossana versteckte sich im Kaikoura-Gebirge, Goldini schwamm vor der Südinsel. Also schmiss der Kellner seinen Job und ging auf Reise.

Tom Currie mit der Pokémon-Figur Gallopa (Screenshot)
Pokémon Trainer Tom/ Facebook

Tom Currie mit der Pokémon-Figur Gallopa (Screenshot)


Sieben Städte auf Neuseelands Südinsel hat Tom Currie in der ersten Woche seiner Monsterjagd besucht - und überall Pokémon gefangen. "Ich wollte ein Abenteuer", sagt der 24-Jährige. Ein Abenteuer abseits des Restaurants, in dem er bis vor Kurzem arbeitete. Ein Abenteuer zwischen echter und virtueller Welt.

Also kündigte er seinen Job als Kellner in einem Lokal an der Hibiskusküste nördlich von Auckland und machte sich auf den Weg. Zwei Monate lang will er nun durch Neuseeland reisen und als selbsternannter "Vollzeitmonsterjäger" unterwegs sein. Sein Ziel: Alle Pokémon erwischen, die von Nintendo losgelassen wurden.

Currie hat eine Leidenschaft für das erfolgreichste Handyspiel aller Zeiten entwickelt. Seit er sich die "Pokémon Go"-App auf sein Smartphone geladen hat, vergeht kein Tag ohne Pikachu und Co.

20 Busfahrten hat er nun gebucht, um sich im ganzen Land auf die Suche nach Phantasiefiguren wie Glumanda, Schillok und Bibor zu machen. Alle 151 will er fangen - mehr als 90 hat er bereits erwischt. Die Monster Dragonir und Sichlor sowie die lilahäutige und langhaarige Rossana schnappte er sich laut dem britischen "Guardian" in den Kaikoura Ranges, einem Gebirgszug im Nordosten von Neuseelands Südinsel. Und Goldfisch-Pokémon Goldini fischte er aus den rauen Wellen der Westküste.

"Es ist ein Highlight, wenn man durch die Gegend spaziert und ein seltenes Pokémon fängt", sagte Currie der BBC. "Ich habe dabei viele Touristen getroffen, die durch Neuseeland reisen." Immer wieder kam es zu kleinen und größeren Ansammlungen von Pokémon-Spielern, die alle an einen Ort gekommen waren, an dem sich eine Figur versteckte. Mit Leuten in Kontakt kommen, draußen sein, Städte und Landstriche erleben, die er noch nie gesehen hat - das alles macht für Currie den Reiz seiner Pokémon-Reise aus.

Nintendo hat "Pokémon Go" gemeinsam mit der ehemaligen Google-Tochter Niantic entwickelt. Spieler suchen auf realen Landkarten und Stadtplänen versteckte Pokémon. Sie müssen an reale Orte gehen, um virtuelle Figuren mit Hilfe der App einzufangen. Das sorgt dafür, dass man an vielen Straßenecken inzwischen Menschen sieht, die ihre Smartphones in die Luft halten - und dabei nicht etwa ein Foto machen.

Ob Currie alle Pokémon in seiner Heimat finden wird, ist ungewiss. Laut dem Niantic-Chef John Hanke muss man sich womöglich auf Weltreise begeben, wenn man sämtliche Monster fangen will - oder die Figuren tauschen. Diese Funktion wird wohl in Kürze verfügbar sein, wie es in einem Bericht vom "Business Insider" vor wenigen Tagen hieß. Doch Monster jagen, ohne vor Ort zu sein - das wäre Tom Currie sicher zu einfach.

"Pokémon war die Chance"

Curries Mutter steht laut dem "Guardian" zu "100 Prozent hinter ihm". "Er hat immer für den Moment gelebt", sagt Tania Dobbs. Schon als Kind habe er die Pokémon geliebt. "Ich bin froh, dass er sein Leben genießt und auf diese Weise sehr viel von Neuseeland sehen wird."

Auch der Vater scheint mächtig stolz auf ihn zu sein. "Er hat immer gewusst, ich würde mal berühmt werden", soll er laut der BBC in einer SMS an den Sohn geschrieben haben. In der Tat geht Curries Geschichte nun um die Welt. Auf Facebook schreiben ihn Menschen von allen Kontinenten an. Sie wünschen ihm viel Glück und Spaß aus Portugal und Brasilien und kommentieren Selfies von ihm und dem Monster Rapidash am Strand mit "Exzellent!" oder "Einfach großartig!".

Ein Österreicher hatte in der Zeitung von Curries Pokémon-Reise erfahren - und zeigt sich begeistert. Er schreibt: "Lebe deinen Traum." Das tut Currie nun. "Ich arbeite seit sechs Jahren und brauchte dringend eine Pause", sagte er dem "Guardian". "Pokémon war die Chance."

jus

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