Reiserecht Touristin erhält nach Schießerei am Hotel Geld zurück

Ausnahmezustand nach einem Schusswechsel: Nachdem auf einer Hotelanlage in der Türkei vier Bootsverleiher bei einem bewaffneten Streit ums Leben gekommen waren, klagte eine Besucherin auf Reisekostenrückerstattung – mit Erfolg.


Düsseldorf/Wiesbaden - Nach einem Schusswechsel mit Todesopfern nahe des Hotelstrandes können Pauschalurlauber von ihrem Veranstalter Geld zurückfordern. Für den Tag der Schießerei sprach das Amtsgericht Düsseldorf in einem konkreten Fall aus der Türkei einem Gast eine Reisepreisminderung von 100 Prozent zu. Auch für die folgenden Tage konnte der Tourist wegen des nachwirkenden Schocks 25 bis 50 Prozent des anteiligen Tagesreisepreises zurückverlangen. Auf das Urteil weist die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in Wiesbaden in der Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" hin.

In dem Fall war es zu einem Streit unter Bootsverleihern gekommen, die am Strand von Alanya im Süden der Türkei an einer Hotelmauer auf Gäste warteten. Während der Schießerei wurden vier Bootsverleiher getötet und zwei Hotelgäste angeschossen. Der Strand und die Außenanlagen des Hotels wurden im Laufe des Tages zweimal komplett geräumt. Die spätere Klägerin wollte sofort nach Deutschland zurückreisen, was ihr Reiseleiter aber ablehnte. Die Frau wiederum nahm nicht das Angebot an, für ihre restlichen Urlaubstage in einem 85 Kilometer entfernten anderen Hotel untergebracht zu werden.

Das Gericht entschied, dass ein allgemeines Überfallrisiko in einer Urlaubsregion nicht grundsätzlich als Reisemangel zu werten sei. Im konkreten Fall lagen die Dinge aber anders. Weil im Katalog des Veranstalters auf die Wassersportmöglichkeiten am Strand hingewiesen worden war und die Bootsverleiher auf der Hotelanlage zumindest geduldet wurden, sei die Schießerei der "Sphäre des Hotels" zuzurechnen. Am Tag des Zwischenfalls habe "Ausnahmezustand" in der Anlage geherrscht, was eine Reisepreisminderung für diesen Tag um 100 Prozent rechtfertige.

Für den Tag darauf bezifferte das Gericht die Minderung auf 50 Prozent, für drei weitere Tage bis zur regulären Rückreise nach Deutschland auf je 25 Prozent. An diesen Tagen sei eine "emotionale Beeinträchtigung" noch vorhanden gewesen. Insgesamt erhielt die Frau 332 Euro ihrer 1034 Euro teuren Reise zurück.

Aktenzeichen: 20 C 10444/06

sto/gms

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