Urlaub in Iran "Der Boom ist definitiv vorbei"

Viele Neugierige sind in den vergangenen Jahren nach Iran gereist. Jetzt stellen mehrere europäische Airlines ihre Flüge nach Teheran ein, nicht ohne Folgen. Das sagt ein Reiseveranstalter dazu.
Selfie in Teheran

Selfie in Teheran

Foto: imago/ Xinhua

Fünf Fragen an Frano Ilic, Sprecher des Reiseveranstalters Studiosus in München.

SPIEGEL ONLINE: Mehrere europäische Fluggesellschaften streichen Verbindungen nach Iran: Welche Folgen hat das für Studienreiseveranstalter?

Ilic: Da wir unsere Iran-Reisen mit mehreren Fluggesellschaften durchführen, halten sich Konsequenzen in engen Grenzen. Sollten Gäste von uns durch Flugstreichungen betroffen sein, werden wir sie zeitnah informieren und Alternativen anbieten.

SPIEGEL ONLINE: Das Reiseland Iran hat in den vergangenen Jahren viele deutsche Gäste angezogen. Gruppenreisen waren oft ausgebucht. Wie ist die Nachfrage heute?

Ilic: Der Boom ist definitiv vorbei. Im Augenblick liegen wir mehr als 40 Prozent unter unserem Vorjahresgeschäft. Absolutes Boomjahr war 2015. Damals hatten genau 2650 Kunden eine Reise nach Iran bei uns gebucht. 2016 waren es schon einige weniger. Im vergangenen Jahr hatten wir nur noch 2250 Gäste.

SPIEGEL ONLINE: Was hält die Leute davon ab, nach Iran zu reisen?

Ilic: Das hat mit der Verschlechterung der politischen Großwetterlage zu tun, auf die Kunden natürlich sensibel reagieren. Viele Gäste reisen auch nicht in die Türkei - aus Antipathie gegenüber Machthaber Recep Tayyip Erdogan. Zudem ist eine Sättigung eingetreten, Iran ist ein Nischenmarkt. Viele Urlauber, die Iran unbedingt bereisen wollten, waren schon da.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen Sie Unentschlossenen?

Ilic: Die Gastfreundschaft der Iraner gegenüber ausländischen Reisenden ist besonders. Daran hat auch die politische Entwicklung nichts geändert.

SPIEGEL ONLINE: Spüren Sie steigendes Interesse an anderen orientalischen Ländern?

Ilic: Jordanien als Reiseland kommt langsam wieder - trotz der unmittelbaren Nähe zu Syrien. Und auch Marokko, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Oman werden verstärkt nachgefragt.

Video: Mein Urlaub im Iran

dbate.de
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.