Reise-Gewinne Kostenfalle statt Traumurlaub

Dubiose Veranstalter locken Kunden mit angeblichen Gewinnmitteilungen in den vermeintlichen Traumurlaub. Wer zusagt, ärgert sich meistens über Verkaufsveranstaltungen und versteckte Zusatzkosten. Häufig werden solche Reisen am Ende sogar teurer als vergleichbare Angebote im Reisebüro.


Hamburg - Regelmäßig landet verheißungsvolle Post in deutschen Briefkästen: "Sie haben eine Reise gewonnen!" wird dem Empfänger mitgeteilt. Das eine Mal geht es mit dem Luxus-Bus für fünf Tage nach Prag, ein anderes Mal ist es ein Hotelaufenthalt in der Türkei. Die erste Freude über den Gewinn lässt viele vergessen, dass sie nie an einem Gewinnspiel teilgenommen haben. Aber wer will sich schon als Gewinner darum sorgen? Dabei ist es besser, ganz genau hinzuschauen, ob sich die versprochene kostenlose Reise nicht nachträglich als Kostenfalle herausstellt.

Strandvergnügen: Oft haben vermeintliche Traumreisen, die auf Gewinnen basieren, unangenehme Tücken
DPA

Strandvergnügen: Oft haben vermeintliche Traumreisen, die auf Gewinnen basieren, unangenehme Tücken

"Solche Gewinnversprechen sollte man sehr kritisch prüfen und in den Schreiben gezielt nach Bedingungen und versteckten Kosten suchen", sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Rechtsberaterin hat beinahe täglich mit Anfragen zu solchen Gewinnbenachrichtigungen zu tun. Sie kennt die vielen versteckten Fußangeln, die den vermeintlichen Gewinner reichlich Geld kosten können.

Oft darf die Reise nur mit einer voll zahlenden Begleitung angetreten werden - will man doch alleine fahren, werden hohe Einzelzimmerzuschläge fällig. Die Unterbringung erfolgt in abgelegenen Hotels, Ausflüge müssen extra gebucht werden und sind in der Regel überteuert. Teilweise umfasst der Gewinn nur die kostenlose Übernachtung; alles andere, wie Anreise, Transfers und Verpflegung, muss selbst bezahlt werden. Da kann schnell einiges zusammenkommen - und zwar mehr als wenn man eine vergleichbare Reise bei einem Veranstalter bucht.

Manche Gewinne sollten gleich in den Papierkorb wandern

Es gibt einige schwarze Schafe, die mit dubiosen Gewinnversprechen sogar ohne Gegenleistung Geld machen wollen. Aber wie erkennt man diese höchst unseriösen Unternehmen? Julia Rehberg nennt drei typische Merkmale: "Wenn keine Büroadresse, sondern nur ein Postfach, kein Telefonanschluss, sondern nur eine 0190-er oder 0900-Nummer angegeben und außerdem vorab noch Gebühren verlangt werden, sollte man den vermeintlichen Gewinn besser schnell vergessen."

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat eine schwarze Liste mit Unternehmen zusammengestellt, deren Post man lieber gleich in den Papierkorb werfen sollte.

Aber auch bei den anderen Unternehmen gibt es nichts zu verschenken: "Man kann so günstig Urlaub machen, sollte sich dann allerdings auf Verkaufsveranstaltungen einstellen", sagt Julia Rehberg. Denn darum geht es: Vor Ort werden die Teilnehmer mit mehr oder weniger sanftem Druck zum Kauf bestimmter Produkte aufgefordert. Das ist nicht jedermanns Sache. "Vor allem bei einer Rundreise kann man sich dem kaum entziehen", sagt Rehberg. "Denn die besteht häufig nur darin, von einer Verkaufsstelle zur anderen zu fahren."

Aber ob Rundreise oder nicht, auf eines sollten Verbraucher unbedingt bestehen, wenn sie Reiseleistungen bezahlen: den Sicherungsschein, der sie vor einer Insolvenz des Veranstalters schützt.

sto/ddp



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