Reisekrankheiten Hepatitis à la carte

Die Sonnenbrille verschwindet wieder in der Schublade, der Koffer auf dem Dachboden: Der Urlaub ist vorbei. Doch so manches Mitbringsel kann die Erinnerung an die sonnigen Zeiten trüben: Hepatitis kann schon nach Austernschlürfen auf Kreta auftreten, Bilharziose nach einem Sprung in einen afrikanischen See.


Anopheles: Vor Malaria gibt es keinen absoluten Schutz
DPA

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Düsseldorf/Hamburg - "Vor der Abreise sollte man klären, welche Erkrankungen im Reiseland vorkommen und sich entsprechend vorbereiten", sagt Helmut Jäger, Leiter des Reisemedizinischen Zentrums am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Und wenn nach der Heimkehr Beschwerden auftreten, sollte schleunigst ein Arzt, möglichst ein Reisemediziner, aufgesucht werden.

"Das häufigste Mitbringsel ist Durchfall", sagt Irmela Müller-Stöver vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. Mehr als hundert Erreger können "Montezumas Rache" auslösen, dazu gehören Bakterien, Viren, Amöben und Würmer. Experten empfehlen in ärmeren Ländern, abgekochtes und gefiltertes Wasser oder Mineralwasser zu trinken und auf Salat, rohes Fleisch, rohen Fisch sowie Speiseeis zu verzichten.

Amöben verursachen laut Müller-Stöver blutigen und schleimigen Durchfall. Eine Art dieser Einzeller kann in die Leber wandern und dort gefürchtete Abszesse auslösen. "Man kann sie gut behandeln, aber die Diagnose ist nicht ganz problemlos, weil diese Einzeller im Stuhl nach vier bis sechs Stunden absterben." Je wärmer und unhygienischer es auf Reisen ist, desto größer die Gefahr, Amöben einzuschleppen.

Austern mit Hepatitis-Virus

Ebenfalls durch Nahrungsmittel, Wasser oder aber engen Kontakt zu einem Infizierten kann die weltweit verbreitete Gelbsucht Hepatitis A übertragen werden. Laut dem Internetauftritt Fit-for-Travel des Tropeninstituts der Universität München besteht ein erhöhtes Risiko beim Verzehr von Gemüse, Salat und Meeresfrüchten. "Das Virus wird mit den Fäkalien ausgeschieden, herrschen unhygienische Bedingungen kann es leicht einmal ins Essen gelangen", sagt Müller-Stöver vom CRM. "Man muss nicht weit fahren: Es reicht schon, Austern in Italien oder Griechenland zu schlürfen." Die Symptome reichen von Schlappheit, Übelkeit, Schmerzen im rechten Oberbauch über eine Gelbfärbung der Haut. Zur Vorbeugung gibt es eine Impfung.

Bei Fieber nach einem Tropenaufenthalt muss als Erstes abgeklärt werden, ob eine Malaria dahinter steckt. "Selbst wenn man zur Prophylaxe Medikamente eingenommen hat, kann man sie in seltenen Fällen mitbringen." Die Malaria wird durch Mücken übertragen, führt zu Fieberschüben und kann in bestimmten Formen tödlich verlaufen. Einen absolut sicheren Schutz davor gibt es nicht. Dennoch empfiehlt Fit-for-Travel, sich gut gegen Mückenstiche zu schützen und für das Land spezifische Medikamente als Prophylaxe einzunehmen. Eine Behandlung zum schnellstmöglichen Zeitpunkt entscheide über die Heilungschancen.

Ebenfalls durch Mücken übertragen werden das Denguefieber und das Gelbfieber. Letzteres tritt in weiten Teilen Afrikas und Mittel- und Südamerikas auf und kann tödlich verlaufen. Eine Impfung gegen das Virus steht zur Verfügung. Denguefieber dauert meist kurz und wird von Muskel- und Gelenkschmerzen begleitet. Einheimische können bei mehrmaliger Infektion Blutungen bekommen, eine Impfung gibt es nicht.

Die häufigsten Reiserisiken sind Unfälle

Viele Menschen bringen auch Hautkrankheiten oder Wunden mit von ihrem Urlaub. "Vor allem in den Tropen eitern Wunden schnell, weil sich die Bakterien so gut vermehren können", sagt Müller-Stöver. Sie empfiehlt, die Wunden sorgfältig zu desinfizieren. Bei ausgedehnten Strandspaziergängen sollten außerdem Schuhe getragen werden.

Hepatitis-Impfung im Bernhard-Nocht-Institut: Wenn nach der Heimkehr Beschwerden auftreten, so schnell wie möglich zum Arzt
GMS

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Vor Bädern in Süßwasserseen und langsam fließenden Flüssen in vielen Ländern Afrikas und Südamerikas warnt Helmut Jäger: Dadurch kann man sich eine Bilharziose einfangen. Die auslösenden Würmer gelangen laut Jäger durch die Haut in den Körper und können an Niere und Leber Schäden anrichten. "Man kann die Würmer mit Medikamenten abtöten, das ist aber eine langwierige Sache."

Die häufigsten Reiserisiken sind jedoch nicht die Infektionen, sondern Unfälle im Verkehr oder beim Sport, betont Jäger. "Häufiger als an seltenen Infektionen erkranken Touristen auch an Krankheiten, die sie auch in Deutschland bekommen könnten, wie an einem Herzinfarkt oder einer Entgleisung des Diabetes." Gängige Gesundheitsprobleme seien auch Sonnenbrand, eine Entzündung des äußeren Gehörgangs durch Sand in den Ohren oder Erkältungen.

Von Christiane Löll, gms



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