Wegen Krankmeldungen der Crews TUIfly bleibt nahezu komplett am Boden

TUIfly stellt heute den Betrieb fast vollständig ein. Mit gemieteten Maschinen und Besatzungen können gerade einmal zehn Flüge durchgeführt werden. Eine Entschädigung will die Airline betroffenen Kunden nicht zahlen.
Urlauber am Flughafen Hannover

Urlauber am Flughafen Hannover

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Am Donnerstagabend hieß es bei TUIfly noch, alle Flugzeuge blieben am Freitag am Boden. Alle 108 Flüge sollten daher ausfallen. In der Nacht teilte der Ferienflieger auf seiner Internetseite mit, dass er mit gemieteten Maschinen und Besatzungen doch einen Teil der Flugausfälle auffangen will.

Zehn Flüge könnten an diesem Freitag auf diese Weise stattfinden. Dabei handelt es sich um vier Flüge von deutschen Flughäfen ins türkische Antalya, einen nach Palma de Mallorca sowie die zugehörigen Rückflüge - mit teils geänderten Abflugzeiten.

Außerdem plant TUIfly für Touristen Rückflüge aus Urlaubsregionen wie Mallorca und der Türkei. Dabei sollen zum Teil mehrere Flüge zusammengefasst werden. Gäste in Urlaubsgebieten, deren Rückreise eigentlich bereits am Donnerstag angestanden hatte, sollen so an diesem Freitag nach Hause fliegen können. Aktuell seien insgesamt zwölf Verbindungen "absehbar", heißt es. Für viele Rückflüge werde aber noch auf Rückmeldungen und Bestätigungen gewartet.

Betroffen war und ist auch Air Berlin. Dort drohen weitere Ausfälle, denn ein Drittel der TUIfly-Flotte fliegt samt Besatzung für die Berliner. Ihre Kunden rief TUIfly am Donnerstag auf, den aktuellen Status ihres Flugs auf der Webseitezu überprüfen. Außerdem stehe die Servicehotline 0800-9006090 zur Verfügung. Air Berlin informiert ebenfalls auf seiner Webseite über den Flugstatus .

Dobrindt: Konflikt "nicht auf dem Rücken der Passagiere" lösen

Grund für das Chaos bei der TUI-Tochter sind massenhafte Krankmeldungen von Piloten und Flugbegleitern. Seit mehreren Tagen fallen bei TUIfly und auch Air-Berlin-Flüge aus, weil sich Crewmitglieder kurzfristig krankmelden. Der Urlaubsflieger steht vor einem Umbau, TUIfly soll mit Teilen von Air Berlin zusammengehen. Arbeitnehmervertreter fürchten Jobverluste.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat dazu aufgerufen, den Konflikt am Verhandlungstisch zu lösen. "Das ist keine akzeptable Situation. Die Airlines müssen ihrer Verantwortung gegenüber den Fluggästen nachkommen", sagte Dobrindt der "Bild"-Zeitung. "Interne Konflikte müssen am Verhandlungstisch ausgetragen werden und nicht auf dem Rücken der Passagiere."

Der Aufsichtsratsvorsitzende von TUIfly, Henrik Homann, rechnet mit länger anhaltenden Beeinträchtigungen im Flugverkehr des Ferienfliegers. "Wir haben zusätzliche Flugzeuge von anderen Fluggesellschaften gechartert, trotzdem kommt es zu Verspätungen und Streichungen", sagte Homann der Zeitung. "Hunderte Piloten" hätten sich krank gemeldet. "Das ist eine Herausforderung. Wir sind im Gespräch und hoffen, dass das die Lage beruhigt."

Leerer TUI fly- Check-in Hannover

Leerer TUI fly- Check-in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Entschädigung? TUIfly beruft sich auf höhere Gewalt

Den Kunden will TUIfly keine Entschädigungen zahlen und beruft sich auf höhere Gewalt. "Entschädigungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche der Kunden entstehen daraus nicht", teilte die TUI Deutschland mit. Die Sprecherin betonte: "Die massenhaften und äußerst kurzfristigen Krankmeldungen sind ein außergewöhnlicher und nicht vermeidbarer Umstand im Sinne von höherer Gewalt." Aus diesem Grund hätten auch die betroffenen Reise- und Luftbeförderungsverträge gekündigt werden müssen.

Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover sieht das anders. Seiner Meinung nach können Flugpassagiere nach EU-Recht durchaus Ausgleichszahlungen fordern. "Interne Probleme wie bei TUIfly und Air Berlin sind keine außergewöhnlichen Umstände oder höhere Gewalt", sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Nur in solchen Fällen wäre eine Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht befreit. Bei Annullierungen und Verzögerungen von mehr als drei Stunden steht Passagieren laut EU-Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung zu. Ihre Höhe liegt je nach Flugdistanz zwischen 250 und 600 Euro.

Im Video: Fluggäste über die Ausfälle bei TUIfly

SPIEGEL ONLINE
abl/dpa