Verbot in Rom Polizei vertreibt Touristen von Spanischer Treppe

Eine kurze Rast auf der berühmten Spanischen Treppe gehört eigentlich zu jeder Rom-Reise. Die Stadt hat das verboten - wer sich trotzdem auf das Monument setzt, muss zahlen.
Ein Polizist vertreibt Touristen mit einer Trillerpfeife von der Spanischen Treppe

Ein Polizist vertreibt Touristen mit einer Trillerpfeife von der Spanischen Treppe

Foto: Filippo MONTEFORTE / AFP

Touristen dürfen nicht mehr auf der berühmten Spanischen Treppe in Rom sitzen. Polizisten vertrieben am Dienstag mit Trillerpfeifen Besucher, die sich auf den Marmorstufen im historischen Zentrum der italienischen Hauptstadt ausruhen wollten.

Der Stadtrat hatte bereits im Juni einen Erlass mit verschiedenen neuen Regeln verabschiedet, der es unter anderem untersagt, sich auf Monumente zu setzen. Bei Zuwiderhandlungen drohen Strafen von bis zu 400 Euro. Nun geht die Polizei gegen Regelverstöße vor.

Ein Journalist der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos  berichtete von acht Polizisten, die an der Spanischen Treppe am Dienstag Touristen vom Sitzen abhielten. "Steht auf, das ist Vorschrift", sollen sie demnach gesagt haben. Die Treppe sei am Vormittag menschenleer gewesen. Einige Touristen hätten protestiert und die Maßnahme als übertrieben bezeichnet.

Verboten sind durch die neuen Bestimmungen auch weitere Verhaltensweisen, die den Behörden ein Dorn im Auge sind - etwa das Baden in Brunnen und das Spazierengehen ohne T-Shirt oder Hemd sowie das Verkleiden als Zenturio und das Durchführen von sogenannten Pub Crawls, Kneipen-Hopping in größeren Gruppen. Rom will damit die Auswirkungen des Massentourismus unter Kontrolle bringen.

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Foto: Alessandro Di Meo/ dpa

Die im 18. Jahrhundert errichtete Spanische Treppe, die zur Kirche Trinita dei Monti führt, ist eine der berühmtesten Touristenattraktionen Roms. 2016 wurden sie für 1,5 Millionen Euro renoviert. Die Freitreppe war nicht nur durch Luftverschmutzung, sondern auch durch Kaugummis, Kaffee- und Rotweinflecken in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der Präsident der "Via Condotti Association", Gianni Battistoni, begründete das Sitzverbot damit, dass man schwer kontrollieren könne, ob die Menschen essen, wenn sie sich erst einmal hingesetzt hätten. "Die Maßnahme ist eine Wiederherstellung der Zivilisation", sagte er Adnkronos. "Die Treppe ist ein Meisterwerk, und man sitzt nicht auf Meisterwerken. Es ist nicht möglich, ihre Schönheit zu genießen, wenn sich dort permanent Menschen aufhalten. So geht man hin, schaut, und geht weiter."

Bereits 2012 war es kurzzeitig verboten, in der römischen Altstadt ein Picknick zu machen: Bis zu 500 Euro mussten Touristen seitdem bezahlen, wenn sie sich etwa vor dem Kolosseum niederließen, um zu essen oder zu trinken.

Auch andere italienische Städte versuchen mit strengeren Regeln, des Touristenansturms Herr zu werden. In Venedig beschloss der Stadtrat im Mai strikte Maßnahmen, um die Unesco-Welterbestadt besser zu schützen. Das bekamen kürzlich zwei deutsche Touristen zu spüren: Sie mussten 950 Euro Strafe zahlen, weil sie an der berühmten Rialtobrücke Kaffee kochten. Auch in Florenz ist das Essen auf der Straße verboten.

kry/AFP
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