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Bahn-Reisepannen: Sänk ju vor träwelling!

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Skurrile Bahn-Erlebnisse "Meine Damen und Herren, wir haben uns verfahren!"

Brüllende Kinder, Pannen bei Durchsagen, Stilblüten auf Englisch: So manche Bahnfahrt bleibt durch amüsante oder nervige Zwischenfälle unvergesslich. Auch Leser von SPIEGEL ONLINE haben jede Menge Absurdes erlebt - von "planmäßigen Verspätungen" bis zu Begegnungen mit Brezel-Fabelwesen.

Hitzechaos, Achsenprobleme, überfüllte Züge: In diesem Jahr war die Deutsche Bahn immer wieder für negative Schlagzeilen gut. Doch manches Verspätungschaos hatte auch etwas Positives - weil man hinterher verrückte Anekdoten zu erzählen hatte. Und manche Bahnfahrt wird durch (teils unfreiwillig) komische Durchsagen zum echten Vergnügen.

Ein paar Lacher weniger dürfte es allerdings in Zukunft geben, weil die Bahn die Zahl ihrer englischsprachigen Durchsagen verringern wird. Die soll es künftig nur noch an den zehn größten Bahnhöfen geben. Genervte Vielfahrer wird es freuen, andere werden bedauern, dass damit ein Stück Bahn-Kultur verloren geht. Denn zumindest das obligatorische "Sänk ju vor träwelling wis Deutsche Bahn" gehört doch eigentlich zu dem glücklichen Moment dazu, wenn man endlich am Zielbahnhof angelangt ist.

Weil also das Kulturgut Zugdurchsage in Gefahr ist, wollen wir dringend noch einmal die besten Anekdoten sammeln. Hier berichten Leser und SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter von ihren skurrilsten Momenten auf Zugreisen. Haben Sie auch mal eine Bahnfahrt erlebt, die Sie nie wieder vergessen werden? Schicken Sie Ihre Anekdoten an spon_reise@spiegel.de !

Planmäßige Verspätungen und Knutschverbot

Ich saß im Regionalexpress nach Münster, als nach dem Pfiff des Schaffners die Zugtüren einfach nicht schließen wollten. Nach zwei Minuten tönte eine Lautsprecherdurchsage durch sämtliche Abteile: "Wenn ihr zwei Turteltauben in der Tür jetzt nicht aufhört mit eurer Abschiedsknutscherei, dann dauert es für alle anderen Reisenden länger, bis sie endlich zu Hause sind und selber knutschen können. Deshalb Schluss jetzt!" Danach kam ein puterrotes Mädchen ins Abteil und setzte sich kommentarlos hin.

Kathrin Breer, Münster

Auf einer Bahnfahrt von Kassel nach Frankfurt. An einem Sonntagabend, an dem Bauarbeiten auf der Strecke stattfanden, sagte der Zugbegleiter Folgendes: "Sehr geehrte Fahrgäste! Ab jetzt sind keine planmäßigen Verspätungen mehr eingeplant."

Marcel Leßmann

Der kleine Finger am Abzug drückt ab, die Pistole knattert, ihr Gehäuse blinkt dabei blau und rot. "Ball her!", brüllt das Kind in mein Ohr, ihm ist ein Plastikball runtergefallen und zu meinem Platz im Großraumwagen gerollt. Ich gebe ihm sein Spielzeug. Statt sich zu bedanken, beginnt der Junge nun, an meiner Rückenlehne zu rütteln. Ich drehe mich um: "Würdest Du jetzt bitte meinen Sitz und mich in Ruhe Zug fahren lassen?"

Seine Kulleraugen blitzen, und die Mutter der Nervensäge ist empört: "Na hören Sie mal, er ist doch noch ein Kind! Stellen Sie sich bitte nicht so an…!" Die nächsten Minuten knattert die Knarre weiter, dazu kreischt das Kind vor Vergnügen.

Doch plötzlich wird er abgelenkt, denn seine Mutter packt ein Stück Schokolade aus. "MAMA! Du willst doch ABNEHMEN!", krakeelt der Sohnemann, so dass es der ganze Waggon hören kann. "Thomas, jetzt hör' aber auf!", faucht die Mutter. Ich drehe mich um und sage mit einem Lächeln: "Jetzt stellen Sie sich doch nicht so an, er ist doch noch ein Kind!"

Frauke Lüpke-Narberhaus, Hamburg

Ansage in einem ICE: "Zwischen Kassel und Göttingen kommt jetzt gleich unsere Brezelfee!"

Stefan Plöchinger, Hamburg

"Die Fahrkarten sind unschuldig!"

