Risse im Triebkopf Bahn zieht ICE-Züge aus dem Verkehr

Die Deutsche Bahn macht wieder Negativ-Schlagzeilen. Nach technischen Problemen müssen mehrere ICE-Züge der ersten Generation für drei Wochen aufs Abstellgleis geschoben werden. Die Bahnkunden sollten von den Defekten offensichtlich nichts erfahren.


Hamburg - Wegen schadhafter Triebköpfe fehlen nach Angaben der Bahn zurzeit 13 der insgesamt 59 ICE-1-Züge. Sie würden vorübergehend durch neueste Hochgeschwindigkeitszüge mit Neigetechnik sowie vereinzelt durch herkömmliche, mit einer Lokomotive bespannte Züge ersetzt.

ICEs unter der Lupe: Bei 13 der 59 Triebzüge des Typs ICE 1 sind defekte Schweißnähte entdeckt worden
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ICEs unter der Lupe: Bei 13 der 59 Triebzüge des Typs ICE 1 sind defekte Schweißnähte entdeckt worden

Bei einer Routinekontrolle waren Risse in den Schweißnähten der ICE-Triebköpfe entdeckt worden. Vom neuerlichen Defekt ist offensichtlich eine Konsole im Bereich der so genannten Druck- und Zugstangen-Anlenkung betroffen, die die Beschleunigungs- und Bremskräfte zwischen Triebkopf und Drehgestell übertrage.

Bei einem Bruch der Nähte und einem Ausfall der Sicherungseinrichtung könne der Triebkopf entgleisen, behauptet der Fahrgastverband "Pro Bahn". Die Unfallgefahr bestehe, wenn der Zug im Bahnhof oder auf freier Strecke beschleunige oder stark abbremse.

Die Bahn AG sieht das offenbar anders. "Eine Gefahr bestand zu keinem Zeitpunkt", zitiert die "Hamburger Morgenpost" einen Bahnsprecher. Das Eisenbahn-Bundesamt sei über den Fall informiert gewesen.

Die Schweißnähte der Triebköpfe würden, so die Bahn, regelmäßig untersucht. Nach Informationen der "Morgenpost" sollen die Schäden trotzdem über längere Zeit unentdeckt geblieben seien. Erkannt wurden sie anscheinend erst, nachdem Bahnarbeiter an einem ICE zwei eingerissene Nähte gefunden hatten.

Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, ist noch unbekannt, warum die Nähte nicht hielten. Offensichtlich handle es sich um Ermüdungserscheinungen des Materials. Die Züge seien seit fast neun Jahren im Dauereinsatz.

Die 13 Züge werden in den kommenden Wochen im Werk Nürnberg repariert. Die Bahn rechnet damit, alle ICE-1-Züge bis zum Osterverkehr wieder im Einsatz zu haben.

Bis dahin könne es noch zu Verspätungen kommen. In den Ersatzzügen gelten teils keine Sitzplatz-Reservierungen. Manche führen auch keinen Speisewagen mit.

Offensichtlich wollte die Bahn AG ihre Fahrgäste über die neuerlichen Defekte im Unklaren lassen. Die Zugbegleiter sollten die Fahrgäste, so das "Hamburger Abendblatt", lediglich über einen "kurzfristigen Tausch der Garnitur" informieren - ohne deren Hintergründe zu erläutern.

Eine Informationspolitik, die beim Fahrgastverband Pro Bahn auf scharfe Kritik stieß. Grundsätzlich sei zwar zu begrüßen, dass die betroffenen Züge aus dem Verkehr genommen werden und damit Unfällen vorgebeugt werde.

Es müsse aber wieder festgestellt werden, dass es noch kein funktionierendes Störungs- und Informationsmanagement gebe. "Die Fahrgäste werden immer noch nicht adäquat informiert und im Regen stehen gelassen", sagte ein Pro-Bahn-Sprecher.



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