Schweiz Bergtour mit Schneeschuhen

Wer jetzt noch Schnee sucht, muss nicht weit fahren. Im Schweizer Jura-Gebirgszug dauert die Wintersaison bis in den April. Und mit der richtigen Ausrüstung sind auch steile Hänge kein Hindernis.


Nyon: Die Bahn führt ins Hinterland
DDP

Nyon: Die Bahn führt ins Hinterland

Jalan findet sein Ziel. Der Name sei malayisch und bedeute "der Weg", sagt Barbara Fetz. Der Bordercollie ist immer dabei, wenn sie mit Gruppen im Schweizer Jura-Gebirgszug auf geführte Wanderungen geht. Mitunter verschwindet Jalan im Tiefschnee. Wir dagegen kommen mit unseren Schneeschuhen trittsicher und Kraft sparend vorwärts, ohne allzu tief einzusinken.

Reichlich Schnee bis nach Ostern

Noch hält sich der Schnee in den höheren Lagen der Schweiz. Auch im Jura, dessen höchste Erhebung auf gerade einmal 1718 Meter führt, dauert die Wintersaison in diesem Jahr über Ostern bis weit in den April. Der schweizerische Teil des Jura, der nordwestlich der Alpen beginnt, reicht vom Genfer See bis in die Nähe von Schaffhausen. Bis zum Seeufer ranken sich von den Hügeln Weinreben. Mit 270 Hektar ist die Appellation Nyon der größte Weinberg des Kantons Waadt. Das Klima in der alten römischen Gründung Novidunum ist mit wenig Regen und viel Sonne ideal für den Weinanbau. Zahlreiche malerische Winzerdörfer laden zu jeder Jahreszeit auf ein Probeschlückchen ein.

Am späten Nachmittag geht es los. Die rot-orangen Wagen der Nyon-St.-Cergue-LaCure-Bahn (NSTCM) führen uns ins Hinterland. Die Säulen aus der Römerzeit, die nachts beleuchtet sind, bleiben in Nyon zurück. Die heutige Bezirkshauptstadt des Kantons Waadt steht auf den Fundamenten der ersten römischen Kolonie auf helvetischem Boden, der Colonia Iulia Equestris. Das Römermuseum ist genauso sehenswert wie die Porzellansammlung im viergeschossigen Schlossbau mit den drei mittelalterlichen Rundtürmen. Sie erinnert an die einst hier ansässige Porzellanfabrik und Fayencemanufaktur.

Schneeschuhe: Trittsicher und Kraft sparend
DDP

Schneeschuhe: Trittsicher und Kraft sparend

Mit uns strömen weitere Schneesportler in das 15 Kilometer von Nyon entfernt gelegene St. Cergue. Das malerische Feriendorf öffnet die Tür zu einem großen Skigebiet: Neben 120 Kilometern gespurten Langlaufpisten gibt es ein Alpin-Ski-Areal sogar zum Nachtfahren.

Wir fahren bis zur Bahnstation La Givrine, um von dort in die Berghütte La Genolière auf 1343 Meter zu wandern. Als Belohnung warten lokale Käsespezialitäten wie Fondue, Raclette und die Malakoffs von Eysius oder ein Papet Vaudois aus Lauch, Kartoffeln und Fleisch. "Wer laufen kann, kann auch Schneeschuh wandern", hatte Barbara Fetz gesagt. Selbst steile Hänge tippele man brav wieder hinunter, ohne zu gleiten. Wir geraten trotzdem ins Schwitzen, und das bei minus zwölf Grad Celsius. Dabei sind es nur etwa zwei Kilometer bis zur Hütte.

Stirnlampen weisen den Weg

Inzwischen ist es dunkel. Die Profis - wie unsere Wanderführerin - haben Stirnlampen. Wir stapfen vorwärts und ziehen unsere Spur durch das Weiß. Wie ein Silberteppich mit Diamanten blinkt die Schneedecke im Mondlicht.

40.000 Schneeschuhe will die Schweiz im vergangenen Jahr verkauft haben, erzählt Barbara Fetz. Die Ausrüstung für diese wieder in Mode gekommene Sportart sei leicht und bunt. Da erinnere kaum noch etwas an die mit Schnüren bespannten Holzrahmen, die sich Trapper und Jäger schon vor Jahrhunderten in Nordamerika unter ihre Schuhe schnallten.

Der Waadtländer Jura zeichnet sich durch die Schlichtheit seiner Bergwelt aus und ist sehr leicht erreichbar. Nur 25 Kilometer liegt der internationale Flughafen Genf-Cointrin von Nyon entfernt. Und wandern lässt es sich in der magischen Berglandschaft der Romandie, wie der französischsprachige Teil der Schweiz genannt wird, auch ohne professionelle Ausrüstung. Im Sommer schützen die ausgedehnten Tannenwälder vor großer Hitze. Allein der Jurabalkon bei Ste Croix bietet über 200 Kilometer markierte Wanderwege, darunter auch einen der berühmtesten Europas - den "Jurahöhenwanderweg Nr. 4".

Cornelia Höhling, ddp



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.