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Südeuropa: Reiseziele mit Sonnengarantie

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Bloß weg Deutsche Urlauber fliehen vor Regensommer

Der maue Sommer in Deutschland lässt Urlauber in Scharen ans Mittelmeer fliehen: Reiseveranstalter freuen sich über stark ansteigende Buchungen und erhöhen ihre Flugkapazitäten. Die Zahl der Last-Minute-Schnäppchen dagegen ist gering.

Berlin - Es ist ja auch zum Verzweifeln. Auf Usedom fällt das Freilufttheater ins Wasser, St. Peter-Ording meldet Hochbetrieb - im Hallenbad, und in die Bahnstrecke nach Sylt schlägt der Blitz ein. Das Urlaubsland Deutschland zeigt sich derzeit wahrlich nicht von seiner besten Seite. Athen dagegen hat gerade die Akropolis gesperrt - wegen Hitze, 42 Grad! Wer jetzt noch nicht gebucht hat, für den ist oft klar, wo die Reise hingeht: in den sonnigen Süden.

Die Deutschen rennen Reisebüros und -veranstaltern die Türen ein. Die heimischen Ferienziele dagegen hoffen nur eins: Wenn auch im letzten Bundesland Ferien sind, muss der Sommer da sein.

"Kurzfristige Anfragen bleiben aus", heißt es etwa auf Föhr (Vorhersage für Samstag: 16 Grad, Schauer). Nur wer sich schon lange festgelegt hat, fährt natürlich meist in den gebuchten Urlaub. Diesen Gästen empfiehlt die Tourismusagentur dann Museumsführungen, Töpferkurse und Mühlenbesichtigungen: Hauptsache im Trockenen. In der Warteschlange vor dem Aquarium von Timmendorf (18 Grad, Wolken) verteilen die Betreiber Bonbons als Nervennahrung.

Hochbetrieb unterdessen auf dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt: "Es ist sehr voll", sagt Sprecherin Jana Schwab. Schon der Juni sei ein Rekordmonat gewesen. TUI Deutschland, Thomas Cook und Rewe hatten erst kürzlich gestiegene Buchungen gemeldet, nun schlagen auch die Kurzentschlossenen zu.

Sonnengarantie in Antalya und auf Kos

"Es ist egal, wohin - Hauptsache die Sonne scheint", heißt es beim größten Last-Minute-Anbieter L'tur. "Das schlechte Wetter bringt auch Leute ins Reisebüro, die sonst nicht verreist wären oder die in Deutschland Urlaub gemacht hätten", sagt Sprecherin Nina Meyer. Sie wichen nun aus: Antalya (33 Grad, Sonne), Mallorca (30 Grad, leicht bewölkt), Kos (34 Grad, Sonne) - das Mittelmeer als Badewanne der Deutschen.

"Die Leute haben die Nase voll vom schlechten Wetter", sagte Stefan Suska vom Veranstalter Alltours. Bei seinem Arbeitgeber zogen die Buchungen wegen des Regens um mehr als zehn Prozent an. Alltours besorgte sich kurzfristig fünf zusätzliche Flugzeuge. "Hotelbetten gibt es genug, die Engstelle sind die Flugzeuge", sagte er.

Auch beim Marktführer TUI aus Hannover brummt das Geschäft wie lange nicht. "Wenn im Sommer das Wetter schlecht ist wie dieses Jahr, kann man die Uhr danach stellen, wann die Buchungen anziehen", sagte Manager Mario Köpers. Das Unternehmen ist insbesondere bei den teureren Angeboten der Luxustöchter Robinson und Sensimar komplett ausgebucht. TUI buche laufend Kapazität nach. Der Konzern hat mit TUIfly eine eigene Fluglinie und kann deshalb besser auf die gestiegene Nachfrage reagieren.

Auch der TUI-Konkurrent Thomas Cook (Neckermann, Öger) legte nach: Zusatzflüge nach Tunesien und Mallorca wurden bestellt. Fast alle Veranstalter berichten außerdem, die Buchungen für Griechenland seien enorm angestiegen - weil in dem Krisenland noch so viel frei war. Auf echte Last-Minute-Schnäppchen sollten Kunden derzeit weniger hoffen, bei der hohen Nachfrage sind Schleuderpreise nicht zu erwarten.

Städtereise statt Küstenurlaub

Die Bundesbürger haben nach dem Wirtschaftsaufschwung und teils kräftigen Lohnsteigerungen gut gefüllte Urlaubskassen. Da bleiben sie nicht zu Hause, nur weil es regnet. Das lässt Reiseanbieter von Umsatzzuwächsen träumen. Sie hatten nach dem Rekordjahr 2011 ein Plus von zwei bis drei Prozent vorausgesagt. "Wenn es noch einen Last-Minute-Boom gibt, sind auch bis zu fünf Prozent drin", sagt nun Torsten Schäfer, der Sprecher des Deutschen Reiseverbands. Nur ein Teil des Zuwachses beruhe auf höheren Preisen.

Noch herrscht im Deutschland-Tourismus aber keine Jammerstimmung. Zwischen Alpen und Waterkant liegen noch immer die beliebtesten Reiseziele der Deutschen, und auch die ausländischen Gäste kommen in immer größerer Zahl. Städte wie Hamburg profitierten etwa von Tagesausflügen nassgeregneter Küstenurlauber, wie beim Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) zu hören ist.

Klassische Inlandsziele wie der Bayerische Wald seien ohnehin nicht so regenanfällig. "Das Wetter ist dort einfach nicht der Hauptgrund für die Reise", sagt BTW-Sprecherin Nicole von Stockert. Während die Ostsee und die Mecklenburgische Seenplatte dagegen tatsächlich leicht einbüßten, seien die Buchungszahlen an der Nordsee bislang stabil.

Burkhard Fraune/dpa/dapd/sto
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