Sardinien Yachtsteuer verjagt Bill Gates

Die Schönen und Reichen der Welt zieht es seit Jahren nach Sardinien. Doch die Einführung einer Luxussteuer trübt ihre Begeisterung: Bis zu 15.000 Euro müssen sie jetzt pro Yacht bezahlen – den Microsoft-Gründern war das zu viel.

Porto Rotondo – Der amerikanische Multi-Milliardär Bill Gates hatte den Sommerurlaub mit der 120-Meter-Yacht "Octopus" seines Freundes Paul Allen an der Costa Smeralda schon geplant. Doch nach der Einführung der "Reichensteuer" zum 1. Juni habe der Microsoft-Gründer, dessen Aktienvermögen auf über 40 Milliarden Dollar geschätzt wird, seine Pläne geändert, berichtete "Corriere della Sera" (Mailand). "Die Luxussteuer verjagt Bill Gates", schreibt die Zeitung. Weitere Gäste könnten es ihm nachmachen.

Nach dem jüngsten Beschluss der Inselregierung müssen Besitzer von Privatyachten je nach Größe tief in die Tasche greifen. Schon für ein 14-Meter-Boot muss man 1000 Euro pro Jahr auf den Tisch blättern, selbst wenn man nur einmal ankern will. Ein 30-Meter-Schiff koste immerhin bereits 10.000 Euro, bis zu 15.000 Euro können fälligt werden. Auch für Privatjets und Ferienhäuser sind ähnliche Abgaben zu berappen. Allerdings: Inselbewohner sind davon befreit.

Auf Sardinien ist die Costa Smeralda besonders luxuriös. Vor 40 Jahren hat Aga Khan, schwerreiches Oberhaupt der Ismaeliten, den 55 Kilometer langen Küstenstreifen für sich entdeckt und dort Villen, Läden und Hotels gebaut. Heute haben Prominente aus der ganzen Welt hier ihr Feriendomizil: Ob Silvio Berlusconi, Wladimir Putin, Adriano Celentano, Peter Gabriel oder Oliver Kahn - an der Smaragdküste ist die Haute Volée unter sich.

Angst vor Besucherschwund

Die Tourismusbranche wird mit der Luxussteuer zu kämpfen haben: "Das ist ein harter Schlag", kommentiert Gian Battista Borea d'Olmo, Chef eines Yachthafens im feinen Porto Rotondo im Nordosten der Insel, in der "Corriere della Sera" die neue Steuer. "Mit dieser Entscheidung werden 30 Jahre Arbeit zerstört. Das ist ein Geschenk an Kroatien und Griechenland. Die Schiffsführer werden, abgeschreckt von der Maßnahme, dort hingehen", so Borea d'Olmo. Angst vor einem Besucherschwund haben die Sarden schon lange. Denn das Liegegeld ist in den heimischen Marinas ohnehin sehr viel höher als in anderen italienischen Yachthäfen.

Auch Renato Azara, Beauftragter des "Sardinia Yacht Service" in Porto Cervo, verurteilt die Steuermaßnahme gegenüber der Zeitung. "Wir raten: Bezahlt die Steuer nicht - wenigstens jetzt noch nicht." Eine Steuerrevolte? "Nein, Bitterkeit. Jetzt wird es eine Krise geben", so Azara. Schon jetzt hätten 26 französische Schiffe ihre Ankunft wegen der Steuer abgesagt, beklagt sich der Bürgermeister von Santa Teresa di Gallura in Bardanzellu: "Wir hoffen, dass die Verantwortlichen ihre Entscheidung noch einmal überdenken".

"Ich habe nichts gegen die Reichen, aber bis heute verdient Sardinien keinen Euro an den Häusern der Nicht-Einwohner", begründet der Inselgouverneur Renato Soru die umstrittene Abgabe. Anfang Mai hatte das Regionalparlament die Luxussteuer mit großer Mehrheit beschlossen. Soru verteidigte die Sondersteuer mit dem Argument, das Geld könne von den Gemeinden in den Tourismus investiert werden. Sardinien rechnet mit Mehreinnahmen zwischen 300 und 700 Millionen Euro pro Jahr.

abl/mmo/dpa

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