Nach Werftpleite "Sea Cloud Spirit" setzt zwölf Jahre nach Kiellegung Segel

Doppelt so viel Segelfläche wie die "Gorch Fock" soll der Luxussegler "Sea Cloud Spirit" bekommen: Der Dreimaster wird 2020 erstmals Kreuzfahrer an Bord nehmen. Schon 2008 begann der Bau.

"Sea Cloud Spirit" (Zeichnung): Jungfernfahrt im August 2020
Sea Cloud Cruises/dpa

"Sea Cloud Spirit" (Zeichnung): Jungfernfahrt im August 2020


Die "Sea Cloud Spirit" hat schon vor dem ersten Tag der Indienststellung Geschichte geschrieben. Am 29. August 2020 soll der 138 Meter lange Dreimaster auf Jungfernfahrt gehen, verkündete Sea Cloud Cruises. Dann ist der Rumpf bereits zwölf Jahre alt.

Für die Hamburger Reederei ist die "Spirit" neben der "Sea Cloud" (1931) und der "Sea Cloud II" (2001) dann das dritte Schiff. Der neue Großsegler wird seit November 2018 bei der spanischen Werft Metalsphips & Docks in Vigo gebaut. Er war dort 2008 bei einer anderen Werft, die aber in die Insolvenz ging, unter dem Namen "Sea Cloud Hussar" auf Kiel gelegt worden.

"Wir hatten daraufhin jahrelang keinen Zugriff auf den Rumpf, haben das Projekt aber nicht aus den Augen verloren", teilte Geschäftsführer Daniel Schäfer mit. Erst nach dem Ende des Insolvenzverfahrens konnte die Reederei im vergangenen Herbst den fertigen, schwimmfähigen Rumpf übernehmen.

Der Neubau "Sea Cloud Spirit" bietet Platz für 136 Passagiere. Von den 69 Außenkabinen haben 25 einen Balkon. Erstmalig auf einem Segelschiff gibt es einen Passagierlift, der die verschiedenen Decks verbindet.

Auf Segeltour von Panama bis Marokko

Der Dreimaster trägt mit rund 4100 Quadratmetern nach Angaben des Unternehmens mehr als doppelt so viel Segelfläche wie das Segelschulschiff "Gorch Fock". Der höchste der drei Masten ist 57 Meter hoch. Gesegelt wird das Schiff von Hand. Der Neubau ist aber auch mit zwei dieselelektrischen Antrieben mit einer Leistung von jeweils 1700 kW ausgestattet und soll ausschließlich mit Marinediesel betrieben werden.

Die Jungfernfahrt soll von Lissabon nach Civitavecchia nahe Rom führen. Bis Ende Oktober 2020 soll das Schiff im westlichen Mittelmeer bleiben und dann zu den Kanarischen Inseln wechseln. Nach einer Atlantiküberquerung vom 9. bis 24. November 2020 wird die "Sea Cloud Spirit" dann laut Plan bis Anfang 2021 in der Karibik und durch den Panamakanal fahren.

abl/dpa



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Hamberliner 13.08.2019
1. Hübsch, aber rückwärtsgewandt
Das Schiff ist sehr schön anzusehen, aber eben ein Traditionssegler. Zukünftige Windpropulsionsanlagen werden nicht von Menschen, sondern von Algorithmen zu entwerfen sein, so dass man nicht fordern, sondern nur vermuten kann, wie sie aussehen werden. So bestimmt nicht, und wie das genauso antiquierte Dynarigg genausowenig. Ein Blick auf moderne Rennyachten, auf die Flügel von Windenergieanlagen, und etwas Verständnis für das Kutta-Jukowski-Profil lässt vermuten, dass eine schoner-artige Anordnung nachgiebiger Profile mit abgerundeter Nase dabei herauskommen könnte. Wie viele Masten und wie angeordnet - da muss man sich vom Algorithmus überraschen lassen. Ebenfalls von Algorithmen wird vor jeder Reise anhand einer Windprognose die Route zu optimieren sein - direkt von A nach B segeln oder das aus dem Bauch zu entscheiden wird nicht die kürzeste Dauer ergeben. Weil sich das alles noch nicht rechnet finde ich es sehr schade, wenn hier eine Möglichkeit ungenutzt bleibt, anstelle von Nostalgiegefühlen die Zukunftsgefühle von Kreuzfahrt-Passagiere zu stimulieren um mit der Kreuzfahrbranche etwas auszuprobieren, das im Container, RoRo- und Bulkerverkehr noch nicht konkurrenzfähig ist, aber im Zuge immer restriktiveren Klimaschutz-Regeln früher oder später konkurrenzfähig sein wird.
hzj 13.08.2019
2. Mir fehlen Angaben über die Kosten!
Damit man auch mal einen Vergleich mit den Renovierungskosten der Gorch Fock ziehen kann. Aber vielleicht wurde die Gorch Fock ja auch als geheimer Hilfskreuzer mit schwerer, aber von außen nicht erkennbarer Bewaffnung umgebaut, damit die Bundesmarine mal wieder ein Schiff auf grosse Fahrt in die Weltmeere schicken kann, das als Segelschiff CO2 neutral unterwegs ist und nicht dauernd wegen Maschinenschadens ausfällt.
Silversurfer2000 13.08.2019
3. Diese Schiffe können alles...
... außer Segeln. Für die Touris an Bord, werden - wenn alles, aber auch wirklich alles stimmt - pseudomäßig einmal alle paar Tage für ein paar Minuten, die Segel hochgezogen. Ansonsten fahren diese Schiffe standardmäßig alleine unter Motor. 2 Gründe: a) für einen echten Segeltrip bräuchten die viel mehr Besatzung, das wäre aber zu teuer, b) Die Schiffe können nur vor dem Wind fahren - und sind auch dann recht langsam. D. h. enge Termine lassen sich unter Segeln praktisch nicht einhalten.
geotie1 13.08.2019
4.
Das wäre mal eine Schiffsreise wert! Nicht diese schwimmenden Großhotels mit allem Drum und Dran. Etwas, wo man den Wasserspiegel nicht aus 30 Meter Höhe sieht, wo einem der Wind um die Nase fährt. Bei meinem Onkel war ich öfters segeln, viel besser, finde ich, als mit so ein Motordröhner zu düsen. War eine schöne Zeit.
stelzerdd 13.08.2019
5. Diese Schiffe können alles..
Zitat von Silversurfer2000... außer Segeln. Für die Touris an Bord, werden - wenn alles, aber auch wirklich alles stimmt - pseudomäßig einmal alle paar Tage für ein paar Minuten, die Segel hochgezogen. Ansonsten fahren diese Schiffe standardmäßig alleine unter Motor. 2 Gründe: a) für einen echten Segeltrip bräuchten die viel mehr Besatzung, das wäre aber zu teuer, b) Die Schiffe können nur vor dem Wind fahren - und sind auch dann recht langsam. D. h. enge Termine lassen sich unter Segeln praktisch nicht einhalten.
Selten soviel Unwissen auf wenigen Zeilen gelesen. Seit Jahren bietet "Star Clippers" echte Segelkreuzfahrten auf vergleichbaren und größeren Neubau-Schiffen an. Unter Segeln sind die Schiffe schneller als mit dem für Ausnahmefällen vorhandenen Diesel-Hilfsantrieb. Für die Segelei wird - soweit mir erinnerlich - pro Mast 1 Besatzungsmitglied gebraucht.
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