Reaktion auf Spanair-Absturz Airlines müssen neue Sicherheitschecks einführen

Europäische Fluggesellschaften müssen künftig neue Sicherheitschecks vor dem Start durchführen. Betroffen sind rund 180 Maschinen des Herstellers McDonnell-Douglas. Ob damit die Spanair-Katastrophe in Madrid hätte verhindert werden können, ist jedoch unklar.


Köln - Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen vor dem Abflug: Gut zwei Monate nach dem Flugzeugunglück in Spanien mit 154 Toten erteilte die Europäische Flugsicherheitsbehörde (EASA) am Mittwoch eine sogenannte Lufttüchtigkeitsanweisung. Diese gilt für alle Fluggesellschaften, die einen Jet wie die Unglücksmaschine vom Typ McDonnell Douglas MD-82 in ihrer Flotte haben, wie Sprecher Daniel Höltgen sagte.

Bergungsarbeiten nach dem Spanair-Crash: Bis heute herrscht Unklarheit über die genaue Ursache des Unglücks.
DPA

Bergungsarbeiten nach dem Spanair-Crash: Bis heute herrscht Unklarheit über die genaue Ursache des Unglücks.

Die Kölner Behörde verpflichtet die Unternehmen, künftig vor jedem Abheben zu prüfen, ob das Start-Warnsystem funktioniert. Der Check wird mit einem verbindlichen Eintrag ins Flughandbuch vorgeschrieben. Die Anweisung gilt ab Mitte November und muss innerhalb von zwei Wochen umgesetzt werden.

Nach Angaben des Sprechers soll das System die Piloten von MD-82-Maschinen warnen, falls die Start- und Landeklappen nicht ausgefahren sind. Diese Anweisung sei eine Präventivmaßnahme, um auszuschließen, dass sich ein Unglück wie in Madrid wiederhole.

In den 31 EASA-Mitgliedsstaaten sind rund 180 Maschinen der MD-80-Familie im Einsatz, wie eine Sprecherin der Behörde sagte. Neben Spanair setzen unter anderen Alitalia und die skandinavische SAS Flugzeuge dieses Typs ein.

Wartungs- und Betriebspraxis von Spanair wird untersucht

Der Spanair-Absturz am 20. August war das schwerste Luftfahrtunglück in Spanien seit 25 Jahren, nur 18 Menschen überlebten. Im ersten offiziellen Bericht zur Katastrophe auf dem Barajas International Airport hatte es geheißen, die MD-82 der Spanair sei vermutlich gestartet, obwohl sich Vorflügel und Landeklappen nicht in der richtigen Position befunden hätten. Die Piloten hätten wegen des fehlenden Alarms im Cockpit davon aber nichts mitbekommen.

Die EASA betonte, die Ursache der Katastrophe sei bisher nicht festgestellt worden. Den Piloten sei im juristischen Sinne jedenfalls kein Vorwurf zu machen, sagte Sprecher Höltgen. "Die Analyse des Unglücks wird sich nun auf die Wartungs- und Betriebspraxis der Airline konzentrieren", erklärte er.

Der Fluggesellschaft Spanair wurde vorgeworfen, eine viele Jahre alte Empfehlung von McDonnell Douglas missachtet zu haben, wonach vor jedem Start das Alarmsystem zu überprüfen ist. Die wies Fluggesellschaft dies zurück. McDonnell Douglas ging in den neunziger Jahren im Luftfahrtkonzern Boeing auf.

sto/AP



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