Reiterfest in Kirgisien Sie küssen und sie schlagen sich

Ihr Spielball ist ein Tierkadaver: Auf dem kirgisischen Pferdefestival versuchen Reiter, im vollen Galopp den Gegnern eine tote Ziege zu entreißen. Ein anderer Wettbewerb fängt zunächst friedlich an - nach dem Kuss geht's aber rabiat zu.


Die kirgisischen Nomaden gelten als Meister im Reiten: Beim alljährlichen Pferdefestival "At Chabysh" können sie in Wettbewerben und Turnieren beweisen, wie gut sie den Sport beherrschen. Akrobatik auf dem Rücken der Tiere und Pferderennen stehen auf dem Programm - doch ein Spiel erregt besondere Aufmerksamkeit: Kok-Boru.

Bei diesem Traditionssport streiten die Teilnehmer um einen Tierkadaver - meist handelt es sich um eine tote Ziege, manchmal auch ein totes Kalb oder ein totes Schaf. Ziel ist es, den "Spielball" an sich zu reißen und ins Tor zu schleudern. Dabei geht es nicht gerade zaghaft zu: Die Spieler scheuen nicht, in die Zügel ihrer Kontrahenten zu greifen. Stürze sind nicht selten, häufig kommt es zu Verletzten. Es soll sogar schon Tote gegeben haben.

Kok-Boru, das in Kirgisien den Rang eines Nationalsports hat, verlangt viel Geschicklichkeit und Konzentration. Damit sich die Spieler nicht ablenken, wurde wohl eine Regel eingeführt: Es ist verboten, mit dem Gegner während des Spiels zu reden. Davon abgesehen ist alles gestattet, um an den toten Tierkörper zu kommen. Das Team, das die meisten Punkte erreicht, darf den "Spielball" behalten - und aufessen. Wer ein Turnier gewinnt, genießt zudem hohes soziales Ansehen.

"Kok-Boru" heißt übersetzt der "Graue Wolf". Das Spiel, das zu Sowjetzeiten verboten wurde, beruht auf dem harten Alltag der Nomaden: Als das Vieh noch in den Steppen und Bergen weidete, war es stets der Gefahr ausgesetzt, dass Wölfe angreifen. Der Hirte jagte mit Stock und Peitsche dem Wolf hinterher, um ihm das Tier zu entreißen.

Ob ein anderer beliebter Wettbewerb auch dem Überleben dient, ist nicht bekannt: Kyz Kumai, übersetzt "Küss das Mädchen", fängt zärtlich an. Der Mann muss versuchen, der Frau einen Kuss abzuringen - zu Pferd versteht sich. In der zweiten Runde darf die Frau sich "revanchieren". Sie hat die Aufgabe, ihm Schläge mit der Peitsche zu verpassen.

peg



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