Flugausfälle Welche Ansprüche Passagiere bei Sturm haben

Ein Sturm wie "Xaver" ist höhere Gewalt: Auf eine Entschädigung können betroffene Flugpassagiere deshalb nicht hoffen. Stattdessen können sie beispielsweise den Ticketpreis zurückerhalten - was aber meist nicht die beste Option ist.

Flughafen Hamburg: Dutzende Ausfälle am Donnerstag
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Flughafen Hamburg: Dutzende Ausfälle am Donnerstag


Potsdam - Fluggäste lassen sich besser nicht das Geld fürs Ticket zurückerstatten, wenn die Maschine bei Sturm am Boden bleiben muss. In der Regel haben sie mehr davon, wenn sie sich für das alternative Angebot der Airline entscheiden: die Ersatzbeförderung. Darauf weist Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg hin.

Fällt ein Flug wegen höherer Gewalt aus - wie am Donnerstag etwa am Flughafen Hamburg wegen des Orkans "Xaver" - haben betroffene Passagiere die Wahl. Sie bekommen den Betrag zurück, den sie für ihr Ticket bezahlt haben, oder sie lassen sich von der Airline auf anderem Weg ans Ziel bringen.

Streicht die Fluggesellschaft etwa einen Flug von Frankfurt am Main nach Hamburg, kann das Unternehmen seinen Kunden zum Beispiel einen Bahngutschein für eine Zugfahrt nach Hamburg anbieten. Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover rät ebenfalls davon ab, sich einfach das Geld erstatten zu lassen. Für die gleiche Summe zeitnah eine bessere Verbindung zu finden als die Airline, sei für den Kunden nicht leicht.

Kein Anspruch auf Entschädigung

Einen Anspruch auf eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung habe der Kunde allerdings nicht, sagen die Reiserechtler. Denn bei Unwettern wie dem Orkan "Xaver" handele es sich um höhere Gewalt.

Bereits am Donnerstagmittag gab der Flughafen in Hamburg mehr als 100 gestrichene Verbindungen bekannt. Eine Sprecherin schloss weitere Ausfälle nicht aus. Betroffen waren vor allem Verbindungen innerhalb Deutschlands, etwa nach München oder Frankfurt am Main.

Die Deutsche Bahn kündigte am Donnerstag Einschränkungen des Zugverkehrs vor allem im Norden Deutschlands an. Für Bahnkunden gelten bei höherer Gewalt etwas andere Regelungen: Verspätet sich ein Zug erheblich, muss die Bahn Fahrgästen einen Teil des Ticketpreises erstatten. Wie viel Geld die Kunden zurückbekommen, hängt von der Dauer der Verspätung ab. Bei großen Verspätungen gilt der Vertrag zwischen Bahnunternehmen und Kunden als nicht vollständig erfüllt. 25 Prozent des Fahrpreises gibt es ab 60 Minuten Verspätung und 50 Prozent ab 120 Minuten.

Erreichen Reisende ihr Hotel wegen eines Unwetters später als geplant, müssen sie die versäumte Nacht nicht bezahlen. "Steht jetzt zum Beispiel ein Urlaub auf Sylt bevor, aber man kommt da gar nicht erst hin, muss man auch nicht zahlen", sagt Fischer-Volk. Eine Stornierungsgebühr falle nicht an, weil es sich um höhere Gewalt handle. Der Gast zahle einfach nur die Nächte, die er auch tatsächlich im gebuchten Hotel oder Ferienhaus verbringt.

Etwas anders ist die Lage, wenn der Urlauber seinen Aufenthalt verlängern muss, weil er wegen des Orkans zum Beispiel von einer Nordseeinsel nicht zum geplanten Termin zurück ans Festland kommt. Für jede zusätzliche Nacht müsse er selbst aufkommen. "Auf den Kosten bleibe ich dann sitzen", sagt Fischer-Volk. Es könne aber nie schaden, mit dem Hotelier oder Vermieter zu verhandeln. "Man sollte einfach fragen, ob er einem entgegenkommen kann. Ein Recht darauf hat man aber nicht: Er kann schließlich auch nichts dafür."

Die aktuellen Prognosen zu "Xaver" lesen Sie hier, Informationen zur derzeitigen Verkehrslage erhalten Sie unter diesem Link.

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sto/dpa

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noalk 05.12.2013
1. Toller Tausch
Ich lasse mir von der Fluggesellschaft eine Bahnkarte geben, damit ich dann von der Bahn nicht transportiert werde, weil die ihren Zugverkehr einschränkt.
sebastian.teichert 05.12.2013
2.
Ja man ist halt am Arsch! Deswegen vermeide ich nach Möglichkeiten Zug. Wenn du nicht min 2 Monate vorher buchst bezahlt man sich dumm und dusselig. Beim Flug ist es was anderes. Aber wie oft fällt schon mal was aus. Und wenn's das tut hat's meist nen Hintergrund!
Malshandir 05.12.2013
3. Höhere Gewalt ist Schwachsinn
Also dise höhere Gewaltausrede ist Schwachsinn. Wenn ein Vulkan oder Erdbeben auftritt in Ordnung, aber alles andere ist planbar. Streiks, soll die Airline halt mehr Lohn zahlen, technischer Defekt, dann muss man ersatzmaschinen vor Ort haben. Abe nromales Wetter? Nun man kann ja umplanen, Busse, die zu anderen Flughäfen die Passagiere befördern oder Änderungen der Flugrouten. Alles planbar.
trickydicky 05.12.2013
4. Unterschiede Flug - Bahn
Statt reflexhaft bei Nennung der Bahn ins Bashing zu verfallen, überlege ich ausnahmsweise, wieso bei der Bahn in diesem Fall nicht auch der Verweis auf höhere Gewalt gilt? Oder umgekehrt, weshalb nicht auch die Fluggesellschaften zu Entschädigungen bei Nicht-Erfüllen der Beförderungslerstung verpflichtet sind?
Hans58 05.12.2013
5.
Zitat von trickydickyStatt reflexhaft bei Nennung der Bahn ins Bashing zu verfallen, überlege ich ausnahmsweise, wieso bei der Bahn in diesem Fall nicht auch der Verweis auf höhere Gewalt gilt? Oder umgekehrt, weshalb nicht auch die Fluggesellschaften zu Entschädigungen bei Nicht-Erfüllen der Beförderungslerstung verpflichtet sind?
Bei der Bahn gilt auch der Verweis auf die höhere Gewalt.
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