Schneemangel in Skigebieten Wann wird's mal wieder richtig Winter?

Weiße Pistenbänder, daneben jede Menge Grün: Wer in den Weihnachtstagen auf die Skipiste will, muss vielerorts mit künstlich beschneiten Hängen vorlieb nehmen. Die Rekordwärme im Dezember alarmiert Winterurlauber.

imago / MIS

Die Bergbahn fährt, doch Schnee ist nur in vereinzelten Streifen zu sehen: Am 1874 Meter hohen Jenner startete am Samstag offiziell die Skisaison, doch in den Berchtesgadener Alpen wurden zunächst nur Winterwanderer nach oben gebracht. Die Bretter kann man getrost im Tal lassen. Und das, obwohl Schneekanonen schon Zehntausende Kubikmeter Kunstschnee an den Hang geschleudert haben.

Ähnlich enttäuschend verlief der Saisonauftakt am Oberjoch im Allgäu, wo gerade für 23 Millionen Euro drei neue Sessellifte gebaut wurden: Auch hier ist es noch so warm, dass es eher regnet als schneit. Und ein Sprecher der Skiarena in Altenberg im Erzgebirge sagte am Samstag, den aktuellen Mangel an Naturschnee könne er nicht mal durch Kunstschnee ausgleichen - weil es auch dafür viel zu warm sei.

In sämtlichen deutschen Mittelgebirgen sind die Schneeverhältnisse derzeit mau: Unter 1500 Meter Höhe geht gar nichts, und auch die Vorhersagen für die Weihnachtstage sind nicht besonders schneesportfreundlich. Meteorologen sind bereits davon überzeugt, dass es bundesweit keine weiße Weihnacht geben wird, und auch nach dem 24. Dezember werden vielerorts noch für einige Tage eher herbstliche als winterliche Temperaturen herrschen. Man muss zur Zugspitze, nach Garmisch oder Reit im Winkl, um derzeit in Deutschland Skifahren zu können.

Also: Winterurlaub absagen und lieber nach Fuerteventura oder Kapstadt fliegen? Natürlich nicht, denn es scheint längst ein etabliertes Dezember-Ritual zu sein, dass eine katastrophale Alpensaison vorhergesagt wird.

Video: Alles grün - Pollenflug statt Flockentanz

Hoch hinaus ins Skivergnügen

Etwas weiter südlich von Berchtesgaden und Allgäu sieht die Lage - teilweise dank hochmoderner Schneekanonentechnologie - schon anders aus. In Österreich bieten viele Skigebiete bereits gute bis sehr gute Bedingungen auf den Pisten. In Obertauern liegen auf den Hängen 50 Zentimeter Schnee, in Sölden sind es sogar bis zu 138 Zentimeter. Viele Talabfahrten sind allerdings nichts für Ästheten: Wenige Meter neben dem künstlich beschneiten weißen Band der Piste wird der Untergrund gleich grün-braun.

Gut präparierte Pisten gibt es auch in der Schweiz. Bei Zermatt zum Beispiel liegen auf den Hängen bis zu 125 Zentimeter, im Engadin sind die Pisten dank Schneekanonen offen. Im Rigi-Skigebiet dagegen wartet man noch auf bessere Bedingungen. In Frankreich sind die Verhältnisse am Berg gut, etwa in Courchevel und Chamonix, Talabfahrten sind allerdings noch geschlossen. In Italien haben fast alle Skigebiete geöffnet, die Bedingungen sind meist gut.

Manche Skiregionen rüsten sich trotzdem für den Fall, dass es in den nächsten Tagen nicht schneien könnte, denn die Tage nach Weihnachten und um Silvester bringen gewöhnlich den ersten Skiurlauberansturm der Saison: "Wir haben eine Liste mit über 400 Alternativmöglichkeiten erstellt", sagte Roberto Rivola, Sprecher der Region Engadin St. Moritz, der Nachrichtenseite "20 Minuten". "Beispielsweise Kutsche fahren, Schlittschuhlaufen oder kulturelle und gastronomische Möglichkeiten."

Ansonsten hilft: Warten. Laut Wettervorhersagen wird zwar auch die Woche nach Weihnachten noch ungewöhnlich mild, der Dezember könnte sogar in Deutschland der wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen werden. Anfang des neuen Jahres soll es sich aber abkühlen. Ab Januar könnte es also doch noch eine ganz normale Skisaison werden.

Liegt denn nun aber Schnee in dem gebuchten Skigebiet? Hier hilft der Blick in Datenbanken zur aktuellen Lage in Mittelgebirgen, im Allgäu oder in den Alpen:

  • Etwa in den Skiatlas auf SPIEGEL ONLINE. Hier können Sie die Schneehöhen abfragen und vergleichen, sich über geöffnete Pisten informieren und Ihr ideales Skigebiet finden.
  • Auch Apps können helfen, wenn Sie unterwegs sind: die Gratis-App der Seite Schneehoehen.de etwa, die 800 Skigebiete abfragt und Livecams ansteuert, oder die sehr detaillierte App Bergfex/Ski (kostenlos in der Lite-Version).

sto/dpa



insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
nomadas 21.12.2015
1. never again
Weiss keiner so genau, in paar Millionen/Milliarden Jahren ggf. wenn der Planet sich von seinen tödlichen Insekten, homo sapiens, erholt hat. Aber so genau weiss das keiner. Ist ja auch egal, Hauptsache wir hatten Spass auf der Piste, die letzten Jahre und sau geilen Après Ski, Bussi!
Pfaffenwinkel 21.12.2015
2. Wo können Wetten abgeschlossen werden?
Ich wette mit jedem, dass der dicke Schnee in diesem Winter kommt - zu Ostern.
phthalo 21.12.2015
3. Schneekanonen verbieten
Ich bin einer von denen, die am liebsten diese Schneekanonen verbieten lassen würden. So ein Unfug für ein wenig Spaß so viel Energie zu verschwenden. Da fragt man sich, ob die Betreiber der Schneekanonen eigentlich wissen, warum es (global gesehen) immer wärmer wird. Aber selbst wenn sie es wissen: Geld tröstet schnell darüber hinweg.
!!!Fovea!!! 21.12.2015
4. von mir aus
kann es so bleiben. Bitte kein Schnee zu Ostern (Ende März!).
schgucke 21.12.2015
5. Zurück auf Los
ja, das ist doch die kommende Subventionsbranche, oder kriegen die ihre Ausfälle sowieso schon, so wie die Horizontal-Landwirte, erstattet? wüsst ja gern, ob die dort Berufstätigen eher für "(menschgemachter) Klimawandel" oder "heuer fei Pech beim Wetter" stimmen.
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