Reisegepäck Jagd auf Obst

Andere Länder, andere Sitten - und auch andere Zollbestimmungen. Zuweilen sind Kaugummis von der Einfuhr ausgeschlossen. SPIEGEL ONLINE sagt Ihnen, was an welchem Ort nicht in den Koffer gehört.
Von Helge Sobik

Den Zöllner scheint diesmal das Aftershave des Managers aus München besonders zu interessieren: Selbst den Kollegen lässt er daran schnüffeln und das Gefäß drehen und wenden, ehe er den Geschäftsreisenden endlich durchwinkt. Einreisekontrolle am Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad. Rasierwässerchen sind den sittenstrengen Behörden des arabischen Königreichs wegen des hohen desinfizierenden Alkoholgehalts ein Dorn im Auge - spätestens seit Geschichten davon kursieren, wie Softdrinks in den Bars der Hauptstadt-Edelhotels ausgerechnet mit Rasierwasser alkoholisiert werden.

Eine nicht gerade wohlschmeckende, aber legale Hintertür - wenn auch sehr unerwünscht, da die Einfuhr von Hochprozentigem ins konservative arabische Königreich ebenso wie deren Genuss streng verboten ist. Hätte der Manager einen "Flachmann" im Jackett gehabt, wäre er sofort ausgewiesen worden: andere Länder, andere Sitten. Allzu leicht verschwendet man beim Kofferpacken im Zeitalter der Globalisierung nicht einen einzigen Gedanken daran, dass anderswo andere Regeln als zu Hause gelten könnten - und das selbst bei harmlosen Gegenständen des Alltagsgebrauchs.

Bekannt mag sein, dass deutsche Zeitschriften im Handgepäck in vielen arabischen Ländern für Diskussionsstoff mit dem Zöllner sorgen, der immer am längeren Hebel sitzt und dessen Auslegung zählt: Ein freizügiges, aber nach heimischen Maßstäben völlig harmloses "stern"-Titelbild, eine SPIEGEL-Geschichte über Brustkrebs mit entsprechender Bebilderung - für die sittenstrengen Kontrolleure im Iran, in Pakistan und auf der arabischen Halbinsel mag das bereits unter das Einfuhrverbot für Pornografie fallen und im günstigsten Fall mit der Beschlagnahmung der Blätter enden.

Weniger bekannt dagegen ist, dass in Singapur die Einfuhr von Kaugummi verboten ist. Ausländern lässt man die Ration des "persönlichen Bedarfs" jedoch durchgehen - maximal zwei Päckchen. Doch dafür steht das Wegspucken der malträtierten Masse unter Strafe.

Stopp für das Wurstbrot

US-Behörden und die kanadischen Zöllner machen Jagd auf Fleisch und Wurst, auf Obst und Gemüse. Der Apfel aus dem Flugzeug oder das Wurstbrot aus der Heimat dürfen die Zollschranken nicht passieren, damit keine unbekannten Erreger eingeschleppt werden. Sogar schriftlich lassen sich die Behörden auf den Einreiseformularen versichern, dass man keine Naturprodukte mit sich führt. Zuwiderhandlungen größeren Ausmaßes sprengen da schnell den Rang des Kavaliersdelikts, und die Kanadier lassen sich auf dem Einreiseformular sogar schriftlich geben, dass man in den nächsten Tagen nicht vor hat, eine Farm zu besuchen.

Ähnlich streng verfährt Australien - und das aus demselben Grund. Oft unterschätzt wird das Verbot der Einfuhr von Landeswährung: Devisenschwache Länder verbieten strikt die Einfuhr "ihres" Geldes und lassen den Tausch harter Währung gegen die jeweilige Landeswährung nur innerhalb ihrer Grenzen zu. Das gilt beispielsweise für Tunesien, Marokko und eine Vielzahl weiterer Länder. Vereinzelt werden Kontrollen vorgenommen.

Vermeintliche Rolex

Bedrohlich sind die Blicke französischer Zöllner, sie schauen besonders streng auf die Kleidung der Reisenden: Die Einfuhr von gefälschter Markenware wird im Nachbarland hart geahndet. Nicht nur die Beschlagnahme der vermeintlichen Rolex, des gefälschten Chanel-Kostüms aus fernöstlicher Nachtmarkt-Näherei oder des Polohemds mit dem gefälschten Krokodil sieht das französische Recht vor. Zusätzlich kassieren die Behörden im schlimmsten Fall den doppelten Listenpreis des Original-Herstellers als Strafgebühr.

Wer unterdessen auf Urlaubsreise unterwegs ist, kann leicht in weitere ungeahnte Einfuhr-Fallen stolpern: Die Seychellen etwa verbieten die Einfuhr von Harpunen. Island lässt die Einfuhr von Angel- und Reitausrüstung sowie Reitkleidung nicht zu - darunter auch Decken, Peitschen und Striegel. Eine Ausnahme gibt es: wenn frühestens 48 Stunden vor der Einreise eine mindestens zehnminütige Behandlung der Utensilien mit zweiprozentiger Formaldehyd-Lösung durch einen Amtstierarzt oder eine Gesundheitsbehörde vorgenommen wurden und dies schriftlich nachgewiesen wird.

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