Scilly Islands und Co. Das sind die schönsten kleinen Inseln

Wo eine ist, gibt es meist noch mehr: Inseln vor der Insel. Wie der Liparische Archipel vor Sizilien, die Scilly Islands vor England, Tiritiri Matangi vor Neuseeland. Was macht für mich den Reiz der Landflecken im Meer aus?

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Irgendwie lande ich auf Reisen immer auf einer Insel. Wenn sie groß ist, auf einer kleineren davor. Auch wenn sie nur ein paar Quadratkilometer misst.

Als ob der südwestliche Zipfel Großbritanniens nicht schon küstenreich genug wäre - mich zieht es weiter auf die Scilly Islands, 45 Kilometer südwestlich von Land's End. Und dort nicht auf St. Mary, die größte unter ihnen, sondern jene in der zweiten Reihe: St. Agnes. Ein 1,5 Quadratkilometer großer Felsfleck, der in einem halben Tag umrundet und erkundet ist - mit einem Leuchtturm, einem Pub, einem Campingplatz und einer Eismanufaktur.

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Wo eine Insel ist, gibt es meist noch mehr - zwar eine Binse, aber für mich als Insel-Junkie einfach zu verlockend. Meist sind sie unbewohnt, manchmal nicht. Und dann fange ich an zu tüfteln: Wie fahren Fähren oder Boote, wo kann ich übernachten, gibt es dort Wanderwege?

Inseln vor Inseln sind allerdings meist nur mit höherem Aufwand zu erreichen: St. Agnes zum Beispiel. Per Flugzeug nach London, per Zug nach Penzance, per Fähre nach Hugh Town auf St. Mary's, per winzigem Boot weiter zum Ziel - an einem Tag ist das nicht zu schaffen. Oder auf die Liparischen Inseln. Im Flugzeug meist mit Umsteigen nach Catania, per Bus nach Milazzo und dann mit Glück am selben Tag noch ein Schiff erwischen.

Sizilien habe ich immer noch nicht bereist. Dafür aber den Liparischen Archipel, der im Norden der süditalienischen Insel liegt: Auf Vulcano atmete ich Schwefeldämpfe ein und schwamm im Meer, erwärmt von einer heißen Quelle. Auf Stromboli kletterte ich 1000 Meter hoch bis zum Kraterrand des Vulkans, dichter Nebel verbarg die Aussicht und glühende Lava, nur ein Fauchen hörte ich. Auf Salina wanderte ich durch Pinien-, Oliven- und Steineichenwälder und testete den Malvasia-Süßwein. Auch auf der kleinsten der sieben Inseln, dem entlegenen, autofreien Alicudi, folgte ich einem Küstenpfad.

Tiritiri Matangi, Inisheer und Flores

Irland als Insel ist mir per se sympathisch. Doch begeistert war ich von der Auswahl vor der Westküste: Inis Mór, Inis Meáin und Inis Oírr zum Beispiel bilden den Aran-Archipel, auf dem es - so erzählt man - auch Tage geben soll, an denen es nicht regnet. Ich radelte im strömenden Regen entlang grauer Steinwälle und sinnierte beim Anblick der geduckten Steinhäuser und der Curragh, der aus schwarz geteertem Segeltuch gefertigten Boote, über das frühere harte Leben der Inselbewohner. Wenig weiter nördlich dann Achill Island - über eine Brücke erreichbar und vielen bekannt durch Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch".

Neuseelands Süd- und Nordinseln werden wohl auf ewig bei mir Sehnsucht auslösen, auch das wilde Stewart Island im Süden des Landes mit Halfmoon Bay, Baumgiganten auf Ulva Island und den Kiwis, die nachts über den Strand laufen. Aber es geht noch kleiner: Tiritiri Matangi und Kapiti, beide vor der Nordinsel. In den Schutzgebieten spielen die Bergpapageien, die Keas, ihre Streiche und werden unter strenger Aufsicht die letzten flugunfähigen Takahes gehütet, beschützt vor den Nagetieren, die im Rest des Landes wüten.

Vancouver Island ist eine Insel, denen viele Kanada-Reisende einige Tage widmen, ehe sie mit ihrem Wohnwagen weiter in die Rocky Mountains ziehen. Großartig, keine Frage. Aber ich bekam Tipps: Flores bei Tofino im Westen oder das vier Quadratkilometer große Comorant in der Queen Charlotte Strait im Nordosten würden noch mehr Geheimnisse bergen. Jene kleinen Gemeinden, die von Ureinwohnern bewohnt werden, die ihre kulturelle Identität mit Selbstbewusstsein wiederentdecken. Von Nord nach Süd, von Ost nach West - an einem Tag habe ich fast alles gesehen, was möglich war. Zwei bis drei Tage blieb ich.

