Slowenien Kanus geraten in Turbinenschacht - viele Tote

Bis zu 13 Paddler starben, eine Frau überlebte unverletzt: Auf der Save in Slowenien endete eine gemütliche Kanutour in einer Tragödie. Zwei Boote kenterten im starken Sog eines Wasserkraftwerks und zerbrachen im Turbinenschacht.


Ljubljana - Ein Kanu-Unfall auf der Save in Slowenien hat bis zu 13 Menschen das Leben gekostet. Zwei Plastikboote mit je sieben Kanufahrern an Bord waren am Donnerstagabend an einem noch im Bau befindlichen Wasserkraftwerk bei Sevnica gekentert und auseinandergebrochen. Fast alle Insassen wurden von mächtigen Strudeln in einen Turbinenschacht gezogen und ertranken. Die Turbinen selber waren noch nicht in Betrieb.

Bis Freitagnachmittag konnten zunächst sieben Leichen geborgen werden. Fünf Menschen gelten noch als vermisst. Für sie ist die Überlebenschance nach Angaben der Experten gleich null. Zwei der Kanufahrer konnten sich nach dem Unfall an Land retten: Eine Frau war unverletzt, der andere Paddler starb im Krankenhaus.

Bei den Toten handelt es sich um führende Lokalpolitiker und Unternehmer der Gemeinde, die Bürgermeister Kristijan Janc zu dem Ausflug unter dem Motto "Die letzte Fahrt" eingeladen hatte. Die Teilnehmer wollten kurz vor der Fertigstellung des neuen Wasserkraftwerks noch einmal den natürlichen Verlauf der Save genießen, berichteten die Medien. Sie waren mit vier Booten unterwegs: Zwei der vier Boote stoppten vor dem Damm, die anderen beiden setzten die Fahrt fort, teilte ein Polizeisprecher mit.

Bergungsarbeiten unter schwierigen Bedingungen

Der slowenische Fernsehjournalist Goran Rovan, der Augenzeuge des Unglücks wurde, sagte der Nachrichtenagentur STA, die Insassen der Kanus seien in den Fluss gefallen und von den Stromschnellen unter Wasser gezogen worden, in Richtung der Turbinen. Das Fernsehen zeigte Amateuraufnahmen, auf denen zu sehen war, wie sich die Boote dem Damm nähern, dann folgten Schreie. Keiner der Fahrgäste trug eine Schwimmweste.

Die Rettungsarbeiten gestalteten sich wegen der starken Strömung äußerst schwierig. Am Freitag waren mehr als 15 Polizeitaucher sowie Mitarbeiter des Katastrophenschutzes und der Feuerwehr im Einsatz. Ihnen gelang es aber nicht, weitere Opfer zu bergen. Regenfälle mit schlechter Sicht machten die Suche fast aussichtslos, hieß es. Wahrscheinlich seien die übrigen Leichen inzwischen flussabwärts ins benachbarte Kroatien getrieben worden, sagte die Polizei.

Der slowenische Staatspräsident Danilo Türk und Regierungschef Janez Jansa besuchten die Unfallstelle, rund 90 Kilometer südöstlich von Ljubljana, und zeigten sich geschockt. "Es ist eine unfassbare Tragödie", sagte Jansa.

abl/AP/dpa



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