Schluss mit Ein-Euro-Flügen Steuern und Gebühren müssen im Werbungspreis enthalten sein

Ab Samstag ist die Zeit der Ein-Euro-Flüge in der Werbung wohl vorbei: Die neuen Transparenzvorschriften für Flugpreise treten in Kraft. Auf Plakaten und im Internet müssen Airlines die Kosten inklusive Steuern und Gebühren angeben - Schlupflöcher gibt es allerdings immer noch.


Brüssel - Die neue Richtlinie soll mehr Klarheit in den Preisdschungel der Fluggesellschaften bringen. Doch auch ab 1. November, an dem europaweit neue Transparenzvorschriften für Flugpreise in Kraft treten, müssen Kunden bei der Buchung sehr genau aufpassen. Denn die Fluggesellschaften müssen nicht alle Zusatzkosten zwingend in den Werbungspreis einrechnen.

Nach der im Juli vom EU-Parlament verabschiedeten Richtlinie sind die Airlines zur Angabe sämtlicher unvermeidlicher Preiskomponenten wie Steuern und Gebühren bei der ersten Veröffentlichung eines Angebots - ob auf Plakaten oder im Internet - verpflichtet. Zusatzleistungen wie zum Beispiel eine Reiserücktrittsversicherung muss der Kunde von sich aus wählen können. Bei Flugbuchungen über das Internet war diese Option oft von vornherein angeklickt, so dass Kunden sie häufig aus Versehen buchten.

Die Verordnung, mit der viele Vorschriften im Luftverkehr auf den neuesten Stand gebracht werden, verhindert auch, dass die Fluggesellschaften unterschiedliche Preise für ein und denselben Flug in Abhängigkeit vom Wohnort verlangen können. Mit der Richtlinie könnten keine Gebühren mehr versteckt werden, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel. Die Kunden hätten eine bessere Wahlmöglichkeit.

Gepäckgebühr kann bei Buchung dazukommen

Allerdings gilt die Angabe von als vermeidbar eingestuften Aufschlägen etwa für Gepäck nicht zwingend. "Fakultative Zusatzkosten" müssen nach dem Beschluss des Parlaments vom Juli erst bei Beginn der Buchung mitgeteilt werden. Dazu zählten auch die vor allem von Billig-Airlines häufig erhobenen Zuschläge für Koffer, die nicht ins Handgepäck passen, wie ein Kommissionsexperte erläuterte. Hingegen sei die bei der Online-Buchung gängige Praxis, Kreditkartengebühren erst in letzter Sekunde vor dem Zahlvorgang anzuzeigen, künftig nur noch dann legal, wenn auch alternative Bezahlungsmöglichkeiten zur Verfügung stünden.

Auch künftig können Fluggesellschaften wohl mit einem fettgedruckten Niedrigpreis werben und die Zusatzkosten durch kleineren Druck zu verschleiern versuchen. Die Richtlinie enthält zur Präsentation der einzelnen Preisbestandteile nämlich keine eindeutigen Vorgaben. Es heißt darin lediglich: "Die in jedweder Form - einschließlich im Internet - veröffentlichten Flugpreise, die direkt oder indirekt an die Reisenden gerichtet sind, beinhalten alle zur Zeit der Veröffentlichung bekannten anwendbaren Steuern, obligatorischen Gebühren, Aufschläge und Entgelte."

In Deutschland ist die neue EU-Richtlinie längst geltende Rechtslage. Laut der Preisangabenverordnung muss in der Werbung ebenfalls der Endpreis angegeben werden.

abl/AP/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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soylentyellow1 30.10.2008
1. Ich wette ich werde die selbe Meldung in acht Monaten wieder lesen.
Ich habe diese Meldung schon des öfteren gelesen, bezweifle aber ob diese Richtlinie so wie vorgesehen umgesetzt wird...das ist wie mit den Roamingkosten bei Handys. So kostet mich jetzt ein Gespräch innerhalb Österreichs oder von Österreich NACH Deutschland nummehr 58 Cent. Von Deutschland NACH Österreich (also anderstherum) aber bis zu 1,98 Euro (weil das strenggenommen kein Roaming ist) aber wieso hier die Preistreiberei ungehindert weiter gehen darf bleibt unverständlich...
etoilefilante, 31.10.2008
2. Was denn nun?
Richtlinie oder Verordnung? Das ist insoweit wichtig, als dass Richtlinien erst durch den nationalen Gesetzgeber in nationales Recht umgesetzt werden müssen, Verordnungen hingegen unmittelbar ohne Durchsetzungsakt gelten. Aber so wie es im letzten Satz angedeutet ist, handelt es sich wohl um eine Richtlinie...
morpher 31.10.2008
3. Finde ich nachvollziehbar
Zitat von soylentyellow1Ich habe diese Meldung schon des öfteren gelesen, bezweifle aber ob diese Richtlinie so wie vorgesehen umgesetzt wird...das ist wie mit den Roamingkosten bei Handys. So kostet mich jetzt ein Gespräch innerhalb Österreichs oder von Österreich NACH Deutschland nummehr 58 Cent. Von Deutschland NACH Österreich (also anderstherum) aber bis zu 1,98 Euro (weil das strenggenommen kein Roaming ist) aber wieso hier die Preistreiberei ungehindert weiter gehen darf bleibt unverständlich...
Finde ich schon nachvollziehbar. Man kann sich ja innerhalb Deutschlands einen Tarif suchen, der günstige Auslandsgespräche ermöglicht. Wenn die Kunden darauf achten würden, gäbe es auch mehr Wettbewerb in Sachen Auslandsgespräche. Wenn ich aber mit meiner Karte im Ausland roame, schließt im Grunde mein Vertragspartner (z.B. Vodafone D) einen Vertrag mit dem dortigen Netzbetreiber (z.B. Singtel Singapur) zu meinen Lasten (denn die Gebühren von Singtel werden mir mit einem gewissen Aufschlag einfach weiterberechnet). Beim Roaming hat dadurch der SIM-Kartenausgeber einen ungleichen Vorteil gegenüber dem Kunden. Da finde ich es schon ok, dass die EU eingreift. Gruß Morpher
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