Sonnen ohne Schleier Badeort will Strand für Musliminnen abtrennen

Vor Männerblicken geschützt, können Musliminnen demnächst an der Adria sonnenbaden - und so die Regeln der Scharia befolgen. Hotels im italienischen Riccione wollen Strandabschnitte exklusiv für Frauen abschirmen. Der Badeort erlebt momentan einen Ansturm von arabischen Gästen.


Rom - Der italienische Badeort Riccione will im kommenden Sommer für muslimische Touristinnen eigene Strandabschnitte zur Verfügung stellen, damit diese auch mal ohne Schleier sonnenbaden können.

Jedes Jahr komme eine ultrareiche Klientel von Urlaubern vor allem aus Dubai an die Strände von Riccione, sagte Stadtsprecher Andrea Cicchetti heute der Nachrichtenagentur AFP. Die Musliminnen gingen jedoch nur bei Sonnenuntergang baden und auch dann nur von Kopf bis Fuß bekleidet. Sollte der Betreiber eines Strandabschnittes im kommenden Jahr ein Eckchen mit Stellwänden abstecken, damit die Damen sich auch mal im Badeanzug und geschützt von männlichen Blicken sonnen könnten, würde die Stadt diese Initiative wohlwollend aufnehmen.

Das wenige Kilometer von Rimini entfernt gelegene Riccione lebt hauptsächlich vom Tourismus. Seit einigen Jahren kommen zu den traditionell aus Deutschland und Frankreich stammenden Urlaubern hier auch jeden Sommer zwischen 1000 und 1500 Touristen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien.

Bademeisterinnen auf Wasser-Scooter

Die muslimischen Touristinnen können "alles haben, was sie wollen", sagt Attilio Cenni, Besitzer des Grand Hotel des Bains, zur Nachrichtenagentur AP, "aber sie können hier nicht baden gehen, zumindest nicht ohne all die schweren Kleider." Der Hotelbesitzer plant, einen ersten abgetrennten Strandabschnitt von ungefähr 1000 Quadratmetern im September zu eröffnen und nächstes Jahr weitere an abgelegenen Stränden von Riccione einzurichten. Sein Vorhaben will Cenni mit Fernsehkampagnen in Saudi-Arabien und den Emiraten bekannt machen.

Einen Haken gibt es jedoch noch: Da in Italien die Wasserlinie frei begehbar sein muss, muss der Sichtschutz knapp vor dem Meer enden. Während die Stadt überlegt, eigene Swimmingpools für ihre exklusiven Gäste zu bauen, hofft Cenni laut AP, den Strand völlig absperren zu können. Er will weibliche Rettungsschwimmer einsetzen, die mit Wasser-Scooter das Meer kontrollieren. "Das klingt ein bisschen nach zu viel Phantasie", meint dagegen Stadtsprecher Cicchetti.

abl/AFP/AP



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