Spanien 61 Verletzte bei Stierhatz in Pamplona

Der Tod eines 27-Jährigen am Freitag war wohl nicht abschreckend genug: Die Stierhatz in Pamplona ging am Samstag weiter. Für 61 Menschen endete das gefährliche Spektakel mit Verletzungen, sieben mussten ins Krankenhaus.

Pamplona - Eine Schweigeminute für den Toten - und dann wurde das Stiertreiben in den Straßen von Pamplona fortgesetzt: Am Samstag sind bei der traditionellen Hatz 61 Menschen zumeist leicht verletzt worden. Für sieben der Teilnehmer endete das lebensgefährliche Spektakel allerdings im Krankenhaus, wie die Rettungskräfte in der nordspanischen Stadt mitteilten. Unter ihnen war auch ein 26 Jahre alter Ire. Er wurde von einem der Stiere an der gleichen Stelle niedergetrampelt, an der am Freitag der Spanier Daniel Jimeno Romero tödlich aufgespießt worden war.

Der irische Tourist versuchte, einen der bis zu 600 Kilogramm schweren Bullen an den Hörnern zu packen. Das Tier drehte sich daraufhin um und ging auf den jungen Mann los, der zu Boden fiel und unter die Hufe geriet. Er musste wegen mehrerer Prellungen behandelt werden. Ein 22 Jahre alter Spanier und ein 48-jähriger Amerikaner erlitten Kopfverletzungen. Verletzte durch Hornstöße gab es diesmal nicht.

Am Freitag hatte der Bulle "Capuchino" den 27-jährigen Daniel Jimeno Romero tödlich am Hals getroffen. Der Stier wurde Stunden später beim Stierkampf in der Arena von dem Matador David Fandila, besser bekannt als "El Fandi", getötet. Der Kopf des Tieres soll ausgestopft werden. Sammler begehrten ihn bereits als Trophäe, berichtete das Fernsehen. Vor dem Stierkampf hatte das Publikum des getöteten Spaniers mit einer Schweigeminute gedacht.

Jimeno war nach Angaben seiner Familie ein erfahrener Läufer, der seit sieben Jahren an der Hatz in Pamplona teilnahm. Dort leben seine Großeltern. Am Freitag sei der 27-Jährige aus der Nähe Madrids jedoch unglücklich gestolpert und gestürzt. "Capuchino" hatte den am Boden liegenden jungen Mann aufgespießt und mit einem seiner Hörner die Halsschlagader durchtrennt. Die Veranstalter sind der Ansicht, dass zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen trotz des ersten Todesfalls seit 2003 nicht nötig seien.

Obwohl Gegner der Veranstaltung das Spektakel als Tierquälerei kritisieren, ist die Stieretreiebn in Pamplona jedes Jahr ein großer Publikumsmagnet. Das Treiben beginnt immer um 8 Uhr und dauert meist nur wenige Minuten. Abgesperrte Seitenstraßen verhindern, dass die Tiere ausreißen. An Wochentagen nehmen nach Angaben der Stadt rund 2000 Läufer teil, am Wochenende fast 3500. Zwischen 200 und 300 Menschen werden jedes Jahr verletzt, die meisten allerdings nur leicht. Seit 1924 kamen 15 Läufer ums Leben.

Die Tradition hat ihre Wurzeln im Mittelalter. Damals wurden die Kampfstiere zu Fuß für die Stierkämpfe in die Stadt gebracht. Wann genau Männer damit begannen, vor den Stieren zu laufen, ist nicht bekannt. Da die Stadt das gefährliche Treiben wegen seiner Popularität nicht verbieten konnte oder wollte, entschied sie sich im Jahr 1867, es zu regulieren. Der Roman "Fiesta" (1926) von Ernest Hemingway machte das Stiertreiben weltbekannt.

sac/dpa
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