Anschläge in Tunis Kreuzfahrtschiffe meiden Tunesien, Passagiere vermisst

Viele Opfer der Terroranschläge von Tunis waren Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, mindestens 19 werden noch vermisst. Mehrere Reedereien wollen Tunesien nicht mehr ansteuern

"Costa Fascinosa" in Italien: Während eines Landgangs in Tunis gerieten Passagiere in einen Anschlag
TMN

"Costa Fascinosa" in Italien: Während eines Landgangs in Tunis gerieten Passagiere in einen Anschlag


Hamburg - Bei den Anschlägen am Mittwoch in Tunis starben zahlreiche Menschen, darunter mindestens neun Passagiere von Kreuzfahrtschiffen.

Als Reaktion hat die Reederei Costa Crociere alle Anläufe in Tunis bis auf Weiteres aus den Fahrplänen seiner Schiffe gestrichen. Das bestätigte eine Sprecherin. Die Schiffe sollen stattdessen andere Häfen im Mittelmeer ansteuern. Nach wie vor ist unklar, wo 13 Passagiere geblieben sind, die sich an Bord der "Costa Fascinosa" befanden und nicht auf das Schiff zurückkehrten.

Auch MSC Cruises und Aida Cruises werden Tunis nach Medienberichten vorerst nicht mehr anlaufen. Bei Aida sollte der Hafen eigentlich ab April von mehreren Schiffen der Reederei angesteuert werden. Für TUI Cruises besteht kein aktueller Handlungsbedarf, teilte das Unternehmen mit. Ein Anlauf in Tunesien sei erst im Oktober geplant. Die Reederei hofft, dass sich die Situation vor Ort bis dahin wieder beruhigt hat.

Unter den Opfern befanden sich neun Passagiere der "MSC Splendida" , teilte die Reederei MSC mit. Zwölf weitere seien verletzt, und sechs würden im Zusammenhang mit dem Anschlag noch vermisst. Diese Zahlen könnten sich noch ändern, noch nicht alle Opfer seien identifiziert.

Bisher sind laut MSC drei Japaner, zwei Franzosen, zwei Spanier und zwei Kolumbianer identifiziert worden. Unter den Verletzten seien drei Japaner, ein Südafrikaner, ein Belgier und sieben Franzosen. Sie würden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt.

Die MSC-Gäste befanden sich auf einem Landgang, bei dem auch das berühmte Bardo-Nationalmuseum angesteuert wird. Ein Busfahrer sagte dem Nachrichtensender CNN: Die Terroristen "eröffneten das Feuer auf die Touristen, als sie gerade aus dem Bus ausstiegen". Sowohl die "MSC Splendida" als auch die "Costa Fascinosa" haben laut den Reedereien inzwischen wieder in Tunis abgelegt.

Veranstalter sagen Tunis-Ausflüge ab

Deutsche Reiseveranstalter wollen nach Angaben des Branchenverbands DRV Ausflüge nach Tunis vorerst aussetzen, bis die Entwicklung der Lage besser abzuschätzen ist. Das sagte eine Sprecherin in Berlin. Weitere Auswirkungen auf den touristischen Betrieb seien dem DRV nicht bekannt. In Tunesien hat die Haupturlaubssaison demnach noch nicht begonnen. Geprägt ist der Markt dort durch Cluburlaube in Ferienanlagen an der Küste. Es gibt aber auch Kultur- und Rundreisen.

Der Studienreiseanbieter Studiosus ermöglicht seinen Kunden kostenloses Umbuchen und Stornieren für Reisen mit Abreise bis Ende Mai. Der Grund: Das Bardo-Museum wird nicht mehr besucht und damit entfällt ein Höhepunkt der Rundreise.

Das Auswärtige Amt änderte seine Reisehinweise für das Land vorerst nicht grundsätzlich. Es wies im Internet nur in allgemeiner Form auf den Anschlag hin und riet dazu, den Bereich um das Museum generell zu meiden und Anweisungen der Sicherheitskräfte zu folgen.

Zudem mahnt das Auswärtige Amt bei Reisen in Tunesien seit längerem zur Umsicht wegen möglicher Anschläge. In einigen Teilen des Landes besteht demnach auch das Risiko von Entführungen und Kämpfen, vor allem in Wüstengebieten im Süden und Südwesten, im Grenzgebiet zu Libyen und Algerien sowie generell abseits der Hauptstraßen und nach Einbruch der Dunkelheit. Von Reisen in die Touristengebiete an der Mittelmeerküste wird aber nicht abgeraten.

abl/dpa

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