Ski-Trends Schlangenlook in Schwarzweiß

Das Sportgerät Ski ist schon längst pure Hightech - und das nicht nur für Profisportler. Eine Revolution im Aufbau macht die Modelle der neuen Saison leichter und wendiger, in der Form geht der Trend weg von Carvern hin zu All-Mountain-Modellen.


Carver oder All-Mountain-Modell: Sportliche Fahrer fragen verstärkt gemäßigt taillierte Skier nach
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Carver oder All-Mountain-Modell: Sportliche Fahrer fragen verstärkt gemäßigt taillierte Skier nach

München - Rasante Slalom-Exemplare, extrabreite Freeride-Modelle für wilde Geländeausflüge oder doch lieber ein Paar Allround-Carver? Nicht nur Wintersport-Anfänger macht die Auswahl des passenden Ski-Modells oft ratlos. Auch mancher erfahrene Hobby-Skiläufer kommt angesichts der vielen Typen und Bezeichnungen ins Schleudern. Nachdem die Hersteller in den vergangenen Jahren ihre Programme immer weiter aufgefächert haben, wird die Entwicklung jetzt wieder zurückgedreht. Der so genannte All-Mountain-Ski soll bei fast allen Gelände- und Schneebedingungen eine gute Figur machen.

"Mit stark taillierten Carvern konnte man schön carven, beim schnellen Fahren fingen die Ski aber an zu flattern", beschreibt Michael Krell vom Unternehmen Salomon aus Bergheim (Österreich) das bisherige Problem. "Mit einem Carver kann man zwar tolle Kurven fahren, beim Geradeausfahren hatte er aber Tücken", bestätigt Marko Fedrizzi von der Firma Kneissl aus Kufstein (Österreich).

Entsprechend ist laut Stefan Vollbach vom Hersteller Head aus Kennelbach (Österreich) bei den Verbrauchern die Nachfrage nach gemäßigt taillierten Skiern gestiegen: "Es gibt selbst top-sportliche Fahrer, die mit einem Ski alles möglichst ideal abdecken wollen."

Nicht mehr auf dem Ski, sondern im Ski

"Scrambler 8P" heißt das "All-Mountain-Modell" bei Salomon, beim Hersteller Atomic aus Altenmarkt (Österreich) gibt es die "Multi-Condition"-Modelle in der neuen Linie "Metron". Von "Tout-Terrain"-Skiern wird beim Hersteller Dynamic aus Frankreich gesprochen, und beim Unternehmen K2 in Penzberg (Bayern) soll der "T 9" sowohl Einsteiger wie auch extrem sportliche Fahrer ansprechen.

Damenski von Atomic mit Blümchen und Pastellfarben: Hersteller weiten das Sortiment speziell für Frauen erneut aus
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Damenski von Atomic mit Blümchen und Pastellfarben: Hersteller weiten das Sortiment speziell für Frauen erneut aus

Gemeinsam ist allen Exemplaren, dass sie die Eigenschaften von Pistencarvern mit denen von Tiefschnee-Skiern vereinen. Sie sollen sich den wechselnden Schneeverhältnissen im Laufe eines Tages oder eines ganzen Skiurlaubs anpassen können. Erreicht wird dies durch etwas weniger Taille als bei normalen Carvern und etwas weniger Breite als bei den geländegängigen Freeride-Skiern.

Gearbeitet wurde aber nicht nur am äußeren Erscheinungsbild der Skier. Überwiegend unsichtbar für den Verbraucher hat sich auch das Innenleben verändert. Mit "Power Channels" arbeitet beispielsweise die neue "B5 Ski Technologie" von Atomic: Die Schienen gehen bis in das Chassis des Skis. "Dadurch ist der Skifahrer das erste Mal mit dem Kern verbunden. Ich fahre quasi nicht mehr auf dem Ski, sondern im Ski", erklärt Gerhard Gappmaier von Atomic. Für den Skifahrer bedeute das, dass Kraft und Druck gleichmäßig über den ganzen Ski verteilt werden und weniger Energie aufgewendet werden muss.

Beim Modell "Zenith" von Rossignol mit Deutschlandsitz in Maisach (Bayern) wurden zwei Schienen aus harten Material im Bindungsbereich verbunden. Der Raum dazwischen ist mit "Soft-Material" gefüllt. Der Ski sei dadurch leichter und wendiger als herkömmliche Modelle. Gedacht ist "Zenith" laut Deutschland-Direktor Helmut Bälz für sportliche Fahrer, die "keinen knallharten Rennwagen steuern wollen".

Ski mit Heizung für Frauen

Nochmals ausgeweitet wird zur neuen Saison bei so gut wie allen Herstellern das Sortiment speziell für Frauen. "Frauen sind mit einem Anteil von 43 Prozent am Skisport ein erheblicher Wirtschaftsfaktor", heißt es bei der Messe München, die die Sportartikelmesse Ispo ausrichtet. Mit zunehmenden Fachkenntnissen stiegen bei dieser Zielgruppe auch die Ansprüche. Die Modelle für Frauen zeichnen sich einerseits durch eine weiblichere Optik aus, andererseits durch technische Veränderungen - von erhöhten Bindungsplatten zur besseren Kraftübertragung bis hin zu beheizbaren Skischuhen gegen kalte Füße.

Schlangenski von Indigo: Avantgardistisches Modell mit dreidimensionaler Oberfläche mit Schlangenhaut-Feeling
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Fast immer sind Frauen-Skier leichter als herkömmliche Modelle. So werden etwa die Skier aus der Head-Damen-Serie "Lightning" mit einem speziellen Leichtholzkern ausgestattet. Die Bindungsposition kann zudem nach vorne verschoben werden, was das Drehen erleichtert.

"Balanze" wurde die Frauen-Reihe bei Atomic getauft, die fünf Modellvarianten von Anfängerinnen bis zu sehr sportlichen Fahrerinnen umfasst. Die passenden Skischuhe verfügen neben Damenleisten über bereits eingebaute Vorrichtungen zum Anschließen eines Heizelements. Bei Rossignol wird für besonders kälteempfindliche Frauen sogar ein Skischuh mit Daunenfutter angeboten. Passend zur Skimode-Kollektion entwarf der französische Designer Jean-Charles de Castelbajac für Rossignol außerdem einen trendigen Damen-Ski - allein von technischen Daten lassen sich dann doch die wenigsten Frauen zum Kauf verleiten.

Männer stehen auf Retro-Look

Mit einer "Crystal edition" sollen Skifahrerinnen bei Kneissl angelockt werden. Die Oberfläche der Nobel-Kollektion wurde gemeinsam mit dem Unternehmen Swarowski entwickelt: "Für die Serie wurden Kristalle im Lack verarbeitet", erklärt Marko Fedrizzi. Das Ergebnis ist ein Glitzereffekt, dem auch rasante Abfahrten nicht schaden sollen. Rund 1200 Euro kostet ein Paar der Kristall-Skier, die Fedrizzi "fast als Sammlerstück" bezeichnet.

Luxus-Bretter von Willy Bogner: Paket aus Skiern, Stöcken, Rucksack, Skitasche - und Diebstahlversicherung
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Luxus-Bretter von Willy Bogner: Paket aus Skiern, Stöcken, Rucksack, Skitasche - und Diebstahlversicherung

Aber auch die Männer lässt das Aussehen ihres Skis längst nicht mehr völlig kalt. Im Trend liegen bei ihnen Modelle im Retro-Look. Passend dazu legt der Hersteller Fischer aus Ried (Österreich) in diesem Winter den "Franz-Klammer-Ski" C4 von 1974 neu auf. Wie vor 30 Jahren leuchtet die Oberfläche in Orange, Blau und Weiß. Technisch ist der C4 jedoch auf den neuesten Stand gebracht worden, versichert Martina Spieler von Fischer. Avantgardistisch in Schwarz oder Weiß gibt sich dagegen der "Schlangenski" des Unternehmens Indigo aus München. Der handgefertigte Ski wurde mit einer dreidimensionalen Oberfläche versehen, die sich wie Schlangenhaut anfühlt.

Auf betuchte Wintersportler mit Sinn für das Außergewöhnliche zielt die Firma Bogner aus München mit ihrem "Natural-Hightech"-Ski ab, einer Kombination aus modernsten Materialien und Bambusholz für den Kern und die Oberfläche. "Grundidee ist es, etwas zu machen, was einem Top-Sportwagen entspricht", sagt Firmenchef Willy Bogner. Das zunächst auf 2000 Paare limitierte Modell wird im Paket mit Stöcken, Rucksack, Skitasche und einer Diebstahlsversicherung angeboten - bei einem Preis von rund 2000 Euro sicherlich ein nützlicher Service.

Von Sandra Cantzler, gms



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