Solartaxi in Australien Kängurus und Kohlekraft

Auf der Suche nach Lösungen gegen die globale Erwärmung besucht Louis Palmer mit dem Solartaxi ein riesiges Kohlekraftwerk. Dort wird er von einem Direktor empfangen, der eigentlich ein Fan von Solarenergie ist.


Schwarze Schwäne, Kängurus und Pelikane sind ständige Begleiter unserer Reise durch Australien. Es ist die einzigartige Tierwelt, die während der langen Distanzen für die willkommene Abwechslung sorgt. Dass immer wieder mal Kängurus vor dem Auto herhüpfen, daran haben wir uns schon fast gewöhnt.

Doch dass wir in der Bucht von Merimbula fast eine Stunde lang die Unterhaltung einer Gruppe Delfine genießen können, grenzt schon an ein Wunder. Und wieder auf dem Highway, da begegnet uns ein Wombat, der uns kaum zur Kenntnis nimmt. Zum Schluss rennt ein Leierschwanz vor uns über die Straße, und wir sind froh über gute Bremsen.

Die Straße führt rauf und runter, durch endlosen Wald. Die Sonne lacht wieder, und wir drehen den Motor auf. Doch in der ersten größeren Ortschaft namens Brainsdale müssen wir zum TÜV, denn wir sind nun im Bundesstaat Victoria, und jeder Staat fordert seine Abgabe, gut 20 Euro für eine obligatorische Personenschutzversicherung. Das Solartaxi stellen wir über den Mittag bei der Feuerwehr ein, und Kommandant Allen begleitet uns mit Blaulicht zur Stadt raus. "Wir hatten jetzt fünf Jahre lang fast keinen Regen, dafür viele Waldbrände", meint er zum Thema globale Erwärmung, um hinzuzufügen: "Brände gab es schon immer."

Dringendes Problem: CO2

Auf der Suche nach Lösungen gegen den Treibhauseffekt fahre ich mit einem etwas komischen Gefühl nach Morwell, um über den größten Klimakiller, die Kohle, etwas mehr zu erfahren. Dort steht das größte Kohlekraftwerk der südlichen Hemisphäre. Und dies ist nicht irgendein Kraftwerk: Unter mir befindet sich das zweitgrößte Braunkohlefeld der Welt, und hier wird 53 Prozent des australischen Stroms hergestellt - aus täglich 60.000 Tonnen Kohle. Ian, der Direktor des Besuchszentrums, ist über meinen spontanen Besuch hocherfreut. Und er gibt ohne zu zögern sofort zu: "Ja, der Kohleabbau ist sehr billig. Und wir filtern Schwefel und Asche aus den Abgasen - da kommt nur noch Wasser raus und CO2. Das CO2 ist unser Problem."

In der Tat: So viel ich weiß, stammt weltweit etwa ein Viertel des Klimagases CO2 aus Kohle, das für die Stromgewinnung verbrannt wird. Ob es denn dafür eine Lösung gebe, will ich wissen. "Wir arbeiten hart daran. Wir müssen eine Lösung finden. Wir können bereits Kohle in Gas umwandeln. So könnten wir den CO2-Ausstoß um ein Viertel verringern." Doch reicht das? "Natürlich nicht, wir müssen noch viel weiter runter mit den Emissionen. Unsere Leute sind auch dran, um eine Lösung zu finden, wie das CO2 verflüssigt und dann unter der Erde gelagert werden kann. Aber niemand weiß, ob uns das gelingen wird." Ich gebe mich damit nicht zufrieden. "Und was, wenn das nicht gelingt?", will ich wissen. "Dann werden wir über kurz oder lang das Kraftwerk schließen müssen."

Arbeiten im Kohlekraftwerk, Wohnen im Solarhaus

Ich bin sehr erstaunt über die Antwort von Ian. Wird Australien nun doch noch zum Musterknaben in Sachen Klimaschutz? Ian jedenfalls ist ein großer Fan von Sonnenenergie und erzählt voller Stolz, dass er gerade ein neues Haus baut, "voll solar". Ian begleitet mich rund um das Bergbaugebiet bis in die Stadt, in der er wohnt. Das ist die australische Lebensart, einfach freundlich und hilfsbereit.

Mein nächstes Ziel: Philipp Island. Jenny und Peter erwarten uns. Jenny ist Tierärztin und hat schon manchem der hier wohnhaften Pinguine das Leben gerettet. Als wir mit der Familie die weltberühmte "Pinguin Parade" besuchen, trifft uns fast der Schlag. Jeden Abend kommen hier nicht nur rund 1000 Pinguine zum Wasser raus - sondern auch doppelt so viele Zuschauer, um in einer Art Arena die niedlichen Pinguine zu sehen. Trubel fast wie im Disneyland. Diese Insel ist die letzte Zwischenstation vor Melbourne. Vielleicht werden wir uns in Melbourne ebenso wie die Pinguine vorkomme, denn wir vier werden am Sustainable Living Festival erwartet - von 120.000 Besuchern.



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