Pünktlichkeitsranking Hamburg hat die meisten Bahn-Verspätungen

Hamburg hat einen unrühmlichen Rekord errungen: Unter den wichtigsten Bahnhöfen Deutschlands gab es 2011 nirgends so viele Zugverspätungen wie in der Hansestadt. Dies fand die Stiftung Warentest bei einer Untersuchung von mehr als zwei Millionen Verbindungen heraus.

DPA

Hamburg - Einen letzten Beweis lieferte ein liegengebliebender ICE am Montagabend: Mit viereinhalb Stunden Verspätung rollte der defekte Zug in den Hamburger Hauptbahnhof - und bekräftigte damit das Urteil der Stiftung Warentest. Die Tester hatten die Station der Hansestadt am Montag zu dem Bahnhof mit den meisten Verspätungen erklärt.

Die Stiftung hat die Pünktlichkeit an 20 deutschen Bahnhöfen unter die Lupe genommen. In Hamburg waren dem Test zufolge im vergangenen Jahr 31 Prozent der Züge im Fernverkehr sechs Minuten oder mehr verspätet. Schlechte Werte erreichten auch Berlin und Kassel-Wilhelmshöhe (jeweils 27 Prozent). Im Durchschnitt der 20 getesteten Bahnhöfe kamen 24 Prozent der Züge unpünktlich.

Am pünktlichsten waren die Züge in Stralsund. Dort hatten nur 15 Prozent der Fernzüge eine Verspätung ab sechs Minuten. Auf dem zweiten und dritten Platz folgten Freiburg und Leipzig (jeweils 18 Prozent). Für den Test wurden die Ankunftszeiten von mehr als zwei Millionen Zügen ausgewertet.

Milder Winter ist gut für die Bahn - und die Passagiere

Im Dezember profitierten die Bahnkunden der Stiftung Warentest zufolge vom milden Winterwetter. Von Weihnachten bis Silvester kamen demnach an den 20 getesteten Bahnhöfen mehr als 90 Prozent der ICE-, EC- und IC-Züge pünktlich oder nur leicht verspätet an. Der erste Weihnachtsfeiertag sei im Jahr 2011 sogar der Tag mit den besten Pünktlichkeitswerten gewesen, erklärte die Stiftung Warentest.

Die Pünktlichkeit ist auch stark davon abhängig, in welchem Zug Bahnfahrer unterwegs sind. Während laut Stiftung Warentest die schnellen ICE-Züge in früheren Untersuchungen erstaunlich schlecht abgeschnitten hatten, erreichten sie in den letzten drei Monaten des Jahres 2011 ähnliche Pünktlichkeitswerte wie IC- und EC-Züge. Am pünktlichsten sind die Regionalbahnen (RB). Nur sieben Prozent von ihnen kamen zu spät. Schlusslichter unter den Fernzügen waren die City-Nightline-Nachtzüge.

Die relativ guten Werte der Studie könnten schon bald wieder Vergangenheit sein: Die Deutsche Bahn kündigte an, dass schon jetzt absehbar sei, dass "sich diese Situation in den kommenden Monaten nicht fortsetzen werde". Wegen Baustellen und erhöhtem Güterverkehrsaufkommen würden die Verspätungen wieder zunehmen.

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"Bahnhöfe des Jahres 2011": Kathedralen mit Schienen

jus/abl/AFP



insgesamt 17 Beiträge
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Tony 24.01.2012
1.
Zitat von sysopNirgends in Deutschland gab es 2011 so viele Bahn-Verspätungen wie in Hamburg: Dies fand die*Stiftung Warentest bei einer Untersuchung von mehr als zwei Millionen Zugverbindungen heraus. Am pünktlichsten war die Bahn in einer Stadt an der Ostsee. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,810929,00.html
Jetzt kommen noch 5 Stunden dazu^^ Hamburg: Passagiere mussten vier Stunden in liegengebliebenem ICE warten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,811023,00.html)
Traumflug 24.01.2012
2. Verspätungen sind modern
Man könnte auch sagen: je "moderner" der Bahnhof, desto häufiger die Verspätungen. Hamburg trägt zwar die rote Laterne, doch gleich davor sind die erst vor wenigen Jahren neu gebauten Bahnhöfe Berlin und Kassel-Wilhelmshöhe.
Robert_Rostock 24.01.2012
3.
Zitat von TraumflugMan könnte auch sagen: je "moderner" der Bahnhof, desto häufiger die Verspätungen. Hamburg trägt zwar die rote Laterne, doch gleich davor sind die erst vor wenigen Jahren neu gebauten Bahnhöfe Berlin und Kassel-Wilhelmshöhe.
Ich werde es nie verstehen: Was hat das Baujahr des Bahnhofs mit der Verspätung von Zügen zu tun? Oder anders gefragt: Inwiefern ist z.B. der Berliner Hauptbahnhof dafür verantwortlich, dass der ICE aus Basel, der EC aus Budapest, der RE aus Stralsund zu spät dort ankommen?
Traumflug 24.01.2012
4. .
Zitat von Robert_RostockIch werde es nie verstehen: Was hat das Baujahr des Bahnhofs mit der Verspätung von Zügen zu tun? Oder anders gefragt: Inwiefern ist z.B. der Berliner Hauptbahnhof dafür verantwortlich, dass der ICE aus Basel, der EC aus Budapest, der RE aus Stralsund zu spät dort ankommen?
Das Baujahr hat eher nichts mit den Verspätungen zu tun, sicher aber die Bau_art_ des Bahnhofs. Wie viele Gleise, wie viele Weichen, wie viele Zulaufstrecken. Und da scheint man die vergangenen Jahre eben deutlich knapper zu planen als noch vor hundert Jahren. Vielerorts werden gar bereits vorhandene Weichen und Gleise abgebaut. Die grösseren Bahnhöfe sind zentraler Punkt eines so genannten Bahnknotens und die Qualität des Bahnknotens entscheidet, wie reibungslos oder reibungsbehaftet der Verkehr läuft. An einem schwachen Bahnknoten müssen dann eben auch schon mal Züge auf der Strecke ein paar Minuten stehen bleiben, damit der Weg in den Bahnhof frei wird. Ist ein Zug verspätet, müssen andere Züge ebenfalls warten; ein Verspätungsabbau ist nicht möglich. Natürlich kann ein Bahnhof nichts dafür, wenn mal ein ICE auf freier Strecke liegen bleibt. Das ist aber sehr selten, die meisten Verspätungen entstehen durch Stauungen.
rainer_daeschler 24.01.2012
5.
Zitat von Robert_RostockIch werde es nie verstehen: Was hat das Baujahr des Bahnhofs mit der Verspätung von Zügen zu tun? Oder anders gefragt: Inwiefern ist z.B. der Berliner Hauptbahnhof dafür verantwortlich, dass der ICE aus Basel, der EC aus Budapest, der RE aus Stralsund zu spät dort ankommen?
Gute Frage, aber das müssen Sie mal die Bahn-PR fragen. Mit dem neuen Bahnhof in Stuttgart 2020 (was nicht ganz stimmt, denn nur die Bahnsteige sind neu, 90 Grad gedreht und tiefer gelegt) soll alles besser, schneller und pünktlicher gehen, sowie in der ganzen Region Milch und Honig fließen.
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