Sabotage im Wald Schwarzwaldverein verurteilt Mountainbiker-Fallen

Im Schwarzwald scheint der ewige Konflikt zwischen Mountainbikern und Wanderern zu eskalieren. Auf einigen Trails der Biker haben Unbekannte gefährliche Fallen aufgestellt. Der Wanderverein vor Ort versucht zu vermitteln.

Mountainbike-Fahrer im Schwarzwald: Gefährliche Fallen auf Trails
DPA

Mountainbike-Fahrer im Schwarzwald: Gefährliche Fallen auf Trails

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Der Baumstamm mit angespitzten Ästen ragte quer über den schmalen Weg im Freiburger Stadtwald. Ein Spieß, vorsätzlich aufgestellt, um den nächsten Mountainbiker, der bergab rast, schwer zu verletzen.

Zum Glück wurde die Falle auf dem "Borderline"-Trail im Freiburger Stadtwald rechtzeitig entdeckt, sagte Ansgar Wasmer vom Verein Mountainbike Freiburg, der die Strecke betreut, dem SWR. Sie war aber nur ein Sabotageakt in einer Serie, die in den vergangenen Wochen im Schwarzwald verübt wurde. Die Fallen - darunter auch Barrieren an unübersichtlichen Stellen - seien so gebaut, dass sie zu schweren bis tödlichen Verletzungen hätten führen können, sagte eine Polizeisprecherin.

Vor zehn Tagen traf es sechs Jugendliche, die bei Oberkirch in der Nähe der Schauenburg mit ihren Rädern unterwegs waren. Auf einem steilen Weg fuhren sie über eine präparierte Baumwurzel, in der mehrere Schrauben mit abgesägten Köpfen steckten - was einige Tage zuvor schon mal passiert war. Verletzt wurde niemand, die Reifen aber waren kaputt. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Sollten es wütende Wanderer gewesen sein, die ihre Wälder für sich beanspruchen? Die genervt sind von Mountainbikern, die zu schnell um enge Kurven rasen? Der Schwarzwaldverein jedenfalls, der sich seit 150 Jahren für Wanderer einsetzt, nimmt dies an und hat auf seiner Hauptversammlung zur Besonnenheit aufgerufen. Der Verein verurteile die Taten, sagte Präsident Georg Keller in Gengenbach.

Wanderer bei St. Märgen: Genervt von Mountainbikern?
AP

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Der Konflikt zwischen Radfahrern und Wanderern dürfe nicht eskalieren, sagte Keller vor den Delegierten. Der Wald sei für alle da, Wanderer könnten ihn nicht wie selbstverständlich für sich alleine beanspruchen. Ziel sei es, sich mit Mountainbikern auf gemeinsame Regeln zu verständigen. Der Verein werde eine Arbeitsgruppe einrichten und das Gespräch mit allen Beteiligten suchen.

Zwei-Meter-Tabu für Mountainbiker

Der Schwarzwald ist beliebt als Freizeitregion - bei Mountainbikern wie auch bei Wanderern. Immerhin fast 24.000 Kilometer Wanderwege sind in Deutschlands größtem Mittelgebirge ausgeschildert, gleichzeitig hat die Region mit 8500 Kilometern das größte ausgewiesene Mountainbike-Wegenetz Europas.

Was den Mountainbikern hier vor allem zu schaffen macht, ist eine Regelung, die der Schwarzwaldverein 1995 für ganz Baden-Württemberg durchgesetzt hat: die Zwei-Meter-Regel. Die Abwärtsradler dürfen nach diesem Paragrafen im Landeswaldgesetz keine Wege nutzen, die schmaler sind - aus Rücksicht auf Wild und Wanderer. Diesen Paragrafen will Keller nicht aufgeben, auch wenn Mountainbiker Freiheit fordern und Tourismusverbänden stöhnen, dass er die Attraktivität der Urlaubsregion beeinträchtige.

"Der Schwarzwaldverein unterstützt jedoch die Ausnahmeregelungen, welche die Forstverwaltung genehmigen kann", lautet Kellers Friedensangebot. Bis zu zehn Prozent des Mountainbike-Netzes soll in den kommenden Jahren auf schmaleren Pfaden, den sogenannten Single Trails, ausgewiesen werden - daran werde sich auch der Wanderverein beteiligen, in dem sich mancherorts auch schon Radgruppen gebildet haben.

Berichte über die angebliche Feindschaft zwischen Bikern und Wanderern hält Wasmer vom Verein Mountainbike Freiburg dann auch für "maßlos übertrieben". Der Schwarzwaldverein und andere Mountainbike-Verbände haben in der Vergangenheit ebenfalls das Ausmaß der Konflikte auf den Wegen relativiert - schlimmstenfalls gebe es mal ein kleines Wortgefecht.

Gegen den unbekannten Täter im Freiburger Stadtwald hat Wasmers Verein Anzeige erstattet. Konkrete Spuren gibt es laut der Polizei nicht.



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