Schwimm-Marathon Fährreederei hält Ärmelkanal-Durchquerungen für zu gefährlich

Seit 135 Jahren kämpfen sich Langstreckenschwimmer über den eiskalten Ärmelkanal - die Tradition zieht Wagemutige aus der ganzen Welt an. Doch die französische Küstenwache würde den Extremsport am liebsten ganz verbieten, britische Schwimmervereinigungen protestieren.

Schwimmer im Ärmelkanal: Seit 1875 wagen Extremsportler die Durchquerung
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Schwimmer im Ärmelkanal: Seit 1875 wagen Extremsportler die Durchquerung


London - Mit Schwimmbrille und -anzug, Nasenklammer und Schnorchel ausgerüstet wagen sich Jahr für Jahr mehr Extremsportler über den Ärmelkanal zwischen England und Frankreich. Allein von Ende Juni bis Anfang Oktober dieses Jahres legten 266 Menschen die über 30 Kilometer zurück.

Jetzt ist eine Diskussion um eine strikte Regelung der Durchquerungen entbrannt. Das Schwimmen in der meistbefahrenen Schifffahrtsstraße der Welt sei schlicht zu gefährlich, argumentiert etwa das britische Fährunternehmen DFDS Seaways. Auch bei der französischen Küstenwache regt sich Unmut über die Schwimmer.

Das Fährunternehmen DFDS Seaways plädiert für eine strengere Regulierung der Schwimmer. Im Ärmelkanal sind täglich bis zu 500 Schiffe unterwegs. Von der britischen Küstenwache fordert das Unternehmen, deren Organisation federführend in die Hand zu nehmen. Bisher kümmern sich zwei Vereinigungen um den ordnungsgemäßen Ablauf.

Die französische Küstenwache hatte bereits vor 17 Jahren den Start von der französischen Küste aus verboten, toleriert bislang aber die aus England kommenden Schwimmer. Einem Bericht der BBC zufolge sprechen sich nun jedoch Mitarbeiter für ein Verbot aus. Der stellvertretende Direktor Jean-Christophe Burvingt sagte, er fürchte Unfälle aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens.

Begleitboot für 2250 Pfund

Die Kanalschwimmer verteidigen sich: "Das Schwimmen im Ärmelkanal ist gut organisiert, einen Zwischenfall gab es seit 140 Jahren nicht", sagte Michael Oram von der Kanalschwimmervereinigung CS&PF. Seit 1875, als der britische Kapitän Matthew Webb als Erster die Meeresstraße erfolgreich durchquerte, ist der Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich Anziehungspunkt für Langstreckenschwimmer.

Wer den Versuch wagen will, muss sich bei einer der Vereinigungen anmelden und ein Begleitboot für 2250 Pfund chartern. Die Boote seien bis 2014 ausgebucht, sagte Oram, dadurch würde die Zahl der Überquerungen schon limitiert werden. Denn eine freiwillige Vereinbarung zwischen den beiden Kanalschwimmervereinigungen begrenze die Zahl der Boote. In den letzten vier Jahren seien es nur 250 Überquerungen gewesen.

Ein Sprecher der britischen Küstenwache sagte indes zu, in Zukunft Überfahrten in Badewannen und Tretbooten nicht mehr dulden zu wollen. Das sei "unverantwortlich", sagte er.

abl/dpa



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