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27. September 2019, 13:58 Uhr

Touristen-Visa, weniger Vorschriften

Wie Saudi-Arabien Urlauber anlocken will

Inseln und Küstenorte am Roten Meer sollen in Luxusbadeorte verwandelt werden: Saudi-Arabien will Milliarden in die touristische Infrastruktur investieren - und erstmals Urlaubern Visa ausstellen.

Saudi-Arabien will Geld mit Touristen verdienen, doch Reisen in das erzkonservative Königreich sind bisher kaum möglich. Dies soll sich nun ändern. Künftig sollen Bürger aus 49 Staaten online ein Touristenvisum beantragen können, sagte Ahmed al-Chateeb, Vorsitzende der Tourismuskommission, laut der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er sprach von einem "historischen Moment für unser Land".

Dass Saudi-Arabien erstmals Visa für Urlauber ausstellen wolle, hatte das Land bereits 2017 angekündigt. Ein entsprechendes System sei eingerichtet worden und werde "bald" in Betrieb genommen, erklärte damals die staatliche Kommission für Tourismus und Kulturerbe in Riad. Wann genau, war allerdings unklar.

Bis 2030 wolle man die Zahl der internationalen und heimischen Besucher auf hundert Millionen pro Jahr steigern, teilte die Tourismuskommission jetzt in Riad mit. Details zu den neuen Visa-Regeln sollten jedoch erst bei einer Gala am Abend bekannt gegeben werden, hieß es.

Was schon feststeht: Für ausländische Besucherinnen sollten gelockerte Kleidervorschriften gelten. Touristinnen müssten nicht das traditionelle schwarze Überkleid Abaja tragen, erklärte al-Chateeb. Notwendig sei aber "züchtige Bekleidung".

Al-Chateeb warb in einer Erklärung, Besucher würden "überrascht" sein von den "Schätzen" Saudi-Arabiens: In dem Land gebe es fünf Unesco-Welterbestätten, eine lebendige Kultur und "atemberaubende" Natur.

"Vision 2030": Mehr Touristen, mehr Arbeitsplätze

Saudi-Arabien ist für Touristen bislang schwer zugänglich. Visa werden gewöhnlich nur für kurze Geschäftsreisen, religiöse Pilgerreisen oder Besucher mit Angehörigen in dem Wüstenstaat vergeben. Mit der Entwicklung des Tourismussektors will sich das weitgehend von Ölexporten abhängige Land neue Einkommensquellen erschließen.

Die Entwicklung des Tourismus ist Teil der "Vision 2030", mit der Kronprinz Mohammed bin Salman einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformkurs eingeleitet hat. Die Führung des Landes hofft auf eine Million neue Arbeitsplätze in der Tourismusbranche. Bis 2030 soll das Geschäft mit den Urlaubern zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen.

Das Land will Milliarden in touristische Infrastruktur investieren. So sollen Inseln und Küstenorte am Roten Meer in Luxusbadeorte verwandelt werden. Auch an archäologische Stätten sollen Touristen gelockt werden.

Allerdings dürfte die anhaltende Kritik an der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien potenzielle Touristen abschrecken. Die Ermordung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi im vergangenen Jahr sorgte weltweit für Negativschlagzeilen.

Auch an der Situation von Frauen entzündet sich die Kritik. Der Kronprinz hat zwar Reformen eingeleitet und die Vorschriften für Frauen gelockert. So dürfen Frauen inzwischen Auto fahren und ohne Erlaubnis eines Mannes ins Ausland reisen. Kritikern gehen die Reformen aber nicht weit genug.

jus/AFP

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