Rekord-Weltreise Segler nach 1152 Tagen wieder an Land

Marathon auf hoher See: Der New Yorker Segler Reid Stowe ist nach über drei Jahren auf seinem Boot wieder heimgekehrt. Weder eine Kollision mit einem Frachter, noch eine Kenterung haben ihn von seiner Rekordtour abgehalten - und auch nicht die Geburt seines Sohnes vor 23 Monaten.

AP

New York - Reid Stowe ist in seiner Heimat New York angekommen. Der 58-jährige Segler hat 1152 Tage auf seinem Zweimaster "Anne" verbracht und ist nach seiner Aussage nicht einmal an Land gegangen. Bei seiner Ankunft im Hafen wurde Stowe von applaudierenden Freunden und Familienangehörigen empfangen, darunter sein knapp zweijähriger Sohn, dessen Geburt er verpasst hatte.

Seine Reise breche einen Rekord aus den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts, sagte Stowe am Donnerstag. Damals sei ein norwegisches Schiff 1067 Tage im Meer unterwegs gewesen. Charles Doane, Herausgeber des "Sail Magazine", ist überzeugt von einem neuen Rekord. Das GPS-System, das Stowes Reise aufgezeichnet hat, beweise, dass der Schoner kein Land berührt habe. Guinness World Records prüft den Antrag auf einen Eintrag als die längste Segelreise noch.

Die Tour war nicht immer einfach: Schon 15 Tage nach seinem Aufbruch kollidierte der US-Amerikaner mit einem Frachter, und im Februar war sein Schiff kurzzeitig gekentert. Das Schwierigste auf seiner Fahrt sei aber der Abschied von seiner Freundin gewesen, erzählt Stowe. Seine Reise hatte er im April 2007 gemeinsam mit der heute 26-jährigen Soanya Ahmad von Hoboken in New Jersey angetreten. Während Stowe schon vier Jahrzehnte lang zu allen Kontinenten gesegelt war, war es für Ahmad das erste Mal, dass sie über den Hudson River hinaus kam.

Yoga zum Zeitvertreib

Ahmad brach die Reise nach zehn Monaten wegen Seekrankheit ab, außerdem vermutete sie, dass sie schwanger sei. Reed setzte die Reise alleine fort. "Wir hatten eine Vereinbarung getroffen, dass er weiterfahren würde", sagte Soanya Ahmad. "Ich wusste, wenn er zurückgekommen wäre, ohne sein Vorhaben zu beenden, wäre er nur wieder irgendwann gestartet."

Der New Yorker hatte das 21 Meter lange Segelschiff vor über 30 Jahren zusammen mit seiner Familie gebaut, benannt wurde es nach seiner Mutter Anne. Um sich während seiner langen Fahrt vor Langeweile zu bewahren, habe er kaputte Segel repariert, gemalt, Yoga praktiziert und ein Buch geschrieben, sagte Reid. Zudem habe er Satellitentelefonate führen und E-Mails versenden können. Um für ausreichend Vorräte an Bord zu sorgen, hätten Restaurants Essen gespendet. Auch ein Geld und ein Navigationsgerät seien gespendet worden.

abl/apn



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brux 18.06.2010
1. Recherche
Obwohl die Freundin nach 10 Monaten an Land ging, hat das Boot nie angelegt? Hat er seine schwangere Freundin gezwungen, an Land zu schwimmen?
Steff-for 18.06.2010
2. Geldgerät... tolle Sache
Zitat im Beitrag:"...Auch ein Geld und ein Navigationsgerät seien gestiftet worden." Ohne dem hätte er sich das wohl auch nicht leisten können, oder von was lebte seine Kapitänswitwe? Aber.... So ein Geldgerät bräuchten wir auch mal! Abr im Ernst... seltsame Beziehung haben die schon. Die Dauer des Seeaufenthaltes muss allerdings nicht imponieren, denkt man an Reisen von James Cook und Konsorten. Und da warens ganz andere Verhältnisse an Bord, ohne Computer und Sateliten Telefon. Und die Leistung, so lange alleine zu sein steht wohl eher in Verbindung mit einem gestörten Sozialverhalten Mitmenschen gegenüber. Trotzalledem: Gratulation! :-)
diablog 18.06.2010
3. Der Mensch in "seinem" Element
Die Weltumsegler sind besondere Menschen. Sie fühlen sich von der unendlichen Natur gerufen. Wie die Bergsteiger von den "Achttausender". Ihre Sportleistung ist eine Art besondere Kraftakt, ein edler Gefecht zwischen zwei Gegner mit nicht vergleichbaren Chancen. Und trotzdem oder eben deshalb werden sie es immer wieder versuchen. Nàndor Fa und Jozsef Gàl zwei junge Ungaren, sind am Sept. 12. 1987, nach 295 Tagen Weltumsegeln nach Opatija zurückgekehrt. Nàndor Fa hat noch dreimal die Welt umgerundet, allein. Seinen Segelbooten hat er selbst gebaut. Er hat mir einmal gesagt: "wenn ich auf dem hohen See bin, fühle ich mich mit dem Ursprüngen des Lebens vereint. Alles was ich über mich gelernt habe, was ich über mich und meine Beziehung zum Leben wissen muss, habe ich auf dem See erfahren."
denkmal! 19.06.2010
4. ...
...wäre noch interessant gewesen, zu erfahren, WO sich denn Reid Stowe in seinen Jahren zur See rumgetrieben hat! Gemäss dem journalistischen "Grundgesetz": Wer, wann, was, WO?
Ursprung 19.06.2010
5. Alles hinter sich lassen
Merkwuerdig, die hier so ganz unterschiedlichen Foristenbeitraege gegenueber einem segelnden Teenie. Der Kahn auf dem Photo sieht langsam aus. Auch ein sicheres Freikreuzen bei auflandigem Wind duerfte schwierig sein. Aber der Mann weiss damit wohl gut umzugehen. Kein leicht zu manoevrierendes Schiff fuer einen Alleinsegler. Zur Psyche: nachvollziehbar. Sich nicht am ratrace an Land beteiligen zu muessen, hat riesigen Rauschappeal. Auch die nervige Ueberpopulation beruehrt an Bord alleine weniger. Unliebsamen Politikern kann man schlicht aus deren Faengen fortsegeln. "Auf See ist das Seben normal: Segel setzen und alles hinter sich lassen" (deutscher Segelheld Graf Luckner)
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