Sommerurlaub Wo Politiker ihre Füße hochlegen

Im Bundestag hat die parlamentarische Sommerpause begonnen. Die Politiker sitzen vor ihren ungepackten Koffern und grübeln: Was ziehe ich nur in Peru an, am Bodensee, auf der Promi-Insel Sylt oder gar zu den Wagner-Festspiele in Bayreuth?


Berlin - Ob Fußball-WM oder Koalitionskrach, Föderalismus- oder Gesundheitsreform: Aufreibende Wochen liegen hinter der deutschen Politikerelite. Die will sich in den Sommerferien auf ganz unterschiedliche Weise entspannen, die einen beim Golfen, die anderen beim Bergwandern. Für so manchen Politiker fällt allerdings der Sommerurlaub wegen der bevorstehenden Landtagswahlkämpfe komplett flach.

Zu einer kleinen Weltreise bricht Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) auf. Er fliegt mit seiner Familie für zweieinhalb Wochen in das Hochland von Peru, um die legendären Pfade der Inka zu erkunden. Nicht so weit weg mit ihrer Großfamilie will Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie hat Italien ins Auge gefasst. Zunächst wird sie sich jedoch mit Ehemann Heiko und ihren sieben Kindern im niedersächsischen Sehnde erholen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger freut sich auf drei Tage Bergsteigen im österreichischen Lech, zusammen mit Gattin Inken und 60 Jugendfreunden in der Seilschaft. Danach fährt der Landesvater für zwölf Tage mit Pateneltern und seinen Kindern in die Toskana.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) holt erst einmal seinen ältesten Sohn aus London ab. Der hat nämlich das letzte Schuljahr in England verbracht. Anschließend fährt er mit Frau Angelika und Kindern in sein Ferienhaus nach Südfrankreich.

Warum aber in der Ferne schweifen, wenn Deutschland selbst Reize zu bieten hat, sagen sich einige Politiker. So will Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach den anstrengenden Stadienbesuchen bei der Fußball-WM auch in diesem Jahr wieder auf Deutschlands Promi-Insel Sylt Kraft tanken. Und dort eventuell auf Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) treffen, der auf Sylt wie fast jedes Jahr seine freien Tage verbringen wird.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) fährt Ende Juli in ihre Ferienwohnung an den Bodensee. Dort will sie "viel schwimmen gehen" und sich mit Hilfe von "ausgiebigen Kulturaktivitäten" für die Zeit nach der Sommerpause erholen. Viel Zeit mit Frau, seinen zwei Kindern und drei Enkeln will Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verbringen. Deshalb bleibt er in heimischen Gefilden, im fränkischen Prichsenstadt.

Kurzurlaub in stressigen Zeiten

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) bleibt nur wenig Zeit zum Ausspannen. Für ihn stehen zwei Monate harter Wahlkampf auf dem Programm. Nur ein paar ruhige Stunden im Garten seines Hauses in Weißekrug zwischen den zahlreichen Terminen will sich der Landesvater zur Erholung gönnen. Denn am 17. September will Ringstorff sein Ministerpräsidentenamt verteidigen.

Ähnlich ergeht es dem Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Auch ihm steht ein anstrengender Wahlkampf bevor. Am 17. September will er sich als Stadtoberhaupt von den Berlinern wiederwählen lassen. Nur ganz kurz will der passionierte Golfer ausspannen. Wo es genau hingeht, behält Wowereit aber für sich.

Auch auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wartet noch ein recht anspruchsvolles Sommerprogramm, weshalb sie vorerst nicht die Beine hochlegen kann. Ob der Besuch des amerikanischen Präsidenten George W. Bush in ihrem Wahlkreis Stralsund kommende Woche oder im Anschluss der G8-Gipfel in Sankt Petersburg: Zahlreiche Termine stehen noch auf dem Programm: Erst am 25. Juli lässt sich Merkel gemeinsam mit Ehemann Joachim Sauer ganz bestimmt nicht die Premiere der Wagner-Festspiele in Bayreuth entgehen. Ob es dann in ihr Ferienhaus in die Uckermark geht, wollte das Kanzleramt nicht verraten.

Henning Hertel, ddp



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