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03. März 2006, 22:27 Uhr

Schneechaos in Frankfurt

Auch am Samstag drohen viele Flüge auszufallen

Deutschlands größter Flughafen legt eine Zwangspause ein. Der heftige Wintereinbruch hat den Betrieb in Frankfurt fast völlig zum Erliegen gebracht. Wann die innerdeutschen Flüge der Lufthansa wieder aufgenommen werden können, ist unklar. Auch auf vielen Straßen herrscht Chaos.

Frankfurt am Main/Hamburg - Wegen schlechter Sicht und starken Schneefalls mussten auf dem Frankfurter Flughafen heute Hunderte von Starts und Landungen annulliert werden. Es gebe kaum einen Flug, der nicht von Verspätungen wegen des anhaltenden Winterwetters betroffen sei, sagte Wolf-Dieter Schaller vom Flughafenbetreiber Fraport. Etwa 15.000 bis 20.000 Passagiere seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Lufthansa hat für heute alle weiteren innerdeutschen Flüge von und nach Frankfurt abgesagt. Bis zum Abend waren davon laut Angaben der Fluglinie rund 150 Flüge und etwa 6000 Passagiere betroffen. Die Langstreckenflüge konnten dagegen aufrechterhalten werden.


Ob und wann die innerdeutschen Flüge am Samstag wieder aufgenommen werden können, ist unklar. "Es hängt alles vom Wetter ab", sagte Lufthansa-Sprecher Frank Püttmann zu SPIEGEL ONLINE. Die Logistiker des Unternehmens hätten weiterhin alle Hände voll zu tun, die heute aufgelaufenen Probleme zu bewältigen. Dies werde durch neuerliche Schneefälle am Abend in Frankfurt erschwert.

Laut Plan müsste der innerdeutsche Flugplan morgen früh gegen 7 Uhr beginnen. "Wir rechnen aber nicht mit einem normalen Flugtag", sagte Püttmann. Er empfahl den Lufthansa-Kunden, sich an ihr Call-Center oder Reisebüro wegen einer möglichen Umbuchung zu wenden und für innerdeutsche Reisen auf die Bahn umzusteigen. In Ausnahmesituationen wie der jetzigen könnten dazu Lufthansa-Tickets als Bahntickets eingesetzt werden.

Auch am Münchner Flughafen kam es wegen des Wetters zu Verspätungen und Annullierungen. Wie Flughafensprecher Ingo Anspach sagte, waren zwischen 2000 und 3000 Passagiere betroffen. Zwei Flüge wurden demnach bis zum Mittag komplett gestrichen, auf 30 Flügen kam es zu Verspätungen. Die Wartezeiten betrugen den Angaben zufolge zwischen 30 und 60 Minuten; Verzögerungen gab es auf inländischen und europäischen Flugstrecken. Für den restlichen Tag erwartete der Flughafensprecher Entspannung: "Es sieht so aus, als bliebe der Schnee nun nicht mehr liegen".

Eingeschränkter Winterdienst wegen Streik

Auf den Straßen hat der starke Schneefall im Süden und Südwesten Deutschlands ebenfalls für chaotische Verhältnisse gesorgt. Schon am Nachmittag waren viele Straßen dicht. Bei Fulda in Hessen starb ein 41-jähriger Autofahrer, als er beim Überholen von der Fahrbahn abkam. Bei Schweinfurt in Bayern kam ein 39 Jahre alter Beifahrer ums Leben, als ein mit fünf Personen besetzte Wagen gegen mehrere Bäume schleuderte.

Bei Hunderten von Unfällen vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz blieb es meist bei Blechschäden. Die Polizei im Rhein-Main-Gebiet stellte sich aber darauf ein, dass stecken gebliebene Autofahrer auch in der Nacht zum Samstag versorgt werden müssten.

Angesichts des wetterbedingten Verkehrschaos' reagierten die Streikenden im öffentlichen Dienst unterschiedlich. In Schleswig-Holstein setzte die Gewerkschaft Ver.di den Streik bei der Autobahnmeisterei Schleswig aus. In Rheinland-Pfalz hielt der Streik zwar an, doch eine Notdienstvereinbarung wurde erweitert. Der eingeschränkte Winterdienst werde versuchen, auf den Autobahnen mindestens eine Spur je Fahrtrichtung frei zu halten, hieß es in Koblenz.

In Baden-Württemberg wurden überwiegend nur Hauptstraßen und abschüssige Strecken geräumt. In Stuttgart hatte Ver.di die Notdienstvereinbarung für den Räumdienst heute gekündigt, setzte angesichts des Wintereinbruchs aber Teile davon wieder in Kraft. Die Gesamtzahl der Räumfahrzeuge blieb jedoch weit unter der üblichen Zahl zurück. Auch in Ulm blieb der Schnee auf den Nebenstraßen meist liegen. Am Nachmittag öffnete die Polizei einen bestreikten Betriebshof in Stuttgart gewaltsam, um Räumfahrzeugen den Winterdienst auf den verschneiten und vereisten Straßen zu ermöglichen. Das Tor war mit einer Kette verschlossen gewesen. Ein Ver.di-Sprecher kritisierte das Vorgehen der Polizei als "unverhältnismäßig und unnötig". Eine der Zufahrten zu dem Betriebshof sei immer geöffnet gewesen.

Kaiserslautern gegen VfB Stuttgart fällt aus

Der Wetterdienst Meteomedia warnte vor weiteren Schneefällen bis in die Morgenstunden. Für das Wochenende sagt der Deutsche Wetterdienstes landesweit weitere kräftige Schneefälle voraus. Tief "Xandra" bringt für diese Jahreszeit zu kaltes und wechselhaftes Wetter mit sich. Während es am Wochenende im Süden weiter schneit, bekommt der Norden eine Mischung aus Sonne und Wolken mit einigen Schneeschauern.

Dem Schnee ist auch eine Bundesliga-Begegnung zum Opfer gefallen: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) musste das für morgen angesetzte Spiel 1. FC Kaiserslautern gegen VfB Stuttgart absagen. Durch die starken Schneefälle der letzten Tage könne die Sicherheit auf den Anfahrtswegen und Zuschauerrängen nicht gewährleistet werden, sagte ein DFL-Sprecher. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest.

abl/har/AFP/dpa/reuters/AP

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