Insel muss sein

Was macht den Reiz einer Insel aus? Auf jeden Fall ihre Abgegrenztheit. Rundherum nur Wasser, das nicht so ohne Weiteres zu überqueren ist. Was oder wer hier lebt, kommt nicht ohne Aufwand weg, beeinflusst und formt sich gegenseitig. Viele Tier- und Pflanzenarten kommen nur auf bestimmten Inseln vor, sogar den Insulanern hängt der Ruf an, besonders zu sein.

Und für Reisende wie mich? Ein vom Meer umgebener Landfleck mildert meinen Drang, immer mehr erkunden, immer weiter fahren zu müssen. Wer in jede Richtung auf ein Ende stößt, hält irgendwann inne. Setzt sich hin. Blickt auf Strand, Wellen und den Horizont. Vielleicht macht genau das mich zur Süchtigen: Kleine Inseln zwingen mich zur Ruhe.

insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
urmedanwalt 03.08.2019
1. Noch ne Insel
Da fällt mir auch noch Manitoulin Island ein, eine recht große Insel im Norden Ontarios, in der Georgian Bay, glaube ich. Auf dieser Insel gibt es viele Seen, in denen wiederum Inseln liegen, auf denen sich nochmals Seen mit Inseln befinden.
markus.pfeiffer@gmx.com 03.08.2019
2. Anreise
Uns warum mit dem Flugzeug nach London und Catania? Da fahren auch Züge hin - und dann kann man sich den Gedanken sparen, ob man an einem tag hinkommt oder wo man schläft, wenn nicht - man schläft im Nachtzug. Wer so naturverbunden ist wie die Autorin sollte das Fliegen solcher Kurzstrecken einfach unterlassen.
hard_frost 03.08.2019
3. @1
Zitat von urmedanwaltDa fällt mir auch noch Manitoulin Island ein, eine recht große Insel im Norden Ontarios, in der Georgian Bay, glaube ich. Auf dieser Insel gibt es viele Seen, in denen wiederum Inseln liegen, auf denen sich nochmals Seen mit Inseln befinden.
Ich hab mir Manitoulin Island auf google maps angesehen. Es stimmt, daß es einige sogar recht große Seen dort gibt, und in einigen dieser Seen gibt es sogar Inseln. Aber ich habe keiner dieser Inseln entdecken können, die wiederum Seen mit Inseln enthalten.
Hamberliner 03.08.2019
4. Die Mama-Insel und ihre Baby-Insel.
---Zitat von Antje Blinda--- Irgendwie lande ich auf Reisen immer auf einer Insel. Wenn sie groß ist, auf einer kleineren davor. ... Sizilien habe ich immer noch nicht bereist. ---Zitatende--- . Na, dann aber schnell nachholen. Eine kleine Insel vor der großen Insel gibt es da auch. Nennt sich Malta. Die Schnellfähre ab Pozzallo bringt einen samt Töff in wenigen Stunden 'rüber. Ich finde die Idee, solche Konstellationen zu sammeln, interessant, hab aber die Erfahrung gemacht: der ganz kleinen Insel vor der größeren fehlt meist eine ringförmige Küstenstraße, um sie zu umrunden. Das ist nicht nur auf Malta vor Sizilien so, sondern auch auf Formentera vor Ibiza oder auf Vestmannaeyjar vor Island. Deswegen such ich nicht gezielt danach, sondern sammle Inseln die groß genug sind um sie mindestens einen Tag lang mit dem Motorrad zu umrunden und zu erkunden.
lemmy 03.08.2019
5. Wilde Schönheiten
Ich reise auch am liebsten auf Inseln. Die Faszination liegt irgendwie an meinem Erkundungsdrang und an dem schönen Gefühl, rundum von Meer umgeben zu sein, an jeder Ecke wartet eine neue Bucht. Die schönste, die ich je bereist habe, war Korsika. Eine wirklich wilde Schönheit. Direkt danach kommt Santorin, wohnen direkt über der Kaldera, einfach wunderschön. Ist aber auch schon 15 Jahre her, ob es heute noch so schön dort ist, wage ich zu bezweifeln. Meine enttäuschendste Inselreise war bisher ein Urlaub auf Curacao. Dort entsprach einfach nichts den leeren Versprechungen von Reisemagazinen und Reiseveranstaltern. Aber ich werde ganz sicher noch einige besuchen, die ich noch nicht kenne, ganz sicher auch die liparischen Inseln. Und Neuseeland wird wohl nur ein Traum bleiben, denn den Flug dahin würde ich mit meiner im Alter nicht besser gewordenen Flugangst nicht überstehen.
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