Schiene versus Straße Auto und Lkw bleiben Verkehrsmittel Nummer eins

Die Bahn legt zu – doch bis zu 80 Prozent der Transporte werden immer noch über die Straße abgewickelt. Die Deutsche Bahn sieht sich massiv benachteiligt im Vergleich zum Flugverkehr und fordert Steuersenkungen.

Berlin - Auto und Lastwagen beherrschen unangefochten den Personen- und Güterverkehr. So erreichten die Straßentransporte 2006 bei nur geringen Einbußen im Vergleich zum Vorjahr noch immer rund 80 Prozent Marktanteil im Individualverkehr und 70 Prozent im Güterverkehr. Das ergibt sich aus dem Wettbewerbsbericht der Deutschen Bahn (DB), den Vorstandsmitglied Otto Wiesheu in Berlin vorstellte.

Trotzdem die Marktanteile im Personen- und Güter-Schienenverkehr gestiegen sind, beklagt die DB massive Benachteiligungen im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern. So zahle die Bahn Mineralöl- und Mehrwertsteuer auch im internationalen Verkehr, während der Luftverkehr davon ausgenommen sei. Auch seien der DB im Personenverkehr ausländische Märkte weiterhin verschlossen, während in Deutschland eine große Zahl ausländischer Unternehmen mit der Bahn konkurriere.

Zugleich verteidigte Wiesheu die geplanten Teilprivatisierungspläne der DB. So zeige sich, dass "mehr staatlicher Einfluss bei der Infrastruktur (Gleisnetz) zu Verteuerungen führt". Nach Darlegung der DB wurde der Netzzugang für Konkurrenten in allen Fällen gewährt.

Bahn-Konkurrenten legen um 15 Prozent zu

Nach deutlichen Erfolgen im gesamten deutschen Schienenverkehr des vergangenen Jahres geht der DB-Vorstand für 2007 von einem abgeschwächten Wachstum von 4,5 Prozent im Güterverkehr aus nach plus 12 Prozent in 2006 und von 1,5 Prozent im Personenverkehr nach plus 3,8 Prozent im Vorjahr. Dabei nahm 2006 die Leistung der DB im Güterverkehr um 9,5 beziehungsweise 3,1 Prozent und die der übrigen Bahnen noch deutlicher um 28 beziehungsweise 15 Prozent zu. Diese hätten bei den Güterbahnen damit ihren Marktanteil von 14,4 auf 16,4 Prozent erhöht - "ein deutlicher Beleg für den bestehenden Wettbewerb", sagte Wiesheu.

An der gesamten Güterverkehrsleistung von 624 Milliarden Tonnenkilometern des Jahres 2006 - 7,4 Prozent mehr als 2005 - erreichte die Schiene insgesamt einen Marktanteil von 17,1 (2005: 16,4) Prozent. Sie konnte damit vor allem den Binnenschiffern einige Anteile abjagen, die 2006 nur noch 10,2 Prozent Anteil erreichten nach 11 Prozent im Vorjahr. 2,6 Prozent des gesamten Gütertransports wurden über Rohrfernleitungen abgewickelt.

Trotz des rückläufigen Personenverkehrs konnte sein Anteil auf der Schiene einschließlich des öffentlichen Nahverkehrs von 18 auf 18,6 Prozent leicht erhöht werden. Der Luftverkehrsanteil stieg leicht von 1,1 auf 1,2 Prozent. Im Fernverkehr stieg die Leistung der Bahnen 2006 um 2,4 Prozent. Wachstumsgründe seien attraktive Angebote und der Verkehrszuwachs in Folge der Fußball-Weltmeisterschaft.

Privatbahnen: DB schönt Zahlen

Das Netzwerk der Privatbahnen warf der Deutschen Bahn vor, mit falschen Zahlen zu operieren. Die Bahn gebe den Marktanteil der Privaten im Schienenpersonennahverkehr mit 15 Prozent an. "In Wahrheit beträgt er nur rund sieben Prozent", sagte der Geschäftsführer der Vereinigung, Arthur-Iren Martini, der "Saarbrücker Zeitung" (Freitagausgabe). Der Konzern beschönige die Zahl, in dem er den Marktanteil über die gefahrenen Zugkilometer und nicht über die Personenkilometer messe.

Martini beklagte weiter, die Wettbewerbsprobleme seien "eher größer als geringer geworden". So wachse die Zahl der Langsamfahrstrecken immer dort, wo Wettbewerber gute Geschäfte machten. Auch gebe es eine massive Benachteiligung der Privaten beim Bezug des Bahnstroms. Das Unternehmen verschweige überdies jede Menge Trassenkonflikte, die allein wegen des zeitlichen Aufwands bis zu einer Entscheidung nicht bei der Bundesnetzagentur aufliefen.

Abl/dpa/AP/ddp

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