Spanien Legionärskrankheit fordert erstes Opfer

Bis zu 165 Menschen in der südostspanischen Stadt Murcia sind bereits infiziert, ein 65-jähriger Mann starb. Touristikregionen sind von der Epidemie bisher verschont.


Nur noch mit Tüchern vor dem Mund trauen sich Murcias Einwohner vor ihre Häuser
EPA/DPA

Nur noch mit Tüchern vor dem Mund trauen sich Murcias Einwohner vor ihre Häuser

Fieber, Durchfall und Lungenentzündung - die Legionärskrankheit kann für ältere oder geschwächte Menschen tödlich enden. Beim jetzigen Ausbruch der Krankheit in Murcia sprechen die Gesundheitsbehörden bereits von der wahrscheinlich größten Epidemie dieser Infektion in Spanien.

Die Zahl der Betroffenen steigt stetig: Bis zum Nachmittag wurden bereits 120 Menschen in Krankenhäuser eingeliefert, zwei von ihnen liegen auf der Intensivstation, ein Mann verstarb an einer Lungenentzündung. Insgesamt sei von mindestens 165 Erkrankungen auszugehen.

In zwei Stadtvierteln des Zentrums von Murcia ist die Erkrankung bisher ausgebrochen. Viele Einwohner trauten sich nur noch mit einem Tuch vor dem Mund auf die Straße, andere horten Mineralwasser in Flaschen. In allen Apotheken wurden Informationsblätter ausgelegt.

Der genaue Infektionsherd konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Im Verdacht stehen zwei große Kühltürme im Zentrum der 330.000-Einwohner-Stadt. Die Behörden ließen als Vorsichtsmaßnahme das Wasser der Brunnen in der Stadt abdrehen. Auch die Klimaanlagen großer Kaufhäuser und des Regierungspalastes wurden untersucht und desinfiziert.

Übertragungsweg für die Legionärskrankheit ist die Luft. Die Erreger, die so genannten Legionellen, vermehren sich in lauwarmen Wasser oder Klimaanlagen und gelangen durch Einatmen in den menschlichen Körper. In den vergangenen fünf Jahren forderte die Krankheit in Spanien 26 Todesopfer.

Die Legionärskrankheit wurde erstmals 1976 in den USA beobachtet, als nach einem Treffen von Kriegsveteranen in einem Hotel zahlreiche Teilnehmer erkrankten und starben.



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