Sorge vor weiteren Anschlägen TUI holt Kunden aus Sri Lanka zurück

Das Auswärtige Amt sieht weiterhin die Gefahr von Anschlägen in Sri Lanka, andere Länder warnen vor Reisen dorthin. TUI bietet den Kunden nun eine vorzeitige Rückreise an.

Surferstrand Narigama, rund hundert Kilometer südlich von Colombo
Andrey Danilovich/ iStock Unreleased/ Getty Images

Surferstrand Narigama, rund hundert Kilometer südlich von Colombo


Nach den Anschlägen vom Ostersonntag mit mehr als 250 Toten in Sri Lanka gibt es Warnungen vor weiterer Gewalt - der TUI-Konzern bietet Urlaubern jetzt die vorzeitige Rückreise an. In einer Moschee in der Hauptstadt Colombo wurden am Freitag mehr als 40 Schwerter und Messer sowie armeeähnliche Uniformen entdeckt.

Das Auswärtige Amt teilte mit, die Sicherheitslage in Sri Lanka bleibe "im ganzen Land angespannt". "Es besteht grundsätzlich die Gefahr von weiteren Anschlägen", heißt es in dem verschärften Sicherheitshinweis der Behörde zu dem Land. Von nicht notwendigen Reisen nach Colombo rät sie ab - und außerdem zur erhöhten Wachsamkeit der Reisenden vor Ort.

TUI reagierte darauf. Aktuell befänden sich rund 150 Kunden in Sri Lanka - sie würden aktiv von der Reiseleitung kontaktiert, um die vorzeitige Rückkehr zu organisieren, teilte TUI mit. Alle Reisen nach Sri Lanka seien bis einschließlich zum 31. Mai abgesagt.

Kunden, die bis zum 31. Mai eine Reise auf die Insel gebucht haben, können gebührenfrei auf ein anderes Ziel umbuchen oder ihre Reise stornieren. Zum TUI-Konzern gehören auch Veranstalter wie Airtours, L'tur, Gebeco oder Berge & Meer.

Eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) sagte, bislang sei TUI der einzige deutsche Veranstalter, der Reisen nach Sri Lanka abgesagt habe und aktiv zur vorzeitigen Rückreise auffordere. Groben Schätzungen zufolge befinden sich rund 5000 deutsche Urlauber auf der Insel, wie die Sprecherin weiter sagte.

Kostenlose und kurzfristige Stornierungen möglich

Andere Unternehmen stellten ihren Kunden anheim, frühzeitig zurückzufliegen. Sie bieten kostenlose Stornierungen gebuchter Reisen an. Noch gibt es laut DRV aber nur vereinzelt entsprechende Anfragen. Bisher gelten diese Angebote:

  • Alltours-Kunden können einen Urlaub mit Anreisedatum bis zum 30. April kostenfrei stornieren, wie ein Sprecher erklärte.
  • Bei FTI gibt es diese Möglichkeit für Anreisen bis einschließlich 28. April, teilte eine Sprecherin mit. Für Urlauber, die später anreisen, prüfe man Umbuchungsmöglichkeiten.
  • Reisende mit Thomas Cook können Buchungen mit Anreise bis zum 2. Mai kostenfrei umbuchen oder stornieren, erklärte eine Sprecherin. Bei späteren Anreisen prüfe man Anfragen individuell.
  • Studiosus ermöglicht für Buchungen mit Abreise im April und Mai kostenfreie Umbuchungen oder Stornierungen. Für alle Reisen, die später im Jahr beginnen, bestehe die Möglichkeit aktuell nicht. Man gehe nach derzeitigem Kenntnisstand davon aus, dass alle ab Sommer beginnenden Reisen planmäßig durchgeführt werden können. Studiosus nimmt bei Bedarf tagesaktuell Anpassungen im Reiseprogramm vor, teilte der Veranstalter für Studien- und Erlebnisreisen mit. Man beobachte die Entwicklung im Land mit größter Aufmerksamkeit.
  • Bei DER Touristik ist das Abreisedatum ausschlaggebend: Trips mit Abreise bis zum 6. Mai können kostenfrei umgebucht oder storniert werden. DER Touristik hat außerdem das Ausflugsprogramm in die Hauptstadt Colombo, in der die drei betroffenen Luxushotels und eine der drei Kirchen stehen, eingestellt. Reisen durch das Land fänden aber statt, sagte eine Sprecherin.

Aus Sicht des Reiserechtlers Paul Degott können Urlauber generell Pauschalreisen nach Sri Lanka, die in den kommenden Wochen starten würden, kostenfrei stornieren. Angst vor Terror allein sei zwar keine ausreichende Begründung. Doch in Sri Lanka kämen nun mehrere Umstände dazu: Die Situation vor Ort sei ungewiss - Notstandsbestimmungen sind eingeführt und ob weitere Anschläge drohen, ist unklar.

Wer später im Jahr - etwa in den Herbstferien - eine Reise ins Land gebucht hat, dem rät Degott, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und die Reisehinweise des Auswärtigen Amts zu lesen. Diese werden stetig aktualisiert. Er empfiehlt zudem, den Veranstalter zu kontaktieren. "Die haben Leute vor Ort und stets genauere Informationen. Man kann fragen: 'Wie stellt sich die Situation aus eurer Sicht dar?'"

Warnung vor Anschlägen gegen Moscheen

Die US-Botschaft in Colombo hatte bereits vor Anschlagsplänen gewarnt und gemahnt, Gotteshäuser von Freitag bis Sonntag zu meiden. Auch Touristenziele, Flughäfen, Hotels, Krankenhäuser, Restaurants, Märkte und andere öffentliche Orte könnten Ziele sein, hieß es. Länder wie Israel und Großbritannien haben Reisewarnungen für Sri Lanka herausgegeben.

Sri Lankas Polizei teilte mit, dass Islamisten Geheimdienstinformationen zufolge Moscheen der Sufisten - einer Strömung im Islam mit mystischen Traditionen - angreifen wollten. Radikale Islamisten betrachten Sufisten-Anhänger wegen deren Toleranz anderen Religionen gegenüber als Feinde. Die Sicherheitsvorkehrungen an Sufisten-Moscheen wurden laut Polizei erhöht. Nur in wenigen islamischen Gotteshäusern fanden allerdings Freitagsgebete statt.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Taten für sich, die Regierung in Colombo machte dagegen eine einheimische Islamistengruppe verantwortlich. Nach den Anschlägen hatten viele Luxushotels in Colombo die Zahl der Buchungen beschränkt und ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht.

Sri Lanka boomt seit Jahren als Fernreiseziel. 2018 reisten nach Angaben des Auswärtigen Amtes knapp 157.000 deutsche Touristen in das südasiatische Land - gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

abl/dpa/AFP

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