Nachts auf dem Weg von Bielefeld nach Köln/Bonn Airport: Der ICE hielt kurz hinter Köln im Dunkeln auf freier Strecke. Es gab ein aufgeregtes Gerenne des Personals durch den Zug und schließlich die verblüffende Durchsage: Der ICE habe sich verfahren. (Es war ja auch richtig dunkel!) Der Zug fuhr erst ein paar Minuten rückwärts, dann wieder vorwärts. Schließlich kam er doch noch am Flughafen-Bahnhof mit etwa eineinhalbstündiger Verspätung an. Den Flieger haben wir zum Glück noch erreicht.

Peter Allgöwer, Bielefeld

In einem Intercity, in der Nähe von Nürnberg: Zunächst kam die Durchsage auf Deutsch mit deutlich bajuwarischem Zungenschlag: "Wochenendtickets sind in diesem Zug nicht gültig." Dann die beruhigende englische Übersetzung: "Ze Weekend tickets in zis train are not .. äh .. guilty" ("Die Wochenendtickets in diesem Zug sind unschuldig").

Tim Romberg

An einem Samstag im April, am Ende der Osterferien, wartete ich mit meinen drei Kindern in Hamburg auf einen Zug nach Bonn. Wir hatten eine Reservierung für Wagen Nummer acht, doch bei der Einfahrt zeigte sich, dass genau der aus unerfindlichen Gründen fehlte.

In Wagen Nummer sieben, der natürlich völlig überfüllt war, betrieben wir in den nächsten Stunden von Halt zu Halt munteres Stehplatz-Hopping. Meine Tochter im Teenageralter und ich teilten uns schließlich und nach zwei Stunden Fahrzeit einen Sitzplatz (immerhin hatten wir einen ergattert!), mein zwölf- und mein sechsjähriger Sohn zunächst ebenfalls. Doch der sehr mitteilungsfreudige Jüngste bevorzugte recht bald den Schoß eines wildfremden Asiaten, der neben den beiden Jungs saß - ich war umzingelt von stehenden Fahrgästen und konnte ihn nicht zurückhalten.

Der arme Vietnamese hatte vermutlich die ganze Nacht gearbeitet - so sah er jedenfalls aus, denn ständig fielen ihm die Augen zu -, und wollte im Zug nur noch schlafen. Aber mein Kleiner kannte keine Gnade, zog sein buntes Seeräuberheft hervor und begann, dem Mann, der übrigens kaum Deutsch konnte, die Geschichte vorzulesen. Man muss wissen, dass unser Jüngster damals seit ungefähr drei Tagen zu lesen begonnen hatte, doch der Mann war zu müde, um sich zu wehren. "D-e-rr S-e-e-r-e-u-b-e-rrr...", für den ersten Satz brauchte mein Junge ungefähr fünf Minuten. Auch mein Großer erkannte, dass von dem Sitznachbar wenig Gegenwehr zu erwarten war, erspähte und erbat dessen Handy und spielte erst mal bis Duisburg die Batterie leer, da stieg der Mann dann aus.

Erst in Düsseldorf wurde der Zug deutlich leerer - nach knapp fünf Stunden Fahrzeit hatte endlich jeder von uns einen eigenen Sitzplatz.

Claudia Sica

"Da liegt eine Leiche auf den Schienen!"

Wenn es wegen eines Suizids auf den Gleisen zu Verzögerungen kommt, ist normalerweise ganz sachlich von einem "Unfall mit Personenschaden" die Rede. In einem Intercity hielt sich eine Zugchefin auf der Strecke zwischen Hamburg nach Bremen nicht daran und sagte durch: "Da liegt eine Leiche auf den Schienen!" Im Großraumwagen waren einige entsetzte Schreie zu hören.

Denis Krah, Hamburg

In Hannover fragte eine alte Dame am Bahnsteig den Bahn-Bediensteten: "Entschuldigung, gibt es hier eine Telefonzelle?" Darauf der Bahn-Mensch: "Ja, da hinten, sehen Sie dieses hässliche magentafarbene Ding in der Farbe Ihrer Jacke?"

Yassin Musharbash, Berlin

Der letzte ICE des Tages zwischen Berlin und Frankfurt am Main hatte Verspätung, über den Lautsprecher kam die Entschuldigung: "Blies abbolloscheiß for any ingonwienienz." - Es war melodischstes Sächsisch, und ich konnte fühlen, wie wenig Mühe sich die Sprecherin gab, ihre Lippen und Zähne dabei auseinander zu nehmen. Aber wenigstens hat sie sich im Namen der Bahn "abbolloscheißt".

Christina Werchan

Ich hatte einmal das "Vergnügen", im ICE von München nach Augsburg Zeuge folgender Durchsage zu werden: "Verehrte Reisende, aufgrund persönlicher Gründe bleibt das Bord-Restaurant wieder einmal geschlossen."

Klaus Prommersberger, Dietikon, Schweiz

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