Seilbahn-Drama Kabelriss am Zuckerhut

Eine Seilbahn-Panne hat in Rio de Janeiro 60 Touristen über eine Stunde lang um ihr Leben bangen lassen. Seilbahnbetreiber und Bürgermeister schieben sich gegenseitig die Schuld zu.


Rio de Janeiro - Die Touristen saßen in 220 Meter Höhe in zwei Gondeln fest, nach dem eines von zwei Seilen der Bahn zum Wahrzeichen der brasilianischen Metropole gebrochen war. Die Passagiere aus dem In- und Ausland kamen aber mit dem Schrecken davon. Helfer holten sie im Dunkeln mit Leitern und einem Hubschrauber aus den Gondeln.

Seit 90 Jahren befördert eine Seilbahn Touristen zum Zuckerhut
DPA

Seit 90 Jahren befördert eine Seilbahn Touristen zum Zuckerhut

"Unter vielen Touristen in unserer Gondel brach Panik mit Schreien und lautem Heulen aus, aber wir sind ruhig geblieben und betrachten das nun als aufregenden Höhepunkt unseres Besuches", erzählte das Rentner-Ehepaar Joe, 80, und Ellie Garvey, 75, aus Kalifornien.

Rund 350 weitere Touristen, die zum Zeitpunkt der Panne auf halbem Wege zum Zuckerhut an einer Bahn-Zwischenstation auf einem kleineren Berg waren, mussten ebenfalls per Hubschrauber oder mit einem kleinen Fracht-Zug gerettet werden. Herabstürzende Seilteile hatten einen Busfahrer leicht verletzt.

Die Ursache des Unglücks war am Sonntag noch unklar. Die Betreiberfirma "Companhia Caminho Aereo" schließt Sabotage nicht aus. Sie betreibt die Seilbahn seit 90 Jahren, doch lief die Konzession der Stadt Rio im Mai 1999 aus. Das Unternehmen streitet sich seit Monaten mit der Stadt vor Gericht um die Betriebsgebühren bei einer Konzessionsverlängerung. Die Behörden begannen am Sonntag mit den Ermittlungen zur Unfallursache. Das Ergebnis soll in einer Woche vorliegen. Bis dahin werde die Seilbahn stillgelegt.

"Unsere Instandhaltung ist makellos, da kommen natürlich Verdachtsmomente auf", meinte die Sprecherin der Betreiberfirma, Marcia Leite. Sie verwies darauf, dass sich die bislang letzte und leichte Panne mit der Seilbahn 1951 ereignete. Bürgermeister Luiz Paulo Conde entgegnete, die Betreiber pflegten die Gondeln nicht ausreichend. Er werde in dieser Sache Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso einschalten, damit die Konzession neu vergeben werde. "Solche Geschichten sind für das Image und den Tourismus in Rio schädlich", klagte er.



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