Reisepreis-Minderung Drei Kakerlaken reichen nicht

Verspätete Flüge, Kakerlaken im Hotelzimmer, verschwundene Koffer - für viele Mängel im Urlaub können Reisende beim Veranstalter Geld zurückfordern. Im Dschungel der Ansprüche gibt es allerdings einige Ausnahmen, wie zum Beispiel Sandflöhe.


Köln - Mit dem Sandfloh muss der Karibik-Tourist leben: Wer von den Tieren am Strand gebissen wird, kann nach einem Urteil des Kölner Amtsgerichts für eine Pauschalreise keine Preisminderung erwirken. Es handle sich hier um "nicht zu verhindernde Naturerscheinungen an einem öffentlichen Strand", stellte die Amtsrichterin klar, nachdem ein Paar nach einem Urlaub in der dominikanischen Republik geklagt hatte (Az:134 C 419/07).

Die Richterin gab einem Paar allerdings in einem anderen Punkt Recht. Die Touristen hatten sich über das "bräunlich-schwarze" Meerwasser vor ihrer Hotelanlage geärgert und auch dafür von ihrem Kölner Reiseveranstalter eine Preisminderung verlangt. Dies sei gerechtfertigt, so die Urteilsbegründung. Zwar könne ein Reiseveranstalter die Qualität des Wassers nicht beeinflussen. Da der Veranstalter jedoch im Reisekatalog Strandfotos mit klarem blauen Meerwasser abgebildet habe, sei das bräunlich-trübe Wasser ein Reisemangel, zumal diese Wasserqualität nicht nur vorübergehend so schlecht gewesen sei, sagte die Richterin.

Wegen des verschmutzten Meerwassers und weiterer anerkannter Mängel steht dem Ehepaar eine Rückzahlung von 521,38 Euro zu. Bezahlt hatten die Reisenden zunächst 2462 Euro.

Kein Recht auf Liegestuhl

Welcher Mangel im Urlaub eine wie hohe Minderung bedeutet, hat der ADAC in einer Liste mit Musterurteilen zusammengestellt. Ähnlich wie bei der aktuellen Entscheidung aus Köln sind Insekten nur in Einzelfällen Grund für eine Rückerstattung. Mückenstiche und Ameisen ergäben keinen Anspruch, erklärte der Automobilclub. Bei Kakerlaken komme es auf den Grad der Belastung an. Drei Kakerlaken seien noch kein ausreichender Mangel.

Auch bei der Anreise kommt es auf das Ausmaß der Störung an: So reicht eine Flugverzögerung von weniger als fünf Stunden laut ADAC noch nicht für einen Entschädigungsanspruch aus. Wenn sich die Ankunft dagegen um einen oder mehrere Tage verzögere, könnten die Urlauber den kompletten Preis für die ausgefallenen Tage zurückfordern. Vermisste Koffer, die bis zum letzten Urlaubstag nicht mehr auftauchten, reichten für eine Entschädigung in Höhe der halben Reisekosten.

Auch wenn Katalog und Realität voneinander abweichen, bestehe nicht immer ein Recht auf Preisnachlass, erklärte der ADAC. Ist der versprochene Badestrand 700 Meter vom Hotel "Beach Club" entfernt und damit weiter als angenommen, gibt es laut Automobilclub nichts zurück. Solche Namenszusätze müssten nicht der Wahrheit entsprechen. Auch ein Recht auf einen Liegestuhl samt Sonnenschirm hätten die Touristen nicht.

Sollte das Zimmer jedoch kleiner sein, als im Reiseprospekt angepriesen, könnten Reisende mit rund einem Drittel des Geldes rechnen. Sei das Hotel noch eine Baustelle, könnten sie bis zu 100 Prozent zurückbekommen.

Volle Summe zurück bei Lebensmittelvergiftung

Eindeutig ist die Rechtsprechung, wenn es um die Qualität des Hotelessens geht, wie der ADAC erklärte. Urlauber, die sich am Buffet eine Lebensmittelvergiftung holten, bekämen den vollen Urlaubspreis zurück. Längere Wartezeiten am Buffet und bei der Bedienung müssten sie dagegen in Kauf nehmen.

reh/dpa/AP



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