Luftverkehr Deutsche Flughäfen erwarten 2020 weniger Passagiere

Der Reiseboom bescherte deutschen Flughäfen jahrelang steigende Passagierzahlen. Für 2020 rechnet der Airport-Verband mit einem deutlichen Rückgang - auch weil Flugpläne gekürzt würden.
Passagiere am Flughafen in Hamburg (Archiv): "Viele Direktverbindungen ab Deutschland nicht mehr wirtschaftlich"

Passagiere am Flughafen in Hamburg (Archiv): "Viele Direktverbindungen ab Deutschland nicht mehr wirtschaftlich"

Foto: Bodo Marks/ dpa

Die vergangenen Jahre haben einen wahren Reiseboom mit sich gebracht - sowohl international als auch an deutschen Flughäfen. Jahr um Jahr stiegen die Zahlen an: Zwischen August 2018 und Juli 2019 beispielsweise starteten von Deutschland aus rund 125,1 Millionen Flugpassagiere - fast sechs Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Nun jedoch müssen sich die deutschen Flughäfen nach Einschätzung ihres Verbandes auf weniger Passagiere einstellen. "Der Luftverkehr am Standort Deutschland wird im Jahr 2020 den Wachstumspfad der letzten Jahre nicht halten können", sagte Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Airport-Verbands ADV, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Passagierzahl werde gemessen am Vorjahr um 0,7 Prozent schrumpfen und die Starts und Landungen an den hiesigen Flughäfen um 2,9 Prozent sinken, so der Verband. "Das raue, von steigenden Kerosinpreisen und Insolvenzen geprägte Marktumfeld treibt die Airlines auch dazu, ihre Flugpläne radikal auszudünnen."

Gründe für den erwarteten Passagierrückgang

Beisel sieht in den Zahlen "keinen Effekt der Flugscham-Debatte". Ursachen seien der gestiegene Ölpreis, die schwächelnde Konjunktur, Handelskonflikte und fehlende Boeing-737-Max-Flieger, die nach Abstürzen mit Flugverboten belegt wurden. Auch die geplante Erhöhung der Luftverkehrsteuer wirke sich im Sommerflugplan 2020 aus, sagte Beisel. "Viele Direktverbindungen ab Deutschland sind nicht mehr wirtschaftlich. Die Folge sind Flugstreichungen an den Flughäfen."

Nachdem Billigflieger ihr Angebot angesichts der Pleite von Air Berlin jahrelang ausgebaut hatten, normalisiert sich die Branche. Der Preiskampf mit den viel kritisierten Billigtickets hat Airlines zu schaffen gemacht: 2019 meldeten der Ferienflieger Germania und die isländische Wow Air Insolvenz an, die Lufthansa-Billigtochter Eurowings schrieb Verluste.

Gekürzte Flugpläne bremsen auch den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport. Für 2020 und mittelfristig erwartet dort Vorstandschef Stefan Schulte zwar eine weiter wachsende Passagierzahl, aber nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren.

Beisel sagte der Zeitung, schon 2019 sei die Zahl der Fluggäste nur leicht auf 244,7 Millionen Passagiere gewachsen und habe die Prognose von mehr als 250 Millionen Fluggästen verfehlt. "Tatsächlich drehte die Verkehrsentwicklung im Sommer und rutschte mit den Streckenstreichungen im Winterflugplan sogar ins Minus."

Passagierrekord für Berlin

2019 hat es allerdings an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld noch einen Passagierrekord gegeben. Rund 35,65 Millionen Passagiere seien in den vergangenen zwölf Monaten über Tegel und Schönefeld gereist, teilte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup mit. Das entspricht einem Wachstum von 2,6 Prozent.

Am Innenstadtflughafen Tegel gab es demnach 24,23 Millionen Fluggäste. In Schönefeld dagegen ging die Zahl weiter zurück und lag nach einem Rückgang von rund zwölf Prozent nun bei 11,42 Millionen.

Am 31. Oktober 2020 soll mit neun Jahren Verspätung der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnen - und danach der Airport Tegel schließen. Lütke Daldrup äußerte sich zuversichtlich, dass damit ein deutliches Wachstum an Interkontinentalverbindungen einhergehe. Zuletzt hatten mehrere Verbände kritisiert, dass es davon in der Hauptstadt zu wenige gebe.

Laut einer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt veröffentlichten Prognose soll sich die Zahl der Flugpassagiere in den kommenden 20 Jahren weltweit mehr als verdoppeln. Die jährliche Zahl der Flüge werde zunehmen, und die Passagiermaschinen werden deutlich mehr Menschen an Bord haben.

jus/dpa
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