Schadensersatz Urlauber muss bei Salmonellen-Infektion Hotel Schuld nachweisen

Sommer, Sonne - und man selber kriecht vom Bett zur Toilette und zurück. Wer sich im Urlaub eine Salmonellen-Infektion einfängt, ärgert sich über die vergeudeten Ferien und oft auch über mangelnde Hygiene im Hotel. Doch die muss man erst mal beweisen, wenn man Geld sehen will. 


Leipzig - Sind die Muscheln verdorben, ist es der Rest des Urlaubs meistens auch: Wer sein Hotel für Brechdurchfall und Magenkrämpfe zur Rechenschaft ziehen will, der muss beweisen, dass es für die Infektion verantwortlich war. Nur dann besteht Anspruch auf Schadensersatz. Wenn nicht einmal zehn Prozent der Urlauber erkrankt waren, spreche aber wenig dafür, entschied das Landgericht Leipzig. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in Wiesbaden in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell".

Die Klägerin hatte eine 15-tägige Reise in die Türkei gebucht. Ihr Kind bekam dort Fieber, Brechdurchfall, Bauchschmerzen und Magenkrämpfe. Nach vier Tagen im Bett musste es ins Krankenhaus. Auch zwei andere Kinder der Klägerin erkrankten. Eine Untersuchung nach dem Urlaub ergab, dass Salmonellen der Auslöser waren.

Die Klägerin beschwerte sich über mangelnde Hygiene in Küche, Restaurant, Pool und Schwimmbad, über unzureichende Kühlung der Lebensmittel und verdorbene Speisen. Sie forderte den gesamten Reisepreis zurück und verlangte außerdem Schadensersatz.

Der Veranstalter zahlte jedoch nur 231 Euro - ein Zehntel des Reisepreises - und lehnte weitere Leistungen ab. Zu Recht, wie das Gericht entschied. Die Klage sei unbegründet. Dass das Hotel für die Erkrankung verantwortlich ist, habe die Klägerin nicht beweisen können. Wenn das so gewesen wäre, hätte eine erhebliche Zahl der Hotelgäste erkranken müssen.

Wie viele es waren, ließ sich allerdings nicht klären. Die Behauptung der Klägerin, es seien 50 Familien gewesen, war nicht zu belegen. Definitiv seien es aber weniger als zehn Prozent gewesen. Insofern gebe es keinen Beweis für die Vorwürfe der Klägerin.

Landgericht Leipzig: Aktenzeichen 5 O 1659/10

jus/dpa



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