Skifahrer und Snowboarder Experten fordern Helmpflicht für alle

Ärzte, Versicherer und die Bergwacht verlangen eine generelle Helmpflicht für alle Wintersportler. Es gebe jedes Jahr Tausende Kopfverletzungen auf Skipisten. Skihelme würden das Verletzungsrisiko erheblich mindern.


München - In Italien besteht schon seit 2005 Helmpflicht auf Skipisten - freilich nur für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren. Wer ohne Kopfschutz erwischt wird, muss Strafe zahlen. Mittlerweile tragen auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz viele Kinder einen Helm, jedoch nur relativ wenige Erwachsene.

Skiprofi Hermann Maier: Unter Profisportlern ist der Helm längst Pflicht, für Gelegenheitsfahrer nicht.
DPA

Skiprofi Hermann Maier: Unter Profisportlern ist der Helm längst Pflicht, für Gelegenheitsfahrer nicht.

Übereinstimmend fordern Ärzte, Versicherer und die Bergwacht eine Helmpflicht für Wintersportler. "Ich bin der Überzeugung, dass dadurch schwerwiegende Unfälle vermieden werden könnten", sagte Rolf-Dieter Winkler, Landesleiter der Bergwacht im Fichtelgebirge. Der Gesetzgeber werde um die Einführung der Helmpflicht letztlich nicht umhin kommen. Wenn es auf Pisten zu Kopfverletzungen komme, seien es bei Sportlern ohne Helm meistens schwere Schädel-Hirn-Verletzungen, sagte Forster.

Auch der Deutsche Skiverband (DSV) unterstützt die Forderung einer generellen Helmpflicht für alle Skifahrer. "Wir registrieren jeden Winter an die 6000 Kopfverletzungen", sagte DSV-Sicherheitsexperte Andi König dem Magazin "Focus". Mehr als 80 Prozent davon könnten durch einen Helm vermieden werden. Der Kopfschutz sei zudem angenehmer zu tragen als eine Mütze.

Die Zahl der Wintersportunfälle in Bayern ist in dieser Saison stark gestiegen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Wir fliegen mit mehreren Hubschraubern täglich vier bis fünf Einsätze mit schwer verletzten Ski- und Snowboardfahrern", sagte Herbert Forster, Unfallchirurg der Bergwacht in Immenstadt. Die hohe Geschwindigkeit auf den gut präparierten, aber oft beinharten Pisten sehen alle Experten als Ursache für die gestiegenen Unfallzahlen.

Auf den Kunstschneepisten komme es bei Skifahrern zu Unterschenkelfrakturen und Knieverletzungen, bei den Snowboardern seien es vor allem Schulter- und Handgelenkverletzungen. Noch lägen keine genauen Zahlen vor. Der Zuwachs im Vergleich zu früheren Jahren liege in einigen Regionen aber schon jetzt bei rund 20 Prozent.

Mehr Unfälle auf Pisten als auf Straßen

Auch in Österreich wird wegen des frühen Schneefalls mit mehr Wintersportunfällen gerechnet: In der vergangenen Saison zählte das Kuratorium für Verkehrssicherheit 59.100 Ski- und Snowboardunfälle, die Schätzung für dieses Jahr liegt bei 60.000. Nach Berechnungen der Wiener Zeitung "Der Standard" verunglücken in Österreich inzwischen mehr Menschen an verschneiten Berghängen als auf der Straße.

Dramatisch haben die Rodelunfälle in den Wintersportgebieten zugenommen. "Die Schlitten sind inzwischen schnelle Geschosse, mit denen auch Erwachsene auf steilen, schnellen Rodelpisten zu Tal rasen", sagte der Marktoberdorfer Sportarzt Claus Huyer. Auf den Rodelhütten werde vor der Abfahrt am späten Nachmittag oft kräftig Alkohol getrunken, dann komme es zu vielen Unfällen mit zum Teil schweren Wirbelsäulen- oder Knieverletzungen.

Inzwischen haben die Wintersportunfälle mit Schwerstverletzten eine ähnliche Dimension wie bei Motorradunfällen im Sommer erreicht, erklärt Ruprecht Beickert von der Unfallklinik Murnau. Die Zahlen würden kontinuierlich zunehmen. Dazu gehörten Rippenbrüche und schwere Gesichtsverletzungen. Immer mehr Ski- und Snowboardfahrer tragen deshalb zum Schutz Rückenprotektoren unter ihrem Anorak. "Die Skifahrer sehen dann Eishockeyspielern immer ähnlicher, aber es hilft gegen Rippenbrüche", sagt Huyer, langjähriger ärztlicher Betreuer von Eishockeymannschaften.

hda/dpa/ddp



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