Reisen im Jahr 2030 Rügen statt Rimini

Die Erderwärmung wird die Urlaubswelt nach Ansicht von Experten auf den Kopf stellen: Zukunftsforscher haben die Gewinner und Verlierer des Klimawandels im Jahr 2030 ermittelt - Deutschland profitiert von seiner Nordlage, zu den größten Verlierern gehört Spanien.


Berlin – "11. September", "Tsunami" – häufig fallen diese Begriffe, wenn es um touristisch relevante Katastrophen im 21. Jahrhundert geht. Während sich die betroffenen Länder von Monsterwellen und Terrorgefahren erholen, zittert weltweit die Reisebranche einem schleichenden Ungemach weit größeren Ausmaßes entgegen, wie Philipp Ehmer, Mitarbeiter der DB Research analysiert. "Der Klimawandel ist eine neue Art von Herausforderung in dem Sinn, dass er nicht zeitlich begrenzt wird. Er verändert die Rahmenbedingungen, in denen Tourismus stattfindet, permanent", sagt Ehmer.

Als Analyst in der Zukunftsabteilung der Deutschen Bank hat sich Ehmer mit den Auswirkungen des Klimawandels beschäftigt und die Ergebnisse erstmals auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vorgestellt.

Ostsee - neue "Badewanne Europas"

Vom Klimawandel profitiert demnach im Jahr 2030 der Tourismus in den Benelux-Ländern, Dänemark, Deutschland und in den baltischen Staaten. Die Ostsee könnte zur "neuen Badewanne Europas" mit Palmenstränden werden, sagt Ehmer. "Die momentane Wanderungsbewegung in Europa vom Norden in den Süden wird sich abschwächen, ähnlich werden auch weniger Touristen von Nord- nach Südamerika reisen."

An der Spitze der europaweiten Gewinner-Rangliste steht Dänemark, Deutschland rangiert an Platz drei. Dem erwarteten Zulauf an Nord- und Ostsee bei einer längeren Sommersaison steht nach Meinung der Forscher ein Rückgang im Wintersport entgegen: „Besonders hart werden jedoch die deutschen Mittelgebirge aufgrund ausbleibender Schneefälle getroffen. Schon bis 2030 könnten viele Gebiete schneefrei bleiben", heißt es in der Studie.

Die Verlierer von morgen sind beliebte Reiseziele von heute: „In Europa werden die Mittelmeeranrainer besonders unter dem Klimawandel leiden, besonders am östlichen Mittelmeer", lautet das wichtigste Ergebnis der Studie.

Kurzzeit-Boom bei aussterbenden Orten

Wenn Touristen wegen Wassermangels und brütender Hitze ausbleiben, leiden vor allem Länder mit hoher Tourismus-Abhängigkeit: „Besonders gravierend wirken sich negative Klimaeffekte immer dann aus, wenn der klimasensible Tourismus ein großes wirtschaftliches Gewicht hat. In Europa gilt dies für Malta, Zypern, Spanien, Österreich und Griechenland", heißt es in der Studie.

Dem Ausbleiben von Touristen könnte an bedrohten Naturschauplätzen ein kräftiger Boom vorausgehen: Denn das drohende Aussterben eines Urlaubsziels ist nach Ansicht der Forscher für viele ein Grund für die Reise dorthin: So erwarten die Forscher einen erhöhten Zulauf zum Great Barrier Reef in Australien, das vom Korallensterben bedroht ist. Hier gelte der Grundsatz: „Come visit before it’s too late" - Komm, bevor es zu spät ist.

reh/sto



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