Sextourismus in Riga Kampagne gegen One-Night-Stands

"Stoppt den Sex-Terrorismus" - die lettische Hauptstadt Riga startet eine Kampagne gegen ihren Ruf als Bangkok des Baltikums. Im ganzen Land ging es vergangenes Wochenende hoch her. Die Sommersonnenwende ist das populärste Fest der Letten und berüchtigt für eine gewisse Zügellosigkeit.


Plakate in der lettischen Hauptstadt, Spots in Funk und Fernsehen - in Riga hat eine einmonatige Kampagne gegen den Ruf der Stadt als europäische Sexmetropole begonnen. Die Organisatoren der "Stoppt den Sexterrorismus"-Aktion wenden sich an die einheimischen Frauen: Sie würden das Image der Stadt weiter beschädigen, wenn sie sich mit Touristen einlassen, und sollten sich bei One-Night-Stands zurückhalten. "Wir wollen, dass die Letten erkennen, dass es ein Problem gibt", sagt Evita Bille von der zuständigen Werbeagentur Alfa Centrs. "Wir wollen nicht als Ort gesehen werden, wo es billigen Sex gibt. Wir wollen kein Bangkok des Baltikums werden."

Der Ansturm von Sex- und Sauftouristen hat besonders stark zugenommen, seit Billigflieger wie Ryanair die baltische Stadt anfliegen. Gerade unter Briten, die hier billig sogenannte Stagpartys, Junggesellenabschiede, feiern, ist Riga beliebt, was einen Boom an neuen Pubs, Clubs und Striptease-Bars ausgelöst hat. "Es ist so schlimm geworden, dass viele Mädchen sich ängstigen, in die Altstadt zu gehen. Die Touristen nehmen an, dass sie ihnen Geld für Sex geben können", sagt Bille.

Mittsommer-Tanz am Feuer

Vergangenes Wochenende haben die Letten es beim Jani-Fest jedoch selber kräftig krachen lassen. Das ganze Land feiert die Sommersonnenwende alljährlich in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni. Die Letten fahren mit beträchtlichen Vorräten an Bier und Kümmelkäse aufs Land, stecken sich Kränze aus Blumen und Eichenlaub ins Haar, machen Feuer und singen, tanzen und trinken bis zum nächsten Tag.

Nach alten Bräuchen aus vorchristlicher Zeit werden am brennenden Lagerfeuer Gesänge angestimmt, in deren Refrains ständig das Wort "Lîgo, lîgo" vorkommt. Nach alten Überlieferungen brachte der Fruchtbarkeitsgott Jânis dieses Zauberwort zur Erde - als Segen der Felder für eine reichhaltige Ernte.

Regelmäßig wird das Fest wegen Alkoholvergiftungen und außer Kontrolle geratener Lagerfeuer für Rettungssanitäter und Feuerwehrleute zum Großeinsatz. Auch in diesem Jahr hat die Polizei 44.000 Autofahrer kontrolliert und 250 davon wegen Alkohol am Steuer aus dem Verkehr gezogen. Sechs Menschen gelten nach dem feucht-fröhlichen Wochenende noch als vermisst.

abl/sto



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