Schweden Der Weihnachtsmann wohnt am Siljansee

Wenn die Tage kürzer werden und das Jahr seinem Ende entgegengeht, hat er Hochsaison - der Weihnachtsmann. Doch wer weiß schon, wo der bärtige Alte im roten Mantel zu Hause ist? Eine heiße Spur jedenfalls führt nach Schweden, wo der Weihnachtsmann Tomte heißt.

Gesunda - Mit der Fähre geht es über die Ostsee, denn obwohl Flugzeuge wesentlich schneller sind, lässt sich nur so die eindrucksvolle Schärenlandschaft der skandinavischen Küste erleben. Von Göteborg sind es noch rund 600 Kilometer Wegstrecke bis ins Tomteland, das im Herzen Schwedens am Siljansee liegen soll.

In Mittelschweden dämmert es um diese Jahreszeit besonders früh und der Schnee rechts und links der Straße hüllt die Landschaft in ein weißes Kleid. Zwar ist er längst nicht so hoch wie befürchtet, dennoch braucht der Bus mehr als sechs Stunden.

Mehrarmige Kerzenständer gehören zur Tradition

In den Fenstern der meist kupferrot gestrichenen Holzhäuser blitzen Lichter auf. Viele fünf- und siebenarmige Kerzenständer sind zu sehen. Der Brauch erinnert an den Schwibbogen aus dem Erzgebirge und tatsächlich hat diese schwedische Weihnachtstradition ihren Ursprung in Deutschland.

Vom Weihnachtsmann fehlt noch jede Spur. Auch das ausladende Geweih eines Elches, der bekanntlich den großen, mit Geschenken beladenen Schlitten ziehen muss, ist in den am Busfenster vorbeihuschenden Wäldern nicht auszumachen.

In eine bezaubernde Berglandschaft eingebettet, präsentiert sich schließlich die Provinz Dalarna am Siljansee. In der letzten Eiszeit war der See noch ein Teil des Binnenmeeres, aus dem sich die Ostsee entwickelte. Vom Gesundaberg, an dessen Fuß der Weihnachtsmann seinen Wohnsitz haben soll, bietet sich eine herrliche Aussicht.

Den Besucher erwartet ein gut ausgebautet Skigebiet

Ein großer Wanderweg führt durch das Gebiet um den See herum. Er ist insgesamt gut 350 Kilometer lang. Auch einen Radweg gibt es. Doch im Winter sind wohl eher Eisfischen, Schlittenfahrten und Skilauf angesagt. Der Anblick der gut präparierten Loipen - das Siljangebiet verfügt über knapp 30 Abfahrten und 22 Skilifte - erinnert daran, dass es sich um die Heimat des Vasalaufs handelt.

Alljährlicher Zielort des Skilanglaufs, der 1922 in Erinnerung an Gustav Vasa ins Leben gerufen wurde und über eine Distanz von rund 90 Kilometern führt, ist die Kleinstadt Mora. Von da war der Adlige aus Uppland nach Sälen geflohen. Nachdem er erfolgreich Krieg gegen den dänischen König Christian II. geführt hatte, wurde Vasa im Jahre 1523 zum schwedischen König gewählt.

Eine Brücke aus Wikingergräbern führt nach Sollerön

Nur sechs Kilometer von Gesunda entfernt führt eine Brücke zur Insel Sollerön, was so viel heißt wie Sonneninsel. Die Brücke soll aus Resten von Wikingergräbern gebaut worden sein, die man um 1921 hier fand. Dass die 50 Quadratkilometer große Insel während der Wikingerzeit eine geschützte Wohnsiedlung beherbergte, ist archäologisch belegt.

Am anderen Ufer des Sees liegt Nusnäs. Dort werden in alter Tradition die inzwischen als Schwedensymbol geltenden hölzernen Dala-Pferdchen geschnitzt und kunstvoll bemalt. In allen Größen und Farben zieren sie in Dalarna Vorgärten und Plätze.

Weiter im Süden des Siljansees, der an einigen Stellen mehr als hundert Meter tief ist, befindet sich Tällberg, einer der populärsten Urlaubsorte im Land. Mitunter ist hier am Straßenrand noch der "Spark" zu sehen, ein für die Gegend typischer Einkaufswagen mit Kufen.

Elfen, Hexen und Trolle in einer bunten Märchenwelt

Auf Kufen ruht auch der von Elchen gezogene Weihnachtsschlitten, der als Nachbildung den Eingang zum Tomteland in Gesunda markiert. Vor gut 20 Jahren hatte sich Tomte alias Nikolaus alias Knecht Ruprecht mit seinen Tieren und den fleißigen Helfern, den Nissen, hier eingerichtet. Ein Rundgang durch die bunte Märchenwelt mit Elfen, Hexen und Trollen gleicht zwar mehr einem Freizeit- und Erlebnisvergnügen, als dass er beschauliche Weihnachtsatmosphäre vermitteln würde, aber die Überraschungen haben es in sich.

Mit Fackeln weisen die Nissen einem den Weg. Wenn dann auch die Abenteuer bei der Schneekönigin überstanden sind, gewähren sie den Besuchern die wohl verdiente Verschnaufpause bei einem Glögg in der Weihnachtsmann-Werkstatt. Sie ist bis unters Dach vollgestopft mit Geschenken, und hier werden die vielen Wunschzettel aus aller Herren Länder bearbeitet und beantwortet. Doch für ein Foto unterbricht Tomte das Geschenkeeinpacken gern. Dann haben auch die Eltern endlich Zeit, im Souvenirladen den Weihnachtssack zu füllen.

Cornelia Höhling,ddp