Skikauf per Internet Biete Board, kaufe Carver

Eine Skiausrüstung ist teuer, und wenn der Ausflug in den Schnee nur zwei Wochen im Jahr dauert, will die Investition in Ski, Snowboard, Schuhe und Stöcke gut überlegt sein. Im Internet ist das ein oder andere Schnäppchen zu machen - falls der Käufer einige Tipps beachtet.


Skirausch: Der Winterurlaub ist ein teures Vergnügen
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Skirausch: Der Winterurlaub ist ein teures Vergnügen

München - Eine Skiausrüstung ist nicht billig - und in Zeiten, in denen Geiz "geil" ist, werden die verschiedensten Quellen angezapft, um Bretter und Schuhe zu einem günstigeren Preis zu bekommen. Wer sich im Internet nach gebrauchtem Material umschaut, sollte allerdings mit Vorsicht zu Werke gehen. Wenn der Ski älter ist, habe er meist Spannung verloren und nicht mehr so guten Kantengriff, sagt Christian Penning, Chefredakteur des in München erscheinenden "Skimagazin".

Penning rät, sich vor der Suche im Netz über das Material zu erkundigen und Testberichte zu studieren oder - im Idealfall - einen bereits bekannten Ski zu nehmen. "Man sollte sich gut auskennen und wissen, was man will", sagt Penning. Abstand ist besonders bei vermeintlichen Schnäppchen geboten, die zwar billig, aber oft sehr alt sind.

"Viele Leute verkaufen ihre konventionellen Ski, die noch nicht über die Taillierungsmaße heutiger Carving-Ski verfügen", sagt Veit Senner, Sportwissenschaftler an der Technischen Universität München und Experte für Sportgeräte. Damit macht das Skifahren nicht nur weniger Spaß, "sondern man fährt schlichtweg eine Klasse schlechter".

Zudem ist, so haben zahlreiche Studien bewiesen, das Verletzungsrisiko höher als mit den Carvern. Ein weiteres Risiko liegt darin, dass ein Ski nicht zum Fahrstil oder Können des potenziellen Käufers passt. "Eine objektive Beratung ist beim Kauf von Second-Hand-Skiern eher unwahrscheinlich", sagt Senner.

Die Hälfte der eBay-Skiangebote ist gebraucht

Beim Portal "snow-online.de", einem Start-up-Projekt dreier Studenten der Universität Frankfurt, arbeitet man derzeit an einer Skidatenbank, die herstellerunabhängig informiert. "Da gibt es alle Daten und die früheren Preisempfehlungen", sagt Stefan Knop, einer der Gründer. Doch Information ist nicht alles - über das Portal kann auch Material gekauft werden. "Wir arbeiten mit einem Sportfachhändler zusammen, dessen Ausrüstung wir verkaufen." Second-Hand-Angebote sind ebenfalls auf der Seite zu finden: "In der Skibörse können Nutzer ihre gebrauchten Sachen anbieten oder gezielt suchen", so Knop.

Snow-online.de: Herstellerunabhängige Informationen in moderierten Foren
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Nicht nur über "snow-online.de" kann ausrangiertes Material an den Mann gebracht werden - auch bei eBay. "Marken sind besonders angesagt in der Kategorie Sport - dies trifft auch für den Skibereich zu", sagt Pressesprecherin Maike Fuest in Dreilinden bei Berlin. Die Hälfte der Bretter-Angebote sind gebraucht, den größten Anteil haben die Allround-Carver, gefolgt von Race- und Slalom-Carvern.

Nach dem umgekehrten Bieter-Prinzip funktioniert die Skibörse "uprice.de". Der Verkäufer legt verdeckt einen Preis fest, der Interessent nennt die Summe, die er zu zahlen bereit ist. Decken sich die Preise oder bietet der Käufer mehr, kommt das Geschäft zu Stande. Aus Österreich kommt "gebrauchtski.at", über die ein Skiverleiher aus Tux Bretter verkauft.

Wichtig für den Verkaufserfolg sind laut Knop Alter und Zustand der Bretter, und die Präsentation im Netz. Er hat festgestellt, dass "die langen Latten nahezu unverkäuflich" sind. Bei neueren Modellen muss man "auf Abnutzung, Belag und Kanten achten". Weniger aussagekräftig sind Angaben wie "nur eine Saison gefahren". "Wenn ein Privatmensch eine Saison fährt, nutzt er die Ski höchstens zwei Wochen", sagt Knop. Sind die Skier allerdings im Verleih gewesen, wurden sie den ganzen Winter von verschiedensten Fahrern genutzt.

Senner weist darauf hin, dass es nicht nur auf grobe Schäden ankommt, sondern auch auf kleine Dinge: "Ausgetrockneter Belag stellt ein Risiko dar, ein stumpfer Ski dreht schlechter." Hinzu komme, dass der Ski meist ohnehin zum Service gebracht werden muss. "Der kostet noc hmal zwischen 20 und 40 Euro."

Skischuhe sind dem Erstbenutzer treu

Ebenso wichtig wie die Bretter ist die Skibindung. "Eine mehrere Jahre alte Bindung kann noch funktionieren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie es nicht tut, ist sehr groß." Der Transport auf dem Autodach oder die Lagerung in feuchten Kellern führt zu Korrosion und "damit zu unkorrekten Auslösewerten". Dadurch kann es passieren, dass ein Sporthändler die Bindung nicht mehr richtig einstellen kann. "Ohne eine Überprüfung auf die Piste zu gehen, ist grober Leichtsinn", sagt Senner.

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Schwierig und mitunter ein Sicherheitsrisiko ist der Kauf gebrauchter Skischuhe: "Sie passen sich durch die Wärme an den Fuß an", erläutert Redakteur Penning. Dadurch sitzen Stiefel, die beim Anprobieren im Geschäft leidlich bequem waren, nicht mehr so gut, wenn sie schon jemand anders getragen hat. "Skischuhe sind eben keine Straßenschuhe", sagt Senner. Besonders, wenn die Schuhe zu groß gekauft werden, geht Kontrolle über den Ski verloren. Ein weiteres Problem ist der Verschleiß der Sohlen etwa durch Gehen außerhalb des Schnees. Auch hier kann es passieren, dass Schuhe nicht mehr an die Bindungen angepasst werden können.

Offenbar sind aber Skischuhe ohnehin nicht die Objekte der Begierde bei den Internet-Händlern: Bei eBay etwa sind nur rund 25 Prozent der verkauften Skischuhe gebraucht, der Rest ist Neuware. Auch Stephan Knop von "snow-online.de" hat die Erfahrung gemacht, dass Skischuhe eher neu gekauft werden, während bei Skiern durchaus die Second-Hand-Angebote in Augenschein genommen werden.

Von Verena Wolff, gms

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