Sonnenseiten Morgens um sieben auf dem Vulkan

Kleine und große Fluchten aus dem Alltag stellen Autoren und Redakteure von SPIEGEL ONLINE in der Reihe Sonnenseiten vor. Heute: ein Naturparadies in der Großstadt Hamburg und der schönste Sonnenaufgangs-Spot von Hawaii.


Duvenstedter Brook: Vier-Jahreszeiten-Spektakel

Wenn der Kranich ins afrikanische Winterquartier abhebt, der Rothirsch nach seiner Kuh röhrt, der Nebel über dem Schilf wabert – dann ist Herbst im Duvenstedter Brook. Wenn das Eis wundersame Sternenmuster in die Pfützen friert, Röhricht und Birken weiß überpudert sind, wintert es in einem der größten Naturschutzgebiete Hamburgs. Im Frühjahr tasten sich blinkende Sonnenstrahlen durch helles Buchengrün, und im Sommer gellt ein Quakkonzert über die Teiche, Libellen surfen über Wollgras und Orchideen.

Duvenstedter Brook: Das Moor ist immer schön
Antje Blinda

Duvenstedter Brook: Das Moor ist immer schön

Das Moor ist immer schön. Geduldig nimmt es die Tausenden Hamburger auf, die in herbstlich-kühlen Nächten auf dem Triftweg dem Brunftkonzert des Rotwilds lauschen. Und auch die Vogelliebhaber, die mit großen Ferngläsern Uhus, Fischadlern, Graureihern und Pirolen auflauern. Und all diejenigen, die mit den vielen Grüns des Moors, der Wälder und Wiesen das Großstadtgrau in ihrer Seele einfärben wollen.

Streng gehütet wird das außerordentliche Rückzugsgebiet vieler seltener Tier- und Pflanzenarten von der Naturschutzbehörde und der Umweltorganisation Nabu, die durch Verbarrikadieren und Öffnen der Pfade jeden Besuch im äußersten Nordosten der Stadt spannend halten - denn Brunft- und Brutplätze sollen ungestört von neugierigen Großstädtern bleiben.

Antje Blinda, Reiseredakteurin und Hamburgerin, die schon manche Furche in die Wanderwege des Brooks gelaufen hat.


Duvenstedter Brook . Zu erreichen mit der U-Bahn U1 bis Ohlstedt, dann mit dem Bus 276 bis zum Duvenstedter Triftweg.

Hawaii: Morgens um sieben auf dem Vulkan

"Wann geht's denn endlich los?" Sue-Ellen aus Idaho tritt von einem Fuß auf den anderen. Nur wegen ihrer beiden Freundinnen ist sie mitgekommen. Das ist wahre Freundschaft: das warme Bett unten in Wailea mit der Eiseskälte auf dem 3000 Meter hohen Haleakala zu vertauschen. Jetzt steht sie dort auf einem Lavabrocken, friert wie ein Schneider und glotzt in die Schwärze. Nichts. Dann aber wird es plötzlich milchig, und aus der nebligen Suppe tauchen allmählich die Kraterränder auf.

Falsche Seite: Nie wieder Sonnenaufgangs-Spotter fotografieren
Ole Helmhausen

Falsche Seite: Nie wieder Sonnenaufgangs-Spotter fotografieren

Doch Sue-Ellen reißt das immer noch nicht vom Hocker. Sie bittet mich um ein Gruppenbild, wohl um die Zeit zu vertreiben. Ich komme der Bitte nach. 30, höchstens 40 Sekunden dauert die Aktion - doch zu lange, wie ich nachher feststellen muss. Als ich mich wieder umdrehe, ist die Sonne über dem gegenüberliegenden Kraterrand aufgegangen. Unglaublich. Der Haleakala, das mythische "Haus der Sonne" der alten Polynesier, zeigt sich von seiner allerbesten Seite. Die drei jungen Damen fallen sich jubelnd in die Arme.

Der Sonnenaufgang über dem Haleakala-Vulkan ist Pflichtübung eines jeden Maui-Besuchers. Zwei Millionen sehen ihn sich jedes Jahr an. Fast 100.000 davon radeln hinunter. Das sollte gesagt werden, aber es sollte einen nicht vergrätzen. Denn so einmalig wie der Sonnenaufgang ist auch, was dieses Naturschauspiel mit den Menschen anstellt. Die Palette der Reaktionen reicht vom hysterischen Kreischen bis zum stillen Genießen. Nur eines werde ich nie verstehen (doch wer versteht den Homo touristikus schon?). Die Sonnenuntergänge sind ebenso spektakulär, doch dann sind die Parkplätze hier oben so gut wie leer.

Ole Helmhausen, Reisejournalist und überzeugter Montréaler, wird künftig niemanden mehr am Kraterrand knipsen.


Hale Ho'okipa
32 Pakani Place, Makawao,
Maui, Hawaii 96768,
Tel. 808/572-6698.
Das historische B&B, ein Schmuckstück von 1924 mit Holzdielen und Himmelbetten, ist der beste Ausgangspunkt für Sunrise-Touren. Aufstehen erst um 5 Uhr.